Sechs Punkte aus drei Spielen, Platz vier und zuletzt ein 1:0-Auswärtssieg bei Club NXT: Die AS Eupen hat sich vor dem fünften Spieltag der Challenger Pro League eine gute Ausgangsposition verschafft.
Nun wartet mit Patro Eisden allerdings ein Gegner, der mit erst drei Punkten aus vier Begegnungen weit hinter den eigenen Erwartungen zurückliegt. Rang 13 entspricht keineswegs den Ansprüchen des Klubs, der vor der Saison zu den Mannschaften gezählt wurde, die um die vorderen Plätze mitspielen können. Gerade deshalb erwartet Eupens Trainer Felice Mazzù am Sonntag einen besonders unangenehmen Gegner.
Mazzù warnt vor Patro
"Wir wissen, dass es eine Mannschaft ist, die zu den Favoriten gezählt wird", sagt Mazzù und warnt davor, Patro allein anhand der aktuellen Tabelle zu beurteilen. Die Mannschaft von Stijn Stijnen, der für seine emotionale und bisweilen hitzige Art bekannt ist, verfüge über viel Intensität – sowohl im körperlichen Spiel als auch in den Umschaltmomenten. Dass Stijnen gerne provoziert und Emotionen ins Spiel bringt, gehört bei Patro beinahe zur Philosophie. Mazzù will sich davon jedoch nicht beeinflussen lassen. Der Eupener Trainer betont, dass er nicht Teil der Vergangenheit zwischen den beiden Klubs gewesen sei und deshalb auch nicht über mögliche Vorfälle aus der vergangenen Saison sprechen wolle. "Ich war nicht da, deshalb habe ich nicht darüber zu sprechen", stellt er klar.
Stattdessen richtet Mazzù den Blick auf die eigene Mannschaft. Die Vorbereitung auf Patro sei wie auf jeden anderen Gegner verlaufen: Analyse, taktische Vorbereitung und Arbeit an den defensiven sowie den offensiven Abläufen. Klar ist für den Trainer, dass Zweikämpfe, Struktur und die richtige Einstellung entscheidend sein werden. "Wir müssen sehr aufmerksam sein, was die Intensität betrifft, sowohl im körperlichen Kampf als auch bei den Transitionen“, erklärt Mazzù. Gleichzeitig fordert er von seinen Spielern, ihr eigenes Spiel nicht zu vergessen. Denn so unangenehm Patro auch auftreten kann – Eupen will nicht ausschließlich auf den Gegner reagieren.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der mentalen Vorbereitung. Mazzù weiß, dass die Partie emotional werden könnte und fordert von seinen Spielern deshalb vor allem Selbstkontrolle. "Ein Spiel gewinnt man auch mit Intelligenz und mentaler Reife", sagt der Trainer. Seine Mannschaft müsse sehr respektvoll in die Begegnung gehen und dürfe sich nicht auf Provokationen einlassen. Es gehe nicht darum, die Spieler aufzuheizen, sondern darum, ihnen zu vermitteln, wie wichtig die Kontrolle der eigenen Emotionen sei. Gerade gegen einen Gegner wie Patro könne dies am Ende den Unterschied machen.
Defensiv auf dem richtigen Weg
Sportlich sieht Mazzù seine Mannschaft ohnehin auf einem guten Weg. Vor allem defensiv habe Eupen zuletzt Fortschritte gemacht. Beim 1:0 gegen Club NXT habe die Mannschaft den taktischen Plan nahezu perfekt umgesetzt. "Das Team war fantastisch", lobt der Trainer seine Spieler. Nach den Erfahrungen aus dem Spiel gegen Lokeren-Temse, als Eupen zwischen den Linien zu offen gestanden habe und dadurch zwei Gegentore kassierte, sei eine klare Entwicklung zu erkennen. Offensiv dagegen gebe es noch Steigerungspotenzial. Eupen erspielt sich Chancen, muss diese Möglichkeiten aber konsequenter nutzen.
Von Offensiv-Schwierigkeiten will Mazzù nichts wissen. Sechs Tore in drei Spielen sprechen aus seiner Sicht für eine ordentliche Bilanz. Auch die Daten würden zeigen, dass Eupen zu den besseren Offensivmannschaften der Liga gehört. "Wir müssen unsere Effizienz verbessern", räumt der Trainer ein. Gleichzeitig könne man mit den bisher erzielten sechs Treffern durchaus zufrieden sein. Entscheidend sei vor allem die Qualität im letzten Drittel, der letzte Pass und der letzte Abschluss.
Dass attraktiver Fußball nicht immer automatisch erfolgreichen Fußball bedeutet, verdeutlichte Mazzù mit einem Vergleich aus der Champions League. Aston Villa habe gegen Club Brügge ebenfalls eher abwartend agiert und am Ende gewonnen. Genau das habe Eupen in Brügge ebenfalls gemacht. "Manchmal sind wir weniger schön anzusehen und am Ende gewinnt man", sagt der Trainer. Gegen Patro dürfte es deshalb nicht darum gehen, zwanghaft spektakulär aufzutreten. Entscheidend wird vielmehr sein, im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Taktisch flexibel
Auch bei der taktischen Ausrichtung hält sich Mazzù alle Möglichkeiten offen. Ein Systemwechsel sei nicht ausgeschlossen. "Gegen diese Art von Mannschaft müssen wir auf alles vorbereitet sein", erklärt er. Mehrere Systeme seien bereits während der Vorbereitung einstudiert worden. Auch auf den Außenbahnen besitzt der Trainer verschiedene Optionen. Isaac Nuhu überzeugte zuletzt nach seiner Einwechslung mit seiner offensiven Qualität, während Sandro Vidigal in der Startelf vor allem taktisch und defensiv einen wichtigen Beitrag leistete. Mazzù zeigt sich mit beiden zufrieden. Wer gegen Patro beginnt, soll kurzfristig entschieden werden.
Auch Mathias Fixelles, der beim 1:0-Sieg gegen Club NXT in der Startelf stand, will die besondere Atmosphäre rund um das Duell nicht überbewerten. Fixelles blickt dabei bewusst nicht zu sehr auf die Tabelle. Sechs Punkte aus drei Spielen seien eine ordentliche Ausgangslage, doch nach wenigen Spieltagen sei es zu früh, über Meisterschaft oder Aufstieg zu sprechen. Viel wichtiger sei die tägliche Arbeit und die Entwicklung der Mannschaft. Dabei spürt der Neuzugang nach eigenen Angaben eine ausgesprochen positive Stimmung innerhalb des Teams. Auch die Spieler, die von der Bank kommen, würden immer wieder einen Beitrag leisten. "Das zeigt, dass die Gruppe gut lebt und jeder für die drei Punkte kämpfen will", sagt Fixelles.
Dass er überhaupt in Eupen gelandet ist, hat auch mit seiner besonderen Beziehung zu Mazzù zu tun. Beide wurden einst gemeinsam mit Union Saint-Gilloise Meister. Nun wollen sie in Eupen einen neuen Weg einschlagen. Einen schnellen Vergleich mit den damaligen Erfolgen lehnt Fixelles jedoch ab. Die Situationen seien nicht miteinander vergleichbar. Eupen befinde sich vielmehr in einer Aufbauphase mit dem Ziel, den Verein Schritt für Schritt wieder nach oben zu führen.
Das Duell mit Patro Eisden kann für die AS ein interessanter Charaktertest zu werden.
Christophe Ramjoie