Es war ein besonderer Moment in der 59. Minute: Loredana Humartus betrat wieder den Platz. Nach anderthalb Jahren Verletzungspause durfte die 23-Jährige erstmals wieder in einem Pflichtspiel für Standard Lüttich auflaufen. Der Kreis schloss sich damit ausgerechnet gegen Brügge. "Das war ein unglaubliches Gefühl. Es war, als ob ich nie weg gewesen wäre", beschreibt Humartus ihre ersten Minuten nach dem Comeback. "Es ist einfach ein Gefühl, das ich so sehr vermisst habe."
Ganz die alte Loredana ist sie dabei noch nicht. Nach 18 Monaten fehlt naturgemäß noch die Spielpraxis, auch 90 Minuten sind für sie momentan noch kein Thema. Doch viel wichtiger ist für die Weywertzerin, dass das Knie hält und die Angst vor einer erneuten Verletzung verschwunden ist. "Ich bin einfach froh, dass ich wieder Fußball spielen kann, dass es meinem Knie gut geht, dass ich keine Angst habe und wieder auf dem Platz stehe."
Dass die Rückkehr nicht nur emotional, sondern auch körperlich sofort spürbar war, zeigte sich wenige Minuten nach ihrer Einwechslung. Humartus holte sich bereits nach kurzer Zeit eine Gelbe Karte ab. "Ich glaube schon, dass das ein gutes Zeichen ist", sagt sie mit einem Lachen. "Ich musste die Energie ja irgendwo hinbringen. Ich glaube, da haben alle gesehen, dass ich wieder da bin, zurück bin und auch keine Angst habe."
Der Weg zurück war allerdings deutlich länger und schwieriger als zunächst erwartet. Humartus hatte sich im Februar 2025 im Spiel gegen Brügge einen Kreuzbandriss zugezogen. Aus der zunächst erwarteten Ausfallzeit wurden schließlich 18 Monate. "Es war wirklich eine sehr, sehr harte Zeit, vor allem die ersten Monate. Ich hätte auch nicht damit gerechnet, dass es so lange dauert."
Die lange Pause hat ihre Spuren hinterlassen. Jetzt muss sich der Körper wieder an die Belastung und die Intensität des Fußballs gewöhnen. Gleichzeitig hat die Verletzungspause Humartus gestärkt. "Mental bin ich stärker als je zuvor und ich bin auf jeden Fall bereit, weiterzukämpfen."
Dabei hat sich die Mittelfeldspielerin bereits neue Ziele gesetzt, langfristig auch wieder für die belgische Nationalmannschaft auflaufen. "Mein Traum ist natürlich, wieder mit den Red Flames zu spielen, vielleicht auch mit der U23. Und ich möchte meinen Stammplatz in Lüttich zurückbekommen und wieder mehr und mehr Spielzeit bekommen."
Von großen Versprechungen für die kommende Saison will Humartus allerdings noch nichts wissen. Nach einer so langen Verletzungspause gilt für sie zunächst das Prinzip "Schritt für Schritt". "Diese Saison ist erst einmal das Ziel, dass ich mein Niveau wieder erreiche. Was am Ende der Saison der Plan ist, weiß ich jetzt noch nicht. Das hängt ganz von meinem Körper ab und davon, wie er das alles mitmacht."
Denn eine solche Situation hat die Weywertzerin noch nie erlebt. Nach 18 Monaten muss sie lernen, auf ihren Körper zu hören und die Belastung entsprechend anzupassen. Dabei hilft ihr auch das Vertrauen ihres Vereins. "Das stärkt auf jeden Fall meine Situation und gibt mir die Sicherheit, wieder die alte Loredana zu werden." Vielleicht sogar eine noch bessere Version ihrer selbst. Denn die lange Leidenszeit hat ihr nicht die Motivation genommen – im Gegenteil.
Für ihren Weg zurück ist Humartus vor allem ihrer Familie, ihren Freunden und ihrem Verein dankbar. "Ohne die hätte ich das auf jeden Fall nicht geschafft." 18 Monate nach dem bitteren Moment gegen Brügge ist damit ein neues Kapitel aufgeschlagen. Wieder Brügge, wieder Fußball – diesmal allerdings mit einem ganz anderen Gefühl. Loredana Humartus ist zurück.
Radio-Interview mit Loredana Humartus im Player:
Christophe Ramjoie