Er ist erst zehn Jahre alt, doch wenn Matt Kupper über Motorsport spricht, klingt das erstaunlich abgeklärt. Seit zwei Jahren sitzt der Nachwuchsfahrer im Kart. Bei der IAME Euro Series in Genk misst er sich mit deutlich erfahreneren Konkurrenten – und mit Teams, deren finanzielle Möglichkeiten teilweise ein Vielfaches seines eigenen Budgets betragen.
Auf der Strecke lässt Kupper sich davon wenig beeindrucken. Er ist schnell und der Abstand zur Spitze ist gering. Im Rennen läuft nicht alles perfekt, wie er selbstkritisch feststellt: "Das Rennen ist gut gelaufen. Ich habe ein paar Fehler gemacht, aber die Überholmanöver waren sauber. Ansonsten hat mit dem Motor alles gepasst."
Auch die Vorbereitung auf das Finale nutzt der Zehnjährige konsequent, um sich weiter nach vorne zu arbeiten. "Wir haben hier die Super gefahren, um uns auf das Finale vorzubereiten. Jetzt habe ich vielleicht eine bessere Position für das Finale. Gestern lief es nicht so gut, aber wir werden sehen.“
Erblich vorbelastet
Dass Kupper überhaupt im Kart sitzt, ist kein Zufall. Sein Vater ist selbst im Motorsport aktiv gewesen. Matt ist damit praktisch in die Rennsportwelt hinein geboren.
"Papa hat früher Rennsport gemacht. Ich bin im Motorsport aufgewachsen", erzählt er. Seine ersten Runden drehte er in Eupen noch mit einem Viertakt-Kart. Doch damit gab er sich nicht lange zufrieden. "Dann haben wir Zweitakt ausprobiert und ich wollte kein Viertakt mehr fahren. Also haben wir mit Zweitakt angefangen."
Seitdem geht es für den jungen Fahrer vor allem um eines: Erfahrung sammeln und sich Schritt für Schritt weiterentwickeln.
Genk ist eine Rennstrecke mit großer Geschichte. Auch Max Verstappen sammelte hier in jungen Jahren Rennerfahrung. Für Kupper ist das allerdings kein Grund, automatisch an eine ähnliche Karriere zu glauben.
Seine Antwort ist bemerkenswert nüchtern: "Das bedeutet mir nicht so viel. Wenn man darüber nachdenkt, sind schon Millionen Menschen auf dieser Strecke gefahren und niemand hat dieselbe Zukunft. Man kann die Zukunft nicht anhand einer einzigen Strecke vorhersagen."
Ein Zehnjähriger, der bereits verstanden hat, dass Motorsportkarrieren nicht nach einem einfachen Muster funktionieren.
Profitraum
Einen Traum hat Matt Kupper trotzdem. Profi möchte er werden – allerdings nicht unbedingt in der Formel 1.
"Ich möchte GT3-Profi werden", sagt er. Der Grund ist ebenfalls erstaunlich pragmatisch: "Ich habe nicht wirklich Lust, in die Formel 1 zu gehen, weil das Budget schon sehr teuer ist. GT3 ist günstiger, einfacher und es gibt mehr Rennen. Dadurch macht es mehr Spaß. Deshalb wäre ich lieber in GT3 als in der Formel 1."
Sein Weg dorthin soll über möglichst viele Rennkilometer führen. In Genk geht es deshalb nicht allein um ein Ergebnis. Kupper will lernen, Erfahrungen sammeln und sich auf seine Einsätze in der IAME Euro Series Benelux vorbereiten.
"Hier geht es vor allem darum, Erfahrung zu sammeln. Wir fahren noch eine andere Meisterschaft. Deshalb versuchen wir, möglichst viel Erfahrung zu sammeln, um in der IAME Series Benelux Podiumsplätze zu holen. Ich möchte im Rennen möglichst viel überholen und wirklich die meiste Erfahrung sammeln."
Während Matt auf der Strecke konzentriert bleibt, ist die Anspannung bei seiner Familie größer. Vor allem seine Mutter erlebt die Rennen mit gemischten Gefühlen. Ein Unfall im vergangenen Jahr steckt noch in den Köpfen.
"Sie unterstützt mich während der Rennen nicht so sehr, weil sie es stressig findet. Ich hatte letztes Jahr einen Unfall. Deshalb ist sie jetzt sehr nervös", erzählt Matt. Immerhin wird es besser: "Aber es wird immer besser, weil ich immer bessere Ergebnisse fahre. Deshalb ist sie viel weniger gestresst als letztes Jahr."
Der Zehnjährige selbst wirkt dagegen alles andere als nervös. Er hat einen klaren Plan: fahren, lernen, besser werden – und irgendwann Rennen gewinnen.
Christophe Ramjoie