Die belgische U18-Handballnationalmannschaft hat bei der B-Europameisterschaft in Georgien mit dem dritten Platz ein starkes Ausrufezeichen gesetzt. Im kleinen Finale sicherte sich das Team die Bronzemedaille und bestätigte damit die positive Entwicklung des belgischen Nachwuchshandballs.
Nationaltrainer Andy Palm aus Ostbelgien spricht von einem "sehr großen Erfolg" und sieht Belgien bei den B-Nationen inzwischen vorne mitspielen. "Es ist definitiv als ein sehr großer Erfolg für uns einzustufen", sagt Palm rückblickend. Zwar hatte bereits die vorherige Generation eine Bronzemedaille gewonnen, doch diesmal war Belgien noch näher am ganz großen Coup. "Wir waren noch ein Ticken näher am Finale dran und sind am Ende nur mit einem Tor im direkten Vergleich gescheitert."
Trotz der knapp verpassten Finalteilnahme fällt Palms Bilanz durchweg positiv aus. Belgien habe sich in Georgien nicht nur sportlich gut präsentiert, sondern auch mit seiner Spielweise überzeugt. "Wir hatten zwei All-Star-Spieler und haben uns super präsentiert. Für Belgien war es ein gelungenes Turnier."
Besonders bemerkenswert war der enge Kampf um den Finaleinzug. Gegen Georgien musste Belgien mit vier Toren Unterschied gewinnen. "Wir hatten uns im Staff vorher die Regeln angeschaut. Es gab aber zwei Regelwerke, und nach Abschluss der Gruppenspiele griff dann wieder ein anderes Regelwerk."
Die Mannschaft wurde zunächst bewusst nicht mit dieser zusätzlichen Drucksituation konfrontiert. Erst in der letzten Auszeit musste Palm seinen Spielern die Ausgangslage erklären: "Ich musste reinen Wein einschenken und ihnen sagen, dass wir diese vier Tore brauchen."
Belgien hatte die notwendige Differenz zwischenzeitlich sogar in Reichweite. Am Ende fehlte jedoch ein Treffer. "Wir waren mit einem guten Polster vorne, aber am Ende hat es leider nicht gereicht. So bitter kann Leistungssport sein."
Dabei hatte die Mannschaft während des Turniers noch mit einem weiteren Gegner zu kämpfen: einem Magen-Darm-Virus, der zahlreiche Spieler und Mitglieder des Staffs erwischte. "Das hat definitiv mit dazu beigetragen", erklärt Palm. Gerade gegen Bulgarien habe man gespürt, dass bei vielen Spielern die letzten Kräfte fehlten. "In der Abwehr und auch im Angriff hat einfach dieser letzte Prozentsatz gefehlt, obwohl wir ein gutes Spiel gemacht haben."
Insgesamt waren zehn bis elf Spieler sowie zwei Mitglieder des Staffs betroffen. Für Palm hatte die schwierige Situation allerdings auch eine positive Wirkung auf die Mannschaft. "Sie ist dadurch noch mehr zusammengewachsen." Gerade im entscheidenden Spiel gegen Georgien sei dieser Zusammenhalt deutlich zu erkennen gewesen.
Die Bronzemedaille ist für Palm zugleich ein Beleg dafür, dass sich Belgien im internationalen Nachwuchshandball weiterentwickelt. Von der europäischen Spitze sei man zwar noch entfernt. "Da ist es noch ein ganz, ganz weiter Weg." Gleichzeitig habe die Mannschaft aber gezeigt, dass sie bei den B-Nationen inzwischen zur erweiterten Spitze gehört. "Wir haben gezeigt, dass wir vorne mitspielen."
Der nächste Entwicklungsschritt könnte durch die geplanten Handballakademien in Belgien erfolgen. Palm verspricht sich davon viel. "Das ist ein großer Schritt für den belgischen Handball." Mehr Training, ein stärkerer Leistungsgedanke und regelmäßige Vergleiche mit stärkeren Gegnern sollen das Niveau langfristig anheben.
Allerdings brauche diese Entwicklung Zeit. "Wir sind da, glaube ich, noch am Anfang. Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis wir die Früchte bei der Jugendnationalmannschaft ernten können." Gleichzeitig sei die Vorfreude groß: "Ich freue mich natürlich, je früher es klappt."
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch Ostbelgien. Das Trainergespann der U18-Nationalmannschaft kommt aus der Region, mehrere Spieler des erfolgreichen Teams ebenfalls. Palm sieht den ostbelgischen Weg als wichtigen Bestandteil der Entwicklung. "Ich denke, der ostbelgische Weg ist gut."
Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass Spieler aus Ostbelgien regelmäßig tragende Rollen in der U18-Nationalmannschaft übernehmen. Nun gelte es, diese Entwicklung gemeinsam fortzusetzen. "Wir müssen schauen, wie wir gemeinsam zwischen den Vereinen den besten Weg für den Handball finden - langfristig."
Christophe Ramjoie