Sechs Wochen lang herrschte bei der AS Eupen weitgehend Funkstille. Während der gesamten Vorbereitung wurden Interviewanfragen aus dem Verein konsequent abgelehnt, Informationen gab es nahezu ausschließlich über offizielle Transfermeldungen. Erst wenige Tage vor dem Saisonstart gegen Jong Genk öffnete die AS Eupen wieder die Tür zur Öffentlichkeit.
Neue Kommunikationsstrategie: Weniger Informationen, mehr Substanz
Sportdirektor Pasquale Sensibile stellte sich den Fragen der Journalisten und erklärte, warum der Verein in den vergangenen Wochen bewusst auf Distanz gegangen war. "Wir wollten die Dinge anders machen", sagte der Italiener. Man habe das Bedürfnis gehabt, "ruhig zu bleiben und ein bisschen Ordnung zu schaffen".
Die Zurückhaltung sei deshalb nicht als Distanz zu den Medien zu verstehen, sondern als Teil einer neuen Philosophie. Künftig wolle der Verein weniger Informationen verbreiten, diese dafür aber gezielter und mit mehr Substanz. "Mehr Qualität und etwas weniger Quantität bei den Informationen, die aus dem Club kommen", lautet Sensibiles Ansatz.
Ein kompletter Kader für Mazzù – und ein deutlich schnellerer Spielstil
Sportlich zieht der Sportdirektor nach sechs intensiven Wochen ein positives Fazit. Der Kader sei nach seiner Einschätzung komplett. Mit Kevin Nadje sei der letzte Spieler zur Mannschaft gestoßen. Damit habe Eupen das Ziel erreicht, dem neuen Trainer rund zwei Wochen vor dem Meisterschaftsstart einen vollständigen Kader zur Verfügung zu stellen. "Der Kader ist komplett", stellte Sensibile klar.
Die frühe Zusammenstellung habe vor allem einen sportlichen Grund: Trainer Mazzù sollte ausreichend Zeit bekommen, seine Vorstellungen umzusetzen. Und die Spielweise soll sich deutlich von der vergangenen Saison unterscheiden. "Wir sind viel vertikaler, viel schneller in den Umschaltaktionen", erklärte Sensibile. Nach Ballverlusten soll die Mannschaft zudem wesentlich schneller reagieren und versuchen, den Ball unmittelbar zurückzugewinnen.
Mehr Chancen für den eigenen Nachwuchs
Mit dem neuen Kader verbindet Eupen auch eine veränderte Personalstrategie. Die Mannschaft ist jünger geworden, gleichzeitig wurden die Personalkosten gesenkt. Noch wichtiger ist für Sensibile aber die stärkere Durchlässigkeit zwischen Nachwuchs und Profimannschaft. Mehrere junge Spieler erhielten während der Vorbereitung die Möglichkeit, mit dem Profikader zu trainieren und sich zu zeigen.
Für Sensibile ist das ein wichtiger Bestandteil des neuen Weges. "Wir haben eine Perspektive für unsere jungen Spieler in Richtung erste Mannschaft geschaffen." Die Nachwuchsspieler sollen nicht lediglich Trainingsgäste sein, sondern sich über ihre Leistungen für höhere Aufgaben empfehlen.
Der Aufstieg ist das erklärte Ziel
Auch beim Saisonziel lässt Sensibile wenig Zweifel an den Ambitionen des neuen Eigentümers Qatar Sports Investments. Eupen wolle "konkurrenzfähig sein, um die Liga zu gewinnen". Der Aufstieg ist damit klar als Ziel formuliert, auch wenn der Sportdirektor bewusst keine Meisterschaft versprechen will. "Zwischen zu sagen, dass das Ziel ist, konkurrenzfähig zu sein, und zu sagen, dass wir gewinnen werden, liegt ein großer Unterschied", erklärte er.
Die Challenger Pro League sei eine Liga, in der Konstanz entscheidend sei. "Ich glaube nicht, dass hier unbedingt die beste Mannschaft gewinnt. Es gewinnt die Mannschaft, die am konstantesten ist." Eupen erwartet dabei mehrere ernsthafte Konkurrenten. Unter anderem nannte Sensibile Beerschot, den RFC Lüttich und Seraing.
Nicht der Star, sondern die Mannschaft steht im Mittelpunkt
Eine zentrale Botschaft der neuen Vereinsphilosophie formulierte Sensibile bei der Frage nach der Transferstrategie. Trotz der internationalen Möglichkeiten, die sich durch Qatar Sports Investments und die Verbindung zum Umfeld von Paris Saint-Germain ergeben, habe Eupen bewusst nicht einfach auf große Namen gesetzt. Zahlreiche hochkarätige Spieler hätten sich angeboten, doch der Klub habe an seiner eigenen Strategie festgehalten.
"Der Club kommt vor allem", sagte Sensibile und verwies auf eine Aussage des PSG-Präsidenten Nasser Al-Khelaïfi: "Unser Superstar wird die Mannschaft sein." Nicht der einzelne Star, sondern das Kollektiv soll im Mittelpunkt stehen.
Eupen baut auch abseits des Platzes um
Der Umbau beschränkt sich dabei nicht auf den Kader. Auch organisatorisch und infrastrukturell befindet sich die AS Eupen nach den Worten Sensibiles in einer Übergangsphase. Neue Mitarbeiter sind bereits zum Verein gestoßen, weitere Veränderungen in den Strukturen sollen in den kommenden Wochen vorgestellt werden.
Auch rund um das Stadion sollen erste kleinere Veränderungen sichtbar werden. Bei größeren Projekten hält sich Sensibile allerdings bewusst zurück. "Wenn wir bereit sind, werden wir alles kommunizieren", erklärte er. Der Sportdirektor will damit genau die Kommunikationsstrategie fortsetzen, die während der Vorbereitung für viel Gesprächsstoff gesorgt hat: erst handeln, dann darüber sprechen.
Die Vision reicht über den Aufstieg hinaus
Die langfristige Vision geht ohnehin über den unmittelbaren Aufstieg hinaus. "Die Ambition ist, in die Jupiler Pro League zu kommen, sich dort zu konsolidieren und nicht einfach nur dort zu bleiben", sagte Sensibile. Eupen soll sich also nicht nur kurzfristig für die höchste belgische Spielklasse qualifizieren, sondern dort dauerhaft Fuß fassen. Dafür müsse der Verein gleichzeitig sportlich, organisatorisch, infrastrukturell und kulturell wachsen.
Nach sechs Wochen des Schweigens hat die AS Eupen damit zumindest die Richtung vorgegeben.
Christophe Ramjoie