Nicht alles, was sich die Fifa für dieses Turnier ausgedacht hat, war schlecht. Ohne das neue XXL-Format hätten wohl nur wenige Fußballfans die Märchen von Kap Verde, Curaçao oder dem Kongo miterlebt. Gerade diese Geschichten haben gezeigt, dass auch vermeintliche Außenseiter auf der größten Bühne des Weltfußballs für Begeisterung sorgen können.
Auch auf dem Platz gab es einige Veränderungen. Das Spiel wirkte durch die angepassten Regeln insgesamt flüssiger und dynamischer. Beim Hydration Break dürften sich die meisten Fußball-Liebhaber allerdings einig sein: Bei großer Hitze ist er sinnvoll und wichtig, unter normalen Bedingungen unterbricht er den Spielfluss jedoch unnötig. Andererseits bietet eine solche Pause den Trainern auch die Möglichkeit, taktisch einzugreifen - was Partien durchaus eine neue Wendung geben kann.
Sportlich bot das Turnier beste Unterhaltung. Es fielen viele Tore, die Stadien waren stimmungsvoll und die Begeisterung der Fans war rund um den Globus spürbar. Auch aus belgischer Sicht fällt das Fazit positiv aus. Die Roten Teufel erreichten ein zufriedenstellendes Resultat und dürfen sich immerhin damit trösten, die einzige Mannschaft bei diesem Turnier gewesen zu sein, die gegen den späteren Weltmeister Spanien ein Tor erzielen konnte.
Eine Weltmeisterschaft bedeutet aber nicht nur Triumphe und Überraschungen, sondern auch Abschiede. Für einige der größten Namen des Weltfußballs dürfte es der letzte Auftritt auf der ganz großen Bühne gewesen sein. Cristiano Ronaldo, Luka Modrić und Lionel Messi haben den Fußball über zwei Jahrzehnte geprägt und Generationen von Fans begeistert. Mit ihnen geht eine Ära zu Ende, die den Weltfußball nachhaltig geprägt hat.
Auch aus belgischer Sicht steht ein Generationenwechsel bevor. Hinter der Zukunft von Kevin De Bruyne, Romelu Lukaku und Thibaut Courtois stehen noch Fragezeichen. Ob sie in vier Jahren noch einmal an einer Weltmeisterschaft teilnehmen werden, steht derzeit in den Sternen.
Die Vorfreude auf die nächste Weltmeisterschaft ist bereits groß. Gleichzeitig herrscht aber auch Skepsis. Nach Plänen der Fifa sollen dann möglicherweise zum 100. Geburtstag der Fußball-WM einmalig 64 Nationen teilnehmen. Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: Mehr Mannschaften bedeuten mehr Spiele, neue Märkte und noch mehr weltweite Aufmerksamkeit. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob die sportliche Qualität und die Exklusivität des Turniers darunter leiden könnten.
Dass die Fifa an einer weiteren Expansion interessiert ist, überrascht jedenfalls nicht. Der Weltverband profitiert finanziell enorm von seinen Turnieren. Für den laufenden Vierjahreszyklus rechnet die Fifa inzwischen mit Einnahmen von rund 13 Milliarden US-Dollar - deutlich mehr als ursprünglich erwartet. Die Weltmeisterschaft bleibt damit nicht nur das größte Fußballfest der Welt, sondern auch ein äußerst lukratives Geschäft für den Weltverband.
Christophe Ramjoie