Crossgolf ist eine kreative, urbane Variante des klassischen Golfsports. Gespielt wird nicht auf normierten Golfplätzen, sondern auf unkonventionellen Flächen wie Industriearealen, verlassenen Gebäuden, Innenstädten oder sogenannten Lost Places.
Ziel ist es, mit möglichst wenigen Schlägen festgelegte Ziele zu treffen – oft unter außergewöhnlichen räumlichen Bedingungen, die Technik, Kreativität und Anpassungsfähigkeit gleichermaßen fordern.
Zum zehnten Mal wurde nun das Turnier "Krosser Karl" ausgetragen. Für diese Jubiläumsausgabe diente das ehemalige Continental-Werk in Aachen als außergewöhnliche Kulisse. Wo früher Millionen Reifen produziert wurden, verwandelte sich das Industrieareal in einen spektakulären Crossgolf-Parcours. Zwischen Hallen, Rampen und Relikten der industriellen Vergangenheit entstand eine Spielfläche, die den Charakter dieser besonderen Sportart ideal widerspiegelt.
"Jede Bahn kann komplett anders und spektakulär sein", erklärt Norman Dick, einer der Organisatoren und prägenden Figuren der Crossgolf-Szene in Aachen. "Das Crossgolfen bietet Möglichkeiten, die man auf einem klassischen Golfplatz gar nicht hat, auch wenn ich selbst leidenschaftlicher Platzgolfer bin. Man schlägt in Industrieanlagen, durch Innenstädte, über Häuser oder durch Gassen – das bringt eine ganz andere Optik und einen besonderen Reiz mit sich."
Spielen im Wandel der Industrie
Dass das Turnier im ehemaligen Continental-Werk stattfinden konnte, ist laut Dick auch der heutigen Nutzung des Areals zu verdanken. Das Gelände wird unter dem Namen Urban Village schrittweise neu entwickelt und soll verschiedenen Sport- und Kulturangeboten Raum bieten.
"Das kommt immer auf den Eigentümer an", sagt Dick. "Hier im ehemaligen Werk sind wir auf offene Ohren gestoßen. Nebenan trainieren Skateboardfahrer, und es sollen wohl auch Padel-Plätze entstehen. Innerhalb weniger Tage war klar, dass wir uns hier turniertechnisch wirklich austoben können."
Mehr als nur ein Spiel
Neben dem sportlichen Aspekt spielt auch die besondere Umgebung eine wichtige Rolle. Viele Crossgolfer schätzen die Möglichkeit, Orte zu erleben, die normalerweise nicht zugänglich sind.
"Neben dem sportlichen Aspekt steht auch dieses Sightseeing im Vordergrund – also das Betrachten von Lost Places, an die man sonst nicht kommt", so Dick. Gleichzeitig werde bei Turnieren stets darauf geachtet, niemanden zu gefährden oder zu stören.

Ein wichtiger Punkt ist dabei die Beschaffenheit der Bälle. Diese sind deutlich leichter als klassische Golfbälle. "Ich vergleiche das immer ganz gerne mit einem Badmintonball", erklärt Dick. "Am Anfang hat er viel Energie, aber die geht schnell verloren. Der Ball fliegt zwar bis zu 80 Meter, aber die Kraft dahinter ist danach sehr überschaubar. Personen oder Gegenstände werden dadurch nicht gefährdet."
Trainingseffekt für klassisches Golf
Auch für traditionelle Golfer hat Crossgolf laut Dick einen Trainingswert. "Beim klassischen Golf nennt man das Shotshaping – also wie ich den Ball starte und welche Flugkurven ich erzeugen möchte. Genau das wird beim Crossgolf noch stärker gefordert. Dadurch verbessert man auch sein Spiel auf dem normalen Golfplatz."
Kleine Szene mit klaren Grenzen
In Deutschland ist Crossgolf weiterhin eine kleine, eng vernetzte Community mit rund 200 Aktiven. Wachstum sei zwar möglich, müsse aber behutsam gesteuert werden, erklärt Dick.
"Wenn die Szene zu klein ist, fehlen die Leute, die Turniere organisieren. Wird sie zu groß, entstehen organisatorische Probleme. Wachstum um jeden Preis funktioniert da nicht."
Beim "Krosser Karl"-Turnier in Aachen nahmen rund 60 Spieler teil. "Unsere Schmerzgrenze liegt bei etwa 80 bis 85 Teilnehmern", sagt Dick. "Mehr können wir organisatorisch kaum bewältigen."
Radio-Interview mit Norman Dick im Player:
Christophe Ramjoie








War richtig Klasse gestern. Vielen Dank an die X-Golf Brothers and Sisters Aachen.
Die Location im C-Werk ist super!