Der belgische Spitzensport steht vor einem historischen Umbruch. Die Generalversammlungen des BOIK und des BPC haben am Donnerstag in Tubize grünes Licht für die Zusammenlegung beider Organisationen gegeben. Künftig werden olympische und paralympische Athletinnen und Athleten unter dem Dach des neuen Belgischen Olympischen und Paralympischen Komitees (BOPK) vertreten.
Belgien wird damit weltweit erst das sechste Land, das sein Nationales Olympisches Komitee und sein Nationales Paralympisches Komitee in einer einzigen Organisation vereint. Nach den Niederlanden, den Vereinigten Staaten, Norwegen, Saudi-Arabien und Südafrika nimmt Belgien damit erneut eine Vorreiterrolle innerhalb der internationalen Sportbewegung ein.
Gemeinsame Vision für den Spitzensport
Die Fusion ist das Ergebnis einer Entwicklung, die bereits vor Jahren begonnen hat. Gemeinsame Trainingslager, eine einheitliche Außendarstellung und die Zusammenarbeit bei den Kampagnen für Paris 2024 sowie Mailand-Cortina 2026 haben die Annäherung beider Organisationen vorangetrieben.
Mit dem neuen BOPK soll die Förderung des Spitzensports weiter verbessert werden. Ziel ist es, Ressourcen und Fachwissen zu bündeln und die Unterstützung für alle belgischen Athletinnen und Athleten auszubauen.
BOIK-Präsident Jean-Michel Saive bezeichnete die Entscheidung als Meilenstein: "Heute schreiben wir ein neues Kapitel in der Geschichte des belgischen Sports. Indem wir unsere Kräfte bündeln, schaffen wir eine starke Bewegung, die sportliche Exzellenz, Inklusion und gesellschaftliche Wirkung in den Mittelpunkt stellt".
Signal für mehr Inklusion
Auch für die paralympische Bewegung hat die Fusion eine große symbolische Bedeutung. BPC-Präsidentin Ellen Van Camp sieht darin ein klares Bekenntnis zu mehr Gleichberechtigung im Sport.
"Unabhängig davon, ob jemand eine Behinderung hat oder nicht, sollte jeder seinen Platz finden und wertgeschätzt werden. Wir möchten mit dieser Fusion ein Beispiel für die Gesellschaft und die Sportwelt geben", sagte Van Camp.
Die Athletinnen und Athleten standen während des gesamten Entscheidungsprozesses im Mittelpunkt. Nach Angaben beider Organisationen waren sie eng in die Überlegungen eingebunden und haben die Entwicklung maßgeblich mitgetragen.
Schrittweise Umsetzung bis 2027
Die Zusammenführung soll in mehreren Etappen erfolgen. Neben den Spitzensportprogrammen sollen auch Partnerstrukturen und Markenauftritte schrittweise aufeinander abgestimmt werden.
BOIK-CEO Cédric Van Branteghem sieht darin ein wichtiges Signal an die Sportverbände. Die Fusion zeige, dass olympische und paralympische Sportarten künftig noch enger zusammenarbeiten können.
Auch BPC-Geschäftsführer Olek Kazimirowski blickt optimistisch auf die kommenden Jahre. Zwar werde die vollständige operative Integration Zeit in Anspruch nehmen, die neue Struktur eröffne aber zahlreiche Chancen für die weitere Entwicklung des belgischen Parasports.
Die paralympischen Aktivitäten sowie die Beziehungen zur nationalen und internationalen Paralympic-Bewegung werden künftig vollständig vom BOPK übernommen. Die Aufgaben als nationale Parasport-Föderation gehen dagegen an die Belgian Para Sports Federation (BPSF) über, die weiterhin mit G-sport Vlaanderen und der Ligue Handisport Francophone zusammenarbeiten wird.
Radio-Interview mit Olav Spahl im Player:
Christophe Ramjoie