"Einfach mega glücklich und stolz", sagt Rex rückblickend. Vor dem Start sei sein einziges Ziel gewesen, die Rundfahrt "in einem Stück" zu überstehen. Am Ende wurde daraus ein außergewöhnlicher Erfolg für sein Team: Sechs Etappensiege, der Gewinn der Teamwertung und der Gesamtsieg von Kapitän Jonas Vingegaard. "Es ist einfach unbeschreiblich. Diese Rundfahrt werde ich nie vergessen", betont Rex.
Dabei verlief der Giro keineswegs ohne Gefahren. Bereits auf der zweiten Etappe war der Raerener in einen schweren Massensturz verwickelt. "Wir sind bergab knapp 70 km/h gefahren. Einer vorne ist weggerutscht, dann gibt es kein Zurück mehr." Mehrere Fahrer mussten das Rennen anschließend aufgeben. Rex kam vergleichsweise glimpflich davon. "Ich hatte echt Glück im Unglück."
Auch Krankheiten bestimmten die erste Rennwoche. Regen, Kälte und die hohe Belastung setzten vielen Fahrern zu. Rex blieb verschont. "Ich habe ein gutes Immunsystem und mich relativ fit gehalten."
Bekannt wurde der Bergspezialist dann auf der 14. Etappe. Eine TV-Kamera fing sein von Schmerzen gezeichnetes Gesicht ein – das sogenannte "Pain Face". Das Bild verbreitete sich innerhalb kürzester Zeit in den sozialen Medien und machte aus dem bis dahin eher unbekannten Profi eine Internet-Sensation. "Eigentlich kann man das nur cool finden. Die Leute finden das, was ich mache, cool", sagt Rex über die plötzliche Aufmerksamkeit.
"Bei mir sieht man halt, wie weh das tut"
Aus Tim Rex wurde während des Giro kurzerhand "T-Rex". Fans druckten T-Shirts, riefen seinen Namen an der Strecke und feierten ihn als Symbol für den Leidenskampf im Radsport. "Das fühlt sich eigentlich surreal an", gesteht er. Besonders die Unterstützung entlang der Strecke habe ihn beeindruckt. "Das gibt Motivation und freut einen natürlich auch."
Den Kult um seine Grimassen betrachtet Rex mit Humor. "Ich bin nicht der Einzige, der komische Gesichtsausdrücke hat, wenn er leidet", sagt er. Entscheidend sei wohl gewesen, dass die Kamera im richtigen Moment auf ihn gerichtet war. Gleichzeitig glaubt er, dass die Bilder den Zuschauern einen authentischen Eindruck davon vermittelten, wie hart die Belastungen im Profiradsport tatsächlich sind. "Bei mir sieht man halt wirklich, wie weh das tut."
Sportlich zog der Helfer ebenfalls ein positives Fazit. Das Team habe nahezu alle Pläne umgesetzt. Von einem perfekten Giro möchte Rex zwar nicht sprechen, "aber ich glaube schon, dass es ein sehr, sehr guter Giro war."
Die Frage nach weiteren Grand Tours und vielleicht sogar einem Start bei der Tour de France beantwortet er vorsichtig optimistisch. Noch sei der Schritt groß, sagt der 90. des Giro-Gesamtklassements. Doch langfristig sieht er seine Zukunft auch bei den größten Rennen der Welt. "Wenn ich so weitermache wie jetzt, muss ich mir keine Sorgen machen, dass ich irgendwann mal eine Tour starte."
Radio-Interview mit Tim Rex im Player:
Christophe Ramjoie