In der kroatischen Hafenstadt Rijeka bestritt die belgische Fußball-Nationalmannschaft ihr vorletztes Testspiel vor der 23. FIFA-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko.
Nationaltrainer Rudi Garcia überraschte mit einer ungewöhnlichen Aufstellung. Auf den Außenbahnen sollten Maxim De Cuyper und Alexis Saelemaekers mit einer offensiven Ausrichtung für Druck sorgen. Neben Nathan Ngoy und Arthur Theate rückte Amadou Onana in die Dreierabwehrkette.
Im Mittelfeld zogen Youri Tielemans, Nicolas Raskin und Kevin De Bruyne die Fäden. In der Offensive setzte Garcia auf das eher ungewohnte Sturmduo Charles De Ketelaere und Jérémy Doku. Auf kroatischer Seite standen zahlreiche bekannte Namen in der Startelf, angeführt vom inzwischen 40-jährigen Kapitän Luka Modric.
Die erste Torchance gehörte den Belgiern. In der 7. Minute prüfte Doku mit einem zentralen Abschluss erstmals Dominik Livakovic. Das stellte den kroatischen Schlussmann jedoch vor keine größeren Probleme. Danach entwickelte sich eine zähe Anfangsphase. Beide Mannschaften agierten vorsichtig und konzentrierten sich zunächst auf defensive Stabilität. Bis zur mittlerweile obligatorischen Trinkpause blieben Höhepunkte Mangelware.
Auch nach der kurzen Unterbrechung gewann die Partie zunächst kaum an Tempo. Erst in der 38. Minute wurde es gefährlich – und prompt jubelten die Roten Teufel. Nach einer Hereingabe von Doku sprang der Ball im Strafraum mehrfach hin und her, ehe er vor den Füßen von Youri Tielemans landete. Der Mittelfeldspieler ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und traf aus kurzer Distanz zur 1:0-Führung. Für den Profi von Aston Villa war es der 13. Treffer im Nationaltrikot.

Die Kroaten reagierten umgehend. Altmeister Modric kam wenig später zu einer hochkarätigen Ausgleichschance, doch Thibaut Courtois parierte stark und lenkte den Ball zur Ecke. So ging Belgien mit einer knappen, aber verdienten 1:0-Führung in die Halbzeitpause.
Beide Mannschaften kamen unverändert aus der Kabine. Zehn Minuten nach dem Wiederanpfiff sorgte Jérémy Doku mit einer starken Einzelleistung für Gefahr, doch Kevin De Bruyne konnte die Aktion nicht erfolgreich abschließen.
Nach knapp einer Stunde begann die große Wechselphase. Kroatiens Nationaltrainer brachte gleich sechs frische Kräfte, die sofort für neuen Schwung sorgten. Der eingewechselte Ante Budimir kam in der 62. Minute zum Abschluss, setzte den Ball per Kopf jedoch nur an die Latte.
Rudi Garcia reagierte fünf Minuten später mit einem Fünffachwechsel. Koni De Winter, Thomas Meunier, Hans Vanaken, Brandon Mechele und Joaquin Seys ersetzten Amadou Onana, Maxim De Cuyper, Nathan Ngoy, Alexis Saelemaekers und Kevin De Bruyne. Wenig später nahm auch Kroatien zwei weitere Wechsel vor.
Für einen besonderen Moment sorgte kurz darauf Romelu Lukaku. Der Rekordtorschütze der Roten Teufel feierte nach rund einem Jahr sein Comeback im Nationaltrikot. Zudem kam Debütant Matias Fernandez-Pardo zu seinem ersten Einsatz für Belgien.
In der 76. Minute hätten die Belgier beinahe nachgelegt. Hans Vanaken traf mit seinem wuchtigen Kopfball aber nur die Latte und verpasste damit die Vorentscheidung denkbar knapp.
Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit kamen die Kroaten noch einmal zu einer guten Gelegenheit. Marco Pasalic verzog jedoch knapp und setzte den Ball links am belgischen Tor vorbei. In der letzten Minute der Nachspielzeit machte Belgiens Torgarant Lukaku nach traumhaftem Zuspiel von Vanaken mit seinem 90. Treffer in der Nationalmannschaft den Deckel drauf - und das nachdem er in dieser Saison gerade einmal 64 Minuten gespielt hatte.
Am Samstag bestreiten die Roten Teufel in Brüssel gegen Tunesien ihr letztes Testspiel vor der Weltmeisterschaft. Anschließend macht sich die belgische Auswahl auf den Weg nach Nordamerika: Am kommenden Montag hebt der Flieger in Richtung USA ab.
Der WM-Auftakt wartet am 15. Juni in Seattle, wo Belgien in Gruppe G auf Ägypten trifft. Komplettiert wird die Gruppe durch den Iran und Neuseeland.
Christophe Ramjoie