Die Ausgangslage spricht für Patro Eisden. Die Limburger belegen aktuell Platz sechs mit einem Punkt mehr als die AS Eupen und haben damit alles in eigener Hand. Mit einem Sieg gegen die Francs Borains wäre das Play-off-Ticket gesichert. Allerdings wartet ein Gegner, der selbst noch mitten im Abstiegskampf steckt und entsprechend alles investieren wird.
Die AS Eupen liegt einen Punkt hinter Patro Eisden und braucht deshalb Schützenhilfe. Die Schwarz-Weißen müssen zunächst ihre eigene Aufgabe beim RFC Lüttich lösen - einem Team, das sich bereits für die Play-offs qualifiziert hat und mit Rückenwind antreten wird. Gleichzeitig muss Eupen auf einen Patzer von Patro Eisden hoffen.
AS-Trainer Bruno Pinheiro machte vor dem Saisonfinale deutlich, wie groß die Bedeutung dieser Partie ist. "Es ist wie ein Finale. Wir müssen unbedingt gewinnen." Gleichzeitig ärgert ihn, dass seine Mannschaft nicht mehr allein über ihr Schicksal entscheidet. "Ich wäre sehr glücklich gewesen, wenn wir am letzten Spieltag alles in der eigenen Hand gehabt hätten."
Die Situation vor dem Saisonfinale erinnert ein wenig an das sogenannte "Wunder vom Kehrweg" - dem dramatischen Klassenerhalt der AS Eupen am letzten Spieltag der Saison 2017/18 in der belgischen 1. Division A. Damals gewann die AS mit 4:0 gegen Royal Excel Mouscron und profitierte gleichzeitig davon, dass der direkte Konkurrent KV Mechelen gegen Waasland-Beveren verlor. Dadurch sprang Eupen in letzter Minute noch über den Strich und sicherte sich sensationell den Ligaverbleib.
Für Eupen ist die Rechnung also klar: selbst gewinnen - und gleichzeitig auf einen Patro-Ausrutscher hoffen. Nur dann lebt der Traum von den Promotion-Play-offs weiter. Andernfalls droht das endgültige Verpassen des Saisonziels.
Pinheiro rechnet dabei nicht mit Geschenken vom Gegner aus Lüttich. "Ich erwarte einen Gegner, der spielen wird, um zu gewinnen. Sie wollen noch Platz fünf erreichen." Deshalb wolle man sich auch nicht mit Zwischenständen aus dem Parallelspiel beschäftigen. "Wenn wir unser Spiel nicht gewinnen, spielt das andere Resultat keine Rolle."
Zu seiner persönlichen Zukunft äußerte sich der Portugiese bemerkenswert gelassen. Der 49-Jährige betonte, dass er sich aktuell ausschließlich auf das Saisonfinale konzentriere. "Ich denke im Moment ehrlich gesagt überhaupt nicht an meine Zukunft." Er sei überzeugt, auch in der kommenden Saison wieder als Trainer zu arbeiten - "ob in Eupen, in Portugal, in Katar, Saudi-Arabien oder Frankreich". Entscheidungen über seinen weiteren Weg wolle er jedoch erst treffen, wenn die laufende Spielzeit beendet sei. Ein Treueschwur sieht anders aus.
Trotz aller Ungewissheit zeigt sich der Coach überzeugt vom Weg seiner Mannschaft. "Die Spieler haben immer gut gearbeitet. Ich sehe eine Gruppe, die während der Saison gewachsen ist." Nun soll dieses Wachstum im entscheidenden Moment belohnt werden.
Sollten beide Teams punktgleich abschließen, hätte Patro Eisden den Vorteil, da die Mannschaft mehr Ligaspiele gewonnen hat. Eupen braucht also nicht nur Nervenstärke, sondern auch fremde Hilfe - wie schon einst beim Wunder vom Kehrweg.
Christophe Ramjoie