Vor 2.454 Zuschauern (Saisonrekord) stand für beide Mannschaften viel auf dem Spiel: Für die AS Eupen ging es noch darum, die Top sechs zu erreichen, für Beerschot um den Direktaufstieg.
In der sechsten Minute setzte Gästestürmer Ken Masui mit einem Schuss an die Querlatte gleich ein Ausrufezeichen. Kaum eine Minute später jubelte das Kehrwegstadion zu früh: Mark Müller traf zwar, im Aufbau hatte es aber ein Handspiel gegeben. Danach Eupen unter Dauerdruck: Nach zehn Minuten musste Igor Plastun in höchster Not retten. Drei Minuten später brachte Arnold Vula einen Kopfball nicht aufs Eupener Tor. Einen Freistoß von Genki Haraguchi klärte Gabriel Barès zur Ecke.
Nach einer Viertelstunde dann mal eine gute Chance für die AS Eupen: Amadou Keita setzte den Ball nach starkem Zuspiel von Mark Müller übers Gästetor. Wenige Minuten später verzog Isaac Nuhu aus der Distanz.
Postwendend Antwort auf Rückstand
Aufreger dann nach gut 21 Minuten: Nach Ballverlust von Nuhu schalteten die Gäste aus Antwerpen schnell um und kamen durch Sabri Guendouz zum Führungstreffer. Der Linienrichter hatte aber die Fahne oben. Nach kurzer Rücksprache mit seinem Assistenten entschied Schiedsrichter Klass Clerkx auf Tor - 1:0 für Beerschot.
Wenig später gab es dann einen Foulelfmeter für Eupen: Müller war im gegnerischen Strafraum zu Boden gerissen worden. Eine Konzessionsentscheidung? Was soll's, sagten sich die Eupener Fans: Nuhu verwandelte in der 26. Minute souverän zum 1:1.
Der Ausgleich gab den Eupenern Auftrieb: In der 28. Minute prüfte der gut aufgelegte Müller mit einem Schuss Beerschots Torhüter Nick Shinton. Auf der anderen Seite forderten die Gästefans einen Strafstoß, weil Rajiv Van La Parra sich nach schwachem Abschluss im Eupener Strafraum auf den Hosenboden setzte, aber da war nichts.
Kasper sorgt für Pausenführung
Das Spiel wogte nun hin und her, Nuhu konnte trotz seiner Schnelligkeit einen Steilpass nicht verwerten, er legte sich den Ball zu weit vor (31.). Nach 40 Minuten gab es einen interessanten Freistoß für die AS, die Hereingabe wurde aber abgewehrt, Müllers Nachschuss ging ins obere Stockwerk. Mit Ende der regulären Spielzeit in der ersten Hälfte versuchte es Nuhu nochmal mit einem Weitschuss, kein Problem für Shinton.
In der dreiminütigen Nachspielzeit dann doch noch die Führung für die AS Eupen: Erst scheiterte Bertan Caliskan am rechten Pfosten, auch die Nachschüsse wurden geblockt, aber dann fand Daniel Kasper die Lücke zum 2:1-Pausenstand in der 47. Spielminute: "Wir zwar hätten den Sieg gebraucht, um alles noch in der eigenen Hand zu haben wegen der Play-offs, aber für mich persönlich war es ein gelungenes Spiel."
Marco Hiller hält Elfmeter
Gleich nach Wiederanpfiff wurde Kasper wieder in aussichtsreicher Position angespielt, sein Kopfball war aber nicht platziert genug. Im Gegenzug Elfmeter für Beerschot: Yoram Zague hatte Guendouz von den Beinen geholt, Schiedsrichter Clerkx zögerte auch diesmal keine Sekunde.
Masui trat an, aber Marco Hiller bewahrte mit einer starken Parade die Eupener Führung: "Ich hatte vorher von Video von einem Elfmeter von ihm gesehen. Ich denke, er wollte nach links antäuschen, da bin ich nach links gegangen und er hat ihn auch nicht gut geschossen." Der schon in der ersten Halbzeit gelbverwarnte Zague wurde kurze Zeit später von AS-Trainer Bruno Pinheiro ausgewechselt, für ihn kam Yentl Van Genechten.
Die AS nun vom Ablauf der Ereignisse beflügelt: Nach einem schnellen Gegenstoß kam die AS erst nicht durch, aus dem Hintergrund zog Nicolas Gavory ab, knapp neben das Tor. Ein Schuss von Keita wurde von Shinton pariert. In der 65. Minute meldete Nuhu nochmal Ansprüche auf einen weiteren Treffer an: Sein Schuss senkte sich knapp über den Kasten von Shinton.
Beerschot dreht das Spiel
Dann bewies Beerschots Trainer Mohamed Messoudi ein glückliches Händchen: Der gerade erst eingewechselte D'Margio Wright-Phillips wurde nicht ausreichend gestört und konnte in der 67. Minute einen Alleingang zum 2:2-Ausgleich abrunden. Eine Minute später hätte es fast wieder im Eupener Kasten geklingelt, diesmal konnte Hiller abwehren. Das war aber nur aufgeschoben, denn in der 71. Minute traf Arnold Vula zum 3:2.
Jetzt war Beerschot am Drücker: Van La Parra zog einen Schuss knapp neben das Eupener Tor. Auf der Gegenseite kam Barès zum Abschluss, seine Direktabnahme ging aber weit daneben.
In der 77. Minute forderten die Eupener wieder Elfmeter, weil der eingewechselte Zakaria Atteri im Strafraum umgerissen worden war. Diesmal ließ sich Schiedsrichter Clerkx aber nicht darauf ein. Auch nicht zwei Minuten später, als Atteri einen Treffer erzielte - Abseits. In der 85. Minute wurde der ebenfalls eingewechselte Moustafa Mashal noch gerade vom Ball getrennt. Die Angriffe der AS wurden nun verzweifelter.
Weit in der Nachspielzeit kam die AS dann doch noch zum verdienten Ausgleich: Eupens Kapitän Rune Paeshuyse zog nach einer Hereingabe von Mashal ab und traf zum vielumjubelten 3:3. Torwart Marco Hiller: "Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht gegen einen richtig guten Gegner, vor einer Top-Kulisse. Es hat richtig Spaß gemacht. Am Ende natürlich schade, dass es nur der eine Punkt ist, aber wie das Spiel gelaufen ist, muss man sagen: Es ist auch ein gewonnener Punkt."
Eupen verkürzt den Rückstand auf Patro Eisden Maasmechelen auf einen Punkt und zieht zumindest vorübergehend mit dem FC Lüttich gleich. Die Lütticher sind am Sonntagnachmittag bei Jong AA Gent gefordert.
Die Entscheidung um den Einzug in die Aufstiegsrunde muss nun am kommenden Freitag fallen: Dann spielt die AS in Lüttich, Patro Eisden empfängt Francs Borains.
Daniel Kasper gibt die Hoffnung angesichts der gegen Beerschot gezeigten Leistung noch nicht auf: "Wir haben uns als Einheit präsentiert. Da können wir mit einer guten Moral und einem positiven Gefühl nach Lüttich fahren. Am Ende bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Hausaufgaben zu machen: drei Punkte in Lüttich holen und danach werden wir sehen, wo wir stehen."
Stephan Pesch