Für Nick Braun, der eine enge Verbindung zu beiden Vereinen hat, war es ein besonderer, aber auch schwieriger Abend. Zwischen 2016 und 2020 trug er bereits das Trikot von Dormagen - zunächst im Jugendbereich, später auch bei den Profis. Es folgten Stationen in Krefeld, beim französischen Club Nancy sowie bei den Limburg Lions, ehe er den Weg zurück nach Krefeld fand - diesmal in die 2. Bundesliga.
Umso größer war im Vorfeld die Vorfreude auf das Wiedersehen mit seinem ehemaligen Verein - doch dazu kam es nicht. "Ich freue mich natürlich riesig über den Sieg. Das war ein wichtiger Schritt im Kampf um den Klassenerhalt", sagte Braun nach der Partie. Gleichzeitig zeigte er sich realistisch: "Leider habe ich heute nicht gespielt. Es ist aktuell etwas schwierig, weil andere Spieler auf meiner Position gut performen." Trotz der Enttäuschung überwog letztlich die Freude über die zwei Punkte im Abstiegskampf.
Auf der anderen Seite stand mit Kaj Kriescher ein weiterer ostbelgischer Nationalspieler im Aufgebot der Dormagener. Der Außenspieler durchlief seit 2019 die Nachwuchsabteilung des Vereins und gehört seit 2024 fest zum Profikader. Für ihn entwickelte sich der Abend zu einer Mischung aus Nervosität, Erfahrung und persönlichem Erfolg.
Kriescher wurde in der 47. Minute erstmals eingewechselt, als Dormagen bereits unter Druck geraten war. Sein erster Ballkontakt war ein Siebenmeter, den er jedoch nicht verwandeln konnte. Krefelds Torhüter Pau Guitart parierte stark und leitete damit eine Phase ein, in der die Gastgeber weiter Oberwasser gewannen. Doch Kriescher zeigte Moral: In der Schlussphase übernahm er erneut Verantwortung, erzielte zwei Treffer - darunter einen verwandelten Siebenmeter - und setzte damit zumindest individuelle Akzente.
"Es ist einfach eine super Gelegenheit, vor so vielen Leuten zu spielen", sagte Kriescher nach dem Spiel mit Blick auf die besondere Kulisse. Für die Krefelder, die ihre Heimspiele normalerweise in der deutlich kleineren Glockenspitzhalle austragen, ist der Auftritt in der großen Arena ein jährliches Highlight. "Die Stimmung ist natürlich lauter als in anderen Hallen, aber ich denke nicht, dass das heute das Problem war."
Sportlich begann die Partie zunächst mit Vorteilen für Dormagen, das über weite Strecken der ersten Halbzeit das Spiel kontrollierte. Doch Krefeld, mitten im Abstiegskampf und entsprechend unter Druck, kämpfte sich zurück und drehte die Begegnung in der zweiten Hälfte. Zwölf Minuten vor Schluss lagen die Gastgeber bereits mit 30:26 in Führung - ein Vorsprung, den sie sich nicht mehr nehmen ließen.
Neben dem sportlichen Geschehen stand auch die Entwicklung des belgischen Handballs im Fokus der beiden Nationalspieler. Beide machten deutlich, wie wichtig der Schritt ins Ausland für ihre persönliche und sportliche Entwicklung ist. "Wenn man langfristig konkurrenzfähig bleiben möchte, muss man diesen Weg gehen", betonte Braun. Ziel müsse es sein, möglichst viele belgische Spieler in professionelle Ligen wie die erste und zweite Bundesliga oder nach Frankreich zu bringen.
Auch blickte er gleichzeitig dankbar auf seine Zeit in Dormagen zurück: "Das ist eine der besten Nachwuchsadressen in Deutschland. Ich bin extrem dankbar für die Zeit dort." Vielleicht führt der Weg künftiger ostbelgische Nachwuchs-Handballer über die renommierte Nachwuchsschmiede in Dormagen.
Radio-Interview mit Nick Braun und Kaj Kriescher im Player:
Christophe Ramjoie