Drei Tore Rückstand galt es für die Roten Wölfe im Rückspiel der zweiten WM-Qualifikationsrunde gegen Griechenland aufzuholen. Mit Kaj Kriescher und Raphaël Kötters standen zwei der drei Ostbelgier im Nationalkader in der Startformation der belgischen Handball-Herren.
Die Belgier gerieten nach etwas mehr als vier Minuten bereits mit drei Treffern in Rückstand – kein guter Start. Wölfe-Coach Cherif Hamani reagierte umgehend mit einer Auszeit. Mit seinem ersten Treffer des Abends vom Siebenmeterpunkt verkürzte Kötters auf 4:6. Nach seinem dritten Tor war Belgien wieder dran (6:7). Nach einer Parade von Arthur Vanhove erzielte Kaj Kriescher den Ausgleich zum 8:8. In der 15. Minute brachte Quinten Colman die Hausherren erstmals in Führung (10:9). Doch die Griechen übernahmen anschließend wieder die Kontrolle. In Überzahl gelang es ihnen, sich erneut leicht abzusetzen.
Kriescher gelingt Ausgleich
Kaj Kriescher stellte von Rechtsaußen mit seinem dritten Treffer den Anschluss zum 13:14 her, wenig später sorgte er mit seinem vierten Tor für den Ausgleich (14:14). Die Belgier fanden jedoch weiterhin nicht richtig ins Spiel. Begünstigt durch Fehler im Spielaufbau der Gastgeber verschafften sich die Griechen erneut einen kleinen Vorsprung. Knapp drei Minuten vor der Pause lagen sie wieder mit drei Toren vorne. Eine Minute vor dem Halbzeitpfiff traf Colman zum 17:18. Nach einer weiteren Parade von Vanhove ging es dennoch mit einem Zwei-Tore-Rückstand (17:19) in die Pause.

Die Belgier gingen ein hohes Risiko und verzichteten phasenweise auf ihren Schlussmann. Zunächst zahlte sich diese Taktik jedoch nicht aus. Nach einer Zeitstrafe gegen die Griechen war es Kötters, der zum 18:20 verkürzte.
Die Roten Wölfe taten sich im Abschluss weiterhin schwer, kämpften sich aber durch Treffer von Riské und Vancosen wieder heran (21:22). Nach seinem Anschlusstreffer zum 22:23 vergab Kaj Kriescher kurz darauf die große Chance auf den Ausgleich. Auch Kötters ließ wenig später eine Möglichkeit ungenutzt. Stattdessen konnten die Griechen ihren Vorsprung wieder auf zwei Tore ausbauen (22:24).
Hoffnung keimt auf
Eine Viertelstunde vor Schluss brachte Kobe Serras die Belgier wieder auf Augenhöhe, als er zum 25:25 traf.
Zehn Minuten vor dem Ende vergab der Grieche Boskos einen Siebenmeter. Im Gegenzug verpasste Yannick Glorieux die mögliche erste Führung der Belgier im zweiten Durchgang.
Rund sechs Minuten vor dem Ende gerieten die Belgier dann in Unterzahl und gingen mit zwei Toren Rückstand in die Schlussphase. Die Chance auf das Erreichen der nächsten Quali-Runde wurde immer kleiner.
Die Griechen treffen nun in der dritten und letzten Runde der Handball-WM-Qualifikation im Mai auf die Niederlande. Der Sieger nach Hin- und Rückspiel qualifiziert sich direkt für die Weltmeisterschaft. Die Handball-WM 2027 wird in Deutschland ausgetragen.
Raphaël Kötters gefrustet
Nach der erneuten Niederlage gegen Griechenland fand Raphaël Kötters deutliche Worte. Von Enttäuschung wollte er gar nicht sprechen, vielmehr sei die Gefühlslage "Frust". Besonders bitter: Es war bereits die sechste Niederlage gegen die Griechen, und erneut fiel sie knapp aus. "Jedes Mal verlieren wir knapp. Irgendwann muss man den nächsten Schritt machen und einfach mal gewinnen", so Kötters.
Der Rückraumspieler nahm dabei auch die Mannschaft in die Pflicht. Belgien habe kein einziges Spiel gewonnen, "da müssen wir uns selber an die eigene Nase fassen". Entscheidend sei nun, die eigene Mentalität zu hinterfragen und zu verändern: "Wir müssen mehr Biss haben und diese Opferrolle hinter uns lassen."
Eine klare Erklärung für die Niederlage hatte Kötters nicht, sah die Probleme aber vor allem im Defensivbereich und bei der Torhüterleistung. Zwar habe Belgien offensiv Lösungen gefunden und über 30 Tore erzielt, doch "im Endeffekt muss man auf jeden Fall auf die Abwehr gucken". Gleichzeitig betonte er, dass auch die Defensive den Torhütern mehr helfen müsse, indem weniger klare Chancen zugelassen werden.
Mit Blick auf die Zukunft fordert Kötters einen klaren Schritt nach vorne. Es gehe nicht mehr darum, sich nach knappen Niederlagen mit guten Leistungen zufriedenzugeben, sondern darum, Spiele zu gewinnen: "Irgendwann muss man auch bereit sein zu sagen: Ich bin jetzt da [...] und ich bin nicht zufrieden damit, ein Spiel zu verlieren – auch wenn es knapp ist."
Christophe Ramjoie