"Von beidem ein bisschen", sagt Treibenreif auf die Frage, ob bei ihm Stolz oder Enttäuschung überwiege. Stolz sei definitiv da, denn Südtirol präsentiere sich als starke Olympia-Region – insbesondere in Antholz, wo die Biathlon-Wettbewerbe stattfinden. "Wir bekommen das Schöne mit, wir bekommen diese geile Stimmung im Stadion mit", schildert er die Atmosphäre. Für ihn ist die Stimmung dort "ganz sicher die beste Venue von ganz Olympia". Gerade in Antholz sei der "Biathlon-Geist" besonders spürbar, intensiv und mitreißend.
Gleichzeitig fehle aber ein Stück weit das große olympische Gesamtgefühl. Wer andere Wettbewerbe oder das olympische Zentrum mit Flamme und Meile erleben wolle, müsse mindestens eine Stunde nach Cortina fahren. "Das fehlt schon ein bisschen". Das klassische Olympia-Flair, das viele Kollegen vermissen, komme in Südtirol nicht in voller Intensität auf.
Auch organisatorisch verlief nicht alles reibungslos. Obwohl Antholz als erfahrener Austragungsort von Weltcups und Weltmeisterschaften gilt, seien die ersten Wettkampftage von einigen Problemen, vor allem bei An- und Abreise geprägt gewesen. "Die ersten drei Wettkampftage waren chaotisch." Verkehrsprobleme, zu wenige Parkplätze und Verzögerungen im Transport hätten für Unmut gesorgt. Man habe gemerkt, dass Olympia eine andere Dimension sei.
Positiv hebt Peter Treibenreif jedoch hervor, dass nachjustiert wurde. Abläufe seien angepasst, Prozesse verbessert worden. Besonders am sogenannten "Super Sunday" mit den beiden Verfolgungsrennen habe vieles deutlich besser funktioniert. "Da hat es schon viel besser geklappt." Die Anreise sei koordinierter verlaufen, viele Südtiroler hätten sich früher auf den Weg gemacht und seien rechtzeitig im Stadion gewesen. Die Abreise bleibe allerdings eine strukturelle Herausforderung: "17.000 Menschen wollen durch ein schmales Tal gleichzeitig hinausfahren – da gibt es Probleme, die wird es immer geben."
Sportlich hingegen zieht Treibenreif eine durchweg positive Bilanz. Mit 49 Athletinnen und Athleten stellt Südtirol eine beeindruckende Anzahl an Teilnehmenden – mehr als manche Nationen bei Winterspielen. "Südtirol ist ein absolutes Wintersportland." Ob Skifahren, Rodeln oder Biathlon – die Breite und Qualität seien das Resultat jahrelanger harter Arbeit. Die bisherigen Medaillenerfolge, etwa im Rodeln und im Biathlon in der Mixed-Staffel, wertet er als Bestätigung dieser Entwicklung. "Ich würde sagen, die Medaillenbilanz aus Südtiroler Sicht fällt absolut positiv aus."
Sein Gesamtfazit ist klar: Trotz organisatorischer Startschwierigkeiten und eines etwas fehlenden Olympia-Gesamtflairs überwiegt für ihn der Stolz. "Eine richtig gute, geile, super Olympia-Bilanz auch für Südtirol."
Radio-Interview mit Peter Treibenreif im Player:
Christophe Ramjoie