"Ja, man muss sagen: Es ist effektiv mein Wunsch gewesen, diesen Weg so zu gehen", erklärt Reinertz. Der Kontakt zum BTB Aachen sei dabei keineswegs neu. "Der BTB war nicht seit Monaten, sondern eigentlich seit Jahren an mir dran, um mich zurückzuholen." In den vergangenen Jahren habe er jedoch immer wieder abgesagt. "Vom Gefühl her war mein Projekt hier in Eupen mit den Damen noch nicht fertig." In diesem Jahr allerdings habe er nicht mehr widerstehen können. "Da musste ich diese Aufgabe annehmen." Die Gespräche seien intensiv und sehr überzeugend gewesen. "Wir haben in einem sehr ausführlichen und guten Gespräch schnell eine Einigung erzielt. Für mich ist es der perfekte Schritt in meiner eigenen Karriereplanung."
Nach zehn Jahren im Damenbereich - unter anderem als Trainer in Eupen und als Co-Trainer der belgischen Frauen-Nationalmannschaft - stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Umstellung. Für Reinertz ist diese jedoch überschaubar. "Es bleibt Handball. Am Ende geht es darum, mehr Tore zu werfen als der Gegner." Unterschiede zwischen Frauen- und Männerhandball seien zwar vorhanden, aber nicht so gravierend, wie oft angenommen werde.
Zudem sei er in den vergangenen Jahren nie vollständig aus dem Männerhandball verschwunden. "Ich habe während meiner Zeit bei den Damen in Eupen auch die zweite Herrenmannschaft des BTB Aachen betreut und bin mit ihr von der Verbandsliga in die Oberliga aufgestiegen." Auch im Jugendbereich war Reinertz zuletzt aktiv, hinzu kommt seine frühere Tätigkeit als Herrentrainer in Eupen. "Es ist also kein Neuland, das ich da betrete." Die Regionalliga Nordrhein bezeichnet er als körperlich anspruchsvoll und athletisch geprägt, Sorgen bereitet ihm das jedoch nicht. "Um die Umstellung mache ich mir keine Gedanken."
Spekulationen, der Wechsel nach Aachen könne lediglich eine Zwischenstation oder ein Sprungbrett sein, weist Reinertz zurück. "Diese Überlegung existiert bei mir eigentlich gar nicht." Vielmehr reizt ihn die Aufgabe an sich. Die Regionalliga Nordrhein sei eine extrem ausgeglichene Liga mit hoher Leistungsdichte. "Man sieht jedes Jahr, dass bis kurz vor Saisonende viele Mannschaften noch in den Abstiegskampf verwickelt sind." Auch sportlich sieht er den BTB gut aufgestellt. "Qualitativ gibt es zwischen den Mannschaften hier in der Region keinen großen Unterschied. Der BTB hat in den letzten Jahren auch zahlreiche direkte Duelle für sich entschieden."
Besonders überzeugt ihn die Struktur des Vereins. "Das ist eine klare Entscheidung für einen Club mit einer sehr guten Organisation, einem starken Ausbildungskonzept und einer klaren Vision, wie man Handball gestalten möchte." Gerade die Breite des Vereins mit mehreren Herrenmannschaften und einer starken Jugendarbeit hebt er hervor. "Vielleicht ist der BTB aktuell der beste Ausbildungsverein in der Großregion."
Ob der BTB Aachen in der laufenden Saison die Klasse hält oder nicht, spielte für seine Zusage keine Rolle. "Da waren wir uns von Anfang an einig. Das hatte keinen Einfluss auf meine Entscheidung." Zwar hoffe man auf den Klassenerhalt - "der BTB gehört in die Regionalliga Nordrhein" -, doch selbst ein Abstieg wäre kein Hindernis. "Wenn so etwas als Betriebsunfall passieren würde, dann müssten wir das im Jahr darauf schnell korrigieren."
Trotzdem zeigt sich Reinertz optimistisch. Der Saisonstart ins neue Jahr sei gelungen, das Team habe sich stabilisiert und Potenzial in der Breite. "Ich bin überzeugt, dass die Klasse gehalten wird." Unabhängig vom Ausgang steht für ihn fest: Mit dem Wechsel nach Aachen beginnt ein neues, bewusst gewähltes Kapitel - mit klarer Perspektive und großer Motivation.
Radio-Interview mit Philipp Reinertz im Player:
Christophe Ramjoie