Laurenz Rex ist Ostbelgiens dienstältester Radprofi. Für den 26-Jährigen beginnt 2026 ein neues Kapitel seiner Karriere. Er fährt erstmals für den belgischen Top-Rennstall Soudal Quick-Step – und das im Jahr nach dem Abgang von Superstar Remco Evenepoel.
Für Rex ist dieser Wechsel mehr als nur ein Tapetenwechsel. "Für mich fühlt sich der Wechsel zu Soudal Quick-Step wie ein ganz logischer Schritt an. Es ist eine Mannschaft mit enorm viel Geschichte, klaren Strukturen und einer großen Kultur rund um die Klassiker. Ich habe sofort gespürt, dass man mir hier vertraut und wirklich an mich glaubt", sagt Rex.
Nach zwei Teilnahmen an der Tour de France und mehreren starken Auftritten bei den großen Eintagesrennen will sich der Ostbelgier im neuen Team weiterentwickeln und den nächsten Schritt machen. "Mein Fokus liegt ganz klar auf den Frühjahrsklassikern. Rennen wie Paris–Roubaix passen mir einfach – sie verlangen Kraft, Einsatz und Rennintelligenz. Gleichzeitig will ich aber auch als Teamfahrer wachsen, vor allem in der Arbeit für unsere Sprinter. Wenn sich Gelegenheiten ergeben, selbst um ein Resultat zu fahren, will ich sie nutzen."
Man fühlt sich nie allein gelassen
Schon die ersten Wochen bei Soudal Quick-Step haben bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nach zwei Trainingslagern berichtet er: "Es fühlt sich deutlich professioneller und reifer an. Der Fokus auf Details ist enorm, alles ist eng begleitet. Man fühlt sich wirklich nie allein gelassen. Bei jeder noch so kleinen Frage bekommt man sofort mehrere Lösungen. Alles ist darauf ausgerichtet, dass man sich voll aufs Radfahren konzentrieren kann."
Der Name Quick-Step ist für Rex zwar ein Traum, ausschlaggebend war jedoch vor allem die sportliche Perspektive. "Die Geschichte des Teams in den Klassikern hat eine große Rolle gespielt. Wer sich für diese Rennen interessiert, weiß, dass Soudal Quick-Step sie über Jahre hinweg geprägt und dominiert hat. Teil dieser Tradition zu werden, ist ein großer Schritt – und ein logischer nächster Schritt in meiner Karriere."
Seine Ambitionen formuliert Rex realistisch, aber selbstbewusst. "Ich habe bei der Teampräsentation gesagt, dass ein Top-3-Ergebnis in einem großen Klassiker mein Ziel ist. Ob das schon dieses Jahr klappt, weiß man natürlich nicht. Aber wir arbeiten daran. Am Ende geht es darum, die beste Version von mir selbst zu werden und jeden Tag ein bisschen besser zu sein als am Vortag. Wenn das gelingt, kommen die Resultate irgendwann von selbst."
Ein zentraler Faktor für seine Entwicklung ist das Umfeld erfahrener Teamkollegen. "Ich habe viele erfahrene Fahrer um mich herum, die ich jederzeit fragen kann. Sie erklären Dinge, geben Feedback und bringen mir unglaublich viel bei. Gerade im modernen Radsport, der so schnell und anspruchsvoll geworden ist, ist Erfahrung Gold wert", sagt Rex.
Rückblickend sieht er einen Grund für seinen Wechsel darin, dass er zuvor zu lange in seiner Komfortzone geblieben sei. "Nicht aus mangelndem Ehrgeiz, sondern weil ich wusste, was für mich funktioniert. Neue Perspektiven und andere Herangehensweisen setzen nun neue Impulse."
Auch die großen Rundfahrten bleiben ein Thema, wenn auch ohne feste Priorisierung. "Der Giro d’Italia würde mir sehr gefallen. Die Tour ist extrem hart, der Parcours dieses Jahr noch schwerer als zuvor. Ob Giro oder Tour – das ist für mich zweitrangig. Entscheidend ist, wo ich dem Team am meisten helfen kann."
Abseits des Sports bleibt Rex bodenständig. "Es ist schön, wenn Ostbelgien dadurch etwas mehr Sichtbarkeit bekommt und der Radsport dort weiter gefördert wird. Aber am Ende zählt die Gemeinschaft. Jeder geht seinen eigenen Weg", sagt der Ostbelgier. Besonders stolz ist er auf die sportliche Entwicklung seines Bruders, der ebenfalls den Sprung in die WorldTour geschafft hat: "Es wird etwas ganz Besonderes sein, irgendwann gemeinsam an der Startlinie zu stehen. Dass wir zu den wenigen Brüdern gehören, die beide in der WorldTour fahren, ist schon speziell."
Im Team angekommen
Im Team fühlt sich Rex angekommen. "Der Empfang war herzlich, die Atmosphäre familiär. Viele Fahrer bleiben Soudal Quick-Step über Jahre hinweg treu – das ist ein starkes Zeichen. An einen schnellen Wechsel denke ich überhaupt nicht."
Auch die Teamführung sieht Rex als perfekte Verstärkung. "Laurenz ist wie gemacht für unser Team. Er hat enorm viel Grinta, großen Kampfgeist und viel Leidenschaft. Er hat schon gezeigt, wie wertvoll er für die Mannschaft ist – sowohl in den Klassikern als auch in der Arbeit für unsere Sprinter, besonders für Tim Merlier. Wir sind überzeugt, dass er nicht nur eine wichtige Rolle übernehmen, sondern auch eigene Ziele verfolgen kann", sagt CEO Jurgen Foré. "In ausgewählten Rennen soll er bewusst nicht nur Helfer sein, sondern auch Chancen als Leader erhalten. Seine positive Art, sein Teamgeist und sein konstruktives Feedback machen ihn zu einer idealen Ergänzung für die Mannschaft. Wir sind sehr froh, ihn bei uns zu haben."
Wann gilt die Saison für Rex als gelungen? "Entscheidend ist für mich, mich weiterzuentwickeln, gute Leistungen zu bringen und ein fester Teil dieses Teams zu werden. Dann war es eine gute Saison", sagt er.
Laurenz Rex steht damit vor einer entscheidenden Saison – mit neuen Chancen, neuen Rollen und großen Ambitionen im Trikot eines der traditionsreichsten Teams des Weltradsports.
Christophe Ramjoie