Calpe gilt als Trainingsmekka der Profis. Für Tim Rex ist es derzeit Arbeitsplatz. Ohne Teamtruck, ohne Mechaniker. Reifen aufpumpen, Material checken, losfahren. "Man ist jetzt Profi, aber es fühlt sich immer noch gleich an", sagt Rex. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Und genau das ist das Schöne daran."
Auch wenn Tim mittlerweile für eines der besten Teams der Welt fährt, trainiert er häufig alleine. "Ich mag das. Auch zu Hause trainiere ich fast immer allein", erzählt er. Einsam fühlt sich das für ihn nicht an. Im Gegenteil: Konzentration und Ruhe helfen ihm, sich voll auf die Arbeit zu fokussieren.
Auf dem Trainingsplan steht der Col de Rates – einer der bekanntesten Anstiege Spaniens. Vier Wiederholungen, Intervalltraining auf hohem Niveau. Für Tim ist das Alltag, aber auch gezielte Vorbereitung auf das, was kommt. Denn seine erste World-Tour-Erfahrung steht unmittelbar bevor. Und die führt ihn gleich ans andere Ende der Welt. "Mein erstes World-Tour-Rennen ist in Australien", sagt er. "Das wird ein riesiges Abenteuer."
Disziplin als Grundlage
Viel geändert habe sich durch den Profivertrag nicht, betont Rex. Disziplin und Struktur habe er sich schon früh angewöhnt. "Ich glaube nicht, dass man besser wird, wenn man plötzlich alles umstellt. Entscheidend ist, jeden Tag konstant sein Bestes zu geben." Dass Visma Lease a Bike früh auf ihn gesetzt hat, gibt ihm Sicherheit. "Wenn ich Vertrauen bekomme und mich wohlfühle, dann kann ich mich richtig gut entwickeln", sagt der 21-Jährige.
Der Name Rex ist im Radsport kein unbekannter. Sein älterer Bruder Laurenz fuhr bereits die Tour de France. Doch Tim will seinen eigenen Weg gehen: "Natürlich ist mein Bruder ein Vorbild. Aber ich bin Tim. "Langfristig sieht er sich als Edelhelfer in den Bergen, vor allem bei großen Rundfahrten. "Das war immer mein Traum", sagt er. Und vielleicht erfüllt sich dieser Traum eines Tages sogar gemeinsam mit seinem Bruder bei der Tour de France. Aus Ostbelgien in die Weltspitze – Tim Rex steht am Anfang seiner Profikarriere. Und die erste Herausforderung wartet schon.
Christophe Ramjoie