Aus Sicht von Gitta Axmann ist es nicht mehr zeitgemäß, Sportlern und Sportlerinnen Kleidung vorzuschreiben, in der sie sich unwohl fühlen. Vielmehr müsse die Sportbekleidung funktional und sicher sein – zum Beispiel in Kampfsportarten oder zur Vermeidung von Verletzungen. Gleichzeitig müsse aber auch das individuelle Wohlbefinden berücksichtigt werden. Gerade im Spitzensport spielt das Wohlfühlen eine zentrale Rolle, denn nur wer sich in seiner Kleidung sicher fühlt, kann volle Leistung bringen.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Frage nach Ästhetik: Was als "schön" gilt, wird häufig durch Verbände oder äußere Erwartungen definiert – nicht jedoch durch die Sportler und Sportlerinnen selbst. Dabei variiert das ästhetische Empfinden stark, und es sei problematisch, wenn Kleidungsvorschriften auf veralteten Schönheitsidealen basieren, sagt Gitta Axmann.
Sie kritisiert, dass in vielen Sportarten – insbesondere im Turnen oder Beachvolleyball – Frauen häufiger sexualisiert werden. Die Kleidung ist oft knapper als bei Männern, ohne dass es einen funktionalen Grund dafür gibt. Teilweise werden sogar Unterwäscheverbote ausgesprochen, was besonders während der Menstruation zu Problemen führen kann.
Solche Regelungen bezeichnet Axmann als Formen sexualisierter Gewalt ohne direkten Körperkontakt. Sie fordert deshalb mehr Aufklärung innerhalb der Vereine, sowohl bei Aktiven als auch bei Eltern und Trainern.
Wichtig sei zudem, die Betroffenen selbst mitentscheiden zu lassen. Kleidungsvorschriften dürften nicht dazu führen, dass sich junge Talente vom Sport zurückziehen, nur weil sie sich nicht exponieren wollen.
Auch kulturelle und religiöse Bedürfnisse – wie das Tragen von Kopfbedeckungen – müssten stärker berücksichtigt werden. Letztlich sei Sportbekleidung ein Spiegel der Gesellschaft, die sich stetig verändert.
Eine faire und moderne Kleiderordnung sollte sich daher an drei zentralen Kriterien orientieren: Funktionalität und Sicherheit, Wahlfreiheit und Wohlbefinden, Teilhabe durch Mitbestimmung. Nur so könne ein respektvoller, diskriminierungsfreier und leistungsfördernder Raum im Sport entstehen.
Ausführliches Radio-Interview mit Gitta Axmann im Player:
Christophe Ramjoie