Zum Start der Paralympics: Sichtbarkeit durch Spitzensport

"Now is the time to stare" - jetzt soll hingeschaut werden. Das fordert die belgische Delegation für die Paralympics und möchte so Zuschauer anziehen. Denn die Paralympics stehen immer noch im Schatten ihres großen Bruders, den Olympischen Spielen. Hinschauen lohnt sich aber, findet auch der Ostbelgier Yves Krauth.

Handbiker Yves Krauth im Training vor dem Aufbruch nach Tirol

Yves Krauth beim Training (Archivbild: privat)

Krauth betreibt Rohlstuhl-Rugby, ist mit dem Handbike die Kaunertaler Gletscherstraße hochgefahren und fungiert als Botschafter für CAP48. Der Respekt, den Yves Krauth für die Sportlerinnen und Sportler der Paralympics hat, kennt kaum Grenzen.

„Man muss nicht vergessen, von wo diese Leute kommen. Sie müssen erst mal mit ihrer Beeinträchtigung fertig werden. Sie müssen Motivation finden, um wieder Sport zu machen. Und dann auf dieses Niveau kommen. Das ist außergewöhnlich und phänomenal, was die da leisten. Und natürlich gehört da eine professionelle Vorbereitung mit einem ganzen Team dazu. Genau wie andere Sportler auch.“

Yves Krauth weiß, wovon er redet. 2012 bereitete er sich auf die Paralympics in London vor, allerdings machte ihm eine Schulterverletzung am Ende einen Strich durch die Rechnung. Er weiß, wie sich die Athleten für den sportlichen Wettbewerb vorbereiten – nämlich mit Mentalcoach, Physio, Ernährungsplan und täglichem Training.

Da gebe es keinen Unterschied zur Vorbereitung anderer Sportler auf hohem Niveau. Allerdings müsse man natürlich Rechnung halten mit der Beeinträchtigung, die bei jedem anders ist.

Die Schwere der Beeinträchtigung spielt dann auch eine Rolle bei den verschiedenen Disziplinen, wie Yves Krauth am Beispiel des belgischen Rollstuhlfahrers Peter Genyn festmacht. Der Athlet leidet an einer Tetraplegie, also einer Lähmung der Arme und Beine. 2016 in Rio holte er über 100 und 400 Meter in seiner Kategorie die Goldmedaille.

Paralympics: Optimismus bei der belgischen Delegation

„Beim Rollstuhlfahren, da gibt es auch Kategorien. Zum Beispiel der Peter Genyn, der fährt Klasse T51. Dann gibt es die T52. Das sind dann Leute, die ein bisschen bessere Arme haben. Also das ist schon ganz exakt und das wird dann auch immer ganz ganz gut unter die Lupe genommen, dass da nicht einer größere Chancen hat als der andere.“

Die Organisatoren der Paralympics erwarten für die Veranstaltung einen neuen Zuschauerrekord. Mehr als vier Milliarden Menschen sollen am Ende zuschauen. Sichtbarkeit – so lautet nicht nur das Ziel der belgischen Delegation, sondern der gesamten Spiele.

Es gebe zwei Seiten, so Krauth: Da ist zum einen der sportliche Aspekt, das Beste aus sich herauszuholen und zu glänzen. „Aber daneben ist es wieder auch eine andere Welt. Man probiert, Beeinträchtigung, diese invalide Welt zu normalisieren, das ist ganz normal. Und so hätte man es auch gerne mit dem Invalidensport.“

Hier sieht Yves Krauth allerdings noch Verbesserungspotenzial, auch in Belgien und Ostbelgien. Er findet, dass man einerseits die Athleten nicht genug sähe und andererseits auch sonst Menschen mit Beeinträchtigung selten im Fernsehen gezeigt würden.

Anders bei den Paralympics, die jeder verfolgen kann. Auch Yves Krauth gehört dazu – alleine schon wegen einiger Bekannter, die an den Spielen teilnehmen und denen er Medaillenchancen zuspricht. Doch auch darüber hinaus legt er jedem den Wettbewerb nahe.

„Es lohnt sich wirklich. Ich hoffe, dass viele Zuschauer und Zuhörer den Fernseher anmachen und anfeuern. Denn das sind genau die gleichen Medaillen aus dem gleichen Stahl, wie sie von validen Sportlern zurückgebracht wurden.“

Andreas Lejeune