Jean-Marie Pfaff: Warum die Goldene Generation noch keinen Titel hat? „Weniger Blablabla und besser spielen!“

Jean-Marie Pfaff ist bei Fußballfans immer noch beliebt. Der ehemalige Torhüter der Roten Teufel war am Wochenende in der Region, um den Anstoß für das Benefizspiel der ehemaligen Fußballgrößen in Rocherath zu geben, das zugunsten der Flutopfer organisiert wurde.

Harald Heinen und Jean Marie Pfaff (Bild: Christophe Ramjoie/BRF)

Harald Heinen und Jean Marie Pfaff (Bild: Christophe Ramjoie/BRF)

„Ich habe mich mein ganzes Leben für solche Sachen engagiert. Und alte Freunde haben mich gefragt, ob ich hier nicht den Anstoß machen will und da habe ich ‚ja‘ gesagt“, erklärt Jean-Marie Pfaff seine Teilnahme beim Benefizspiel für die Flutopfer. „Meinen Freunde möchte ich immer gerne helfen. Ich erlebe auch mit, was alles passiert ist in der Region. Ich habe das alles im Fernsehen gesehen und es ist schlimm, sowas mitzuerleben. Die Menschen, die tot sind, kommen nicht mehr zurück.“

Man habe den ehemahigen Torhüter zunächst gefragt, ob er beim Benefizspiel selbst mitspielen möchte. „Aber das kann ich nicht mehr. Ich bin 68 Jahre alt. Anstoß geben, das geht noch: Das ist nur 50 Meter auf den Platz gehen und wieder weg gehen.“

Biografie

Pfaff veröffentlicht in diesem Jahr seine Biografie. Der ehemalige Torwart – unter anderem von Bayern München – hat in seinem Leben und seiner Karriere einiges erlebt.

„In meiner Karriere habe ich zwei große Ikonen ersetzen müssen. Da war Christian Piot bei Standard Lüttich, ein ganz großes Vorbild, und in München war das eine Ikone wie Sepp Maier. Dann kommst du von einer bescheidenen Mannschaft wie Beveren und wir waren damals Amateure: Also morgens arbeiten, abends trainieren von sieben bis neun Uhr und dann musst du gegen Standard Lüttich, Anderlecht oder Brügge spielen. Mannschaften, die alles gekauft haben, die professionell waren.“

Nach einem Meistertitel mit Beveren kam für Pfaff der internationale Durchbruch: „Die Münchener haben mich gesehen in einem Turnier, wo wir Meister geworden sind mit Beveren 1979. Da haben wir ein Turnier gehabt in Toulouse mit Bayern, St. Etienne, mit all den großen Fußballern.“ Anderthalb Jahre später habe Sepp Maier einen Unfall gehabt. „Dann ist Bayern zu mir gekommen und hat mich verpflichtet.“

Teamgeist

Wichtig war ihm immer der Teamgeist. Ob bei Beveren, Lüttich, München oder bei den Roten Teufeln. Teamgeist sei auch eine Sache, die heute bei den Roten Teufeln fehlt, so Pfaff: „Das sind alles Spieler, die verdienen soviel Geld und spielen alle in großen Vereinen. Wir waren früher bei Beveren, Lierse, Beerschot, Standard, Anderlecht, Brügge, Waregem. Die meisten waren Amateure. Das war was anderes. Da war Teamgeist.“

„Wenn ich sehe was die heute für Werbungen machen. Man sieht die nur noch in Werbungen. Weniger Blablabla und besser spielen“, so das Fazit von Pfaff. „Man muss nicht nur gut sein, wenn die Mannschaft gut drauf ist, sondern man muss auch gut sein, wenn die Mannschaft es nicht ist.“

cr/re/rasch