Welche Zukunft hat das Kehrwegstadion?

Eupen ist die kleinste Stadt Belgiens mit einem Erstligaklub. Dementsprechend ist auch das Stadion der AS Eupen eher in der Kategorie "klein" einzuordnen. Rund 8.000 Zuschauer finden in dem 2010 zuletzt ausgebauten Stadion Platz. Seitdem musste und muss der Standort immer wieder angepasst werden, um den modernen Ansprüchen gerecht zu werden.

Kehrwegstadion in Eupen (Bild: David Catry/Belga)

Bild: David Catry/Belga

Herr Henkel, welche Zukunft hat das Kehrwegstadion noch als Heimstätte der AS Eupen?

Es ist natürlich das Zuhause der AS Eupen und wird es natürlich auch in Zukunft bleiben, hoffentlich vor gutem Publikum. Ich hoffe, dass das wieder möglich sein wird in naher Zukunft. Insofern bleibt das natürlich unser Zuhause und wir versuchen, das Zuhause immer wieder soweit instand zu halten, zu pflegen und den wachsenden Ansprüchen dann auch wieder anzupassen.

Sie sprechen es an: Man möchte das Stadion den wachsenden Ansprüchen anpassen. Im Raum stehen einige Investitionen und Veränderungen, die stattfinden sollten am Kehrwegstadion. Aber durch das ausbleibende Geld aus Katar werden diese baulichen Veränderungen erst einmal nicht stattfinden, oder?

Man muss unterscheiden. Es gibt natürlich immer kontinuierliche Arbeiten an Stadien. Die würde ich aber jetzt mehr unter dem Thema Unterhalt sehen. Das ist ein Bereich. Der wird natürlich ganz normal weiter vorangetrieben, mit unseren regelmäßigen Anpassungen. Dann gab es den Wunsch und die Idee, umfassende Baumaßnahmen zur neuen Saison durchzuführen. Das wurde von Sportdirektor Jordi Condom ja bereits verkündet. Allerdings sind diese Maßnahmen vorerst zurückgestellt und werden sicherlich jetzt zum Saisonbeginn nicht umgesetzt und realisiert werden können.

Ich habe aber einen dritten Bereich, der natürlich sehr, sehr wichtig ist für die Zukunft des Vereins. Das ist die Jugend, die ja auch ein dauerhaftes Zuhause finden muss. Das ist sehr wichtig, dass wir dort entsprechende Entwicklungen machen. Mit diesem dritten Bereich der Baumaßnahmen und Infrastruktur werden wir uns sehr intensiv in den nächsten Wochen beschäftigen.

Unter dem damaligen Investor Ingo Klein gab es auch Planspiele, den Kehrweg, die Heimstätte der AS Eupen, zu verlassen und irgendwo neu auf der grünen Wiese zu bauen. Dieser Gedanke war im Endeffekt vielleicht gar nicht so verkehrt, weil ein moderner Fußballverein braucht auch eine moderne Fußball-Arena, oder?

Das ist in der Tat richtig. Der Grundgedanke war ganz bestimmt korrekt und ich glaube auch wirtschaftlich korrekt, da eine andere Situation einzugehen. Nun hat es sich nicht so ergeben in den letzten Jahren. Diese Optionen sind ja nicht verfolgt worden, und wären auch nur möglich mit einer großen Beteiligung und einem großen Investment aller und auch einer starken Unterstützung der Region. Man kann ja nicht erwarten, dass jemand von außen kommt und einem dann alles vor die Nase setzt und dort hinbaut. Ich glaube, diese Erwartung wird etwas zu viel sein. Das sind ja Projekte, die sicherlich nur zu realisieren sein werden, wenn die gesamte Region im Grunde mitspielt. Aber es lässt sich sicherlich rechnen, dass man langfristig gesehen natürlich andere Einnahmen erzielen kann mit einem anderen Stadion und vielleicht auch nicht so viel in den Unterhalt investieren muss, damit dort alles funktionsfähig bleibt.

Wäre ein neues Stadion zurzeit denn überhaupt denkbar und gibt es vielleicht schon erste Planungen?

Nein. Es gibt keine Planung derzeit zum Thema neues Fußballstadion, sondern ich denke, dass wir den Verein insgesamt darauf ausrichten müssen, dass er sich stärker selbst tragen kann, dass wir vor allen Dingen Einnahmen erzielen können und dass wir auf der anderen Seite Kosten reduzieren. Das wird ein Schwerpunkt aus meiner Sicht für die kommende Saison sein, unabhängig von den sportlichen Planungen. Die werden ausschließlich von Aspire selbst vorgenommen. Diese Planungen sind wichtig für die Zukunft des Vereins. Also Konzepte zu entwickeln, wie man mehr eigene Einnahmen erzielen kann und natürlich auch Möglichkeiten der Einsparung für den Verein zu erarbeiten – das ist ein Schwerpunkt der kommenden Saison.

Wie kann der Verein denn in Zukunft eigenständig Einnahmen generieren? Wieder mehr junge Spieler anziehen, wie das schon mal in der letzten Saison der Fall war, und dann durch Transfers Gelder einnehmen?

Ja, mal unabhängig von der AS Eupen, ist es, glaube ich, ein gängiges Konzept im Fußball, dass die Vereine, die in der Nahrungskette dort stehen, wo wir stehen, natürlich immer wieder Spieler abgeben und natürlich versuchen, junge Spieler für sich zu gewinnen, die man dann mit einem Mehrwert weiter transferieren kann. Das ist eine wichtige Einnahmequelle, dort mit jungen, talentierten Spielern arbeiten zu können. Das ist im Allgemeinen so. Eine zweite wichtige Einnahmequelle sind natürlich auch die Einnahmen, die man in der Region letztendlich erzielen kann durch Werbemaßnahmen und durch Beteiligung der Region. Auch die muss mobilisiert werden, um dort eine andere Situation erreichen zu können. Der dritte Bereich ist natürlich der sportliche Erfolg, denn viele Gelder werden über das Fernseh-Geld erzielt. Und das Fernseh-Geld ist im Wesentlichen auch abhängig vom Tabellenplatz, den man erreichen kann. Insofern zählt jeder einzelne Tabellenplatz Geld für den Verein.

Also möglichst viel sportlichen Erfolg haben, um darüber entsprechende Einnahmen zu generieren, dann Spieler haben, mit denen man einen Mehrwert generiert, und eine starke, unterstützende Region – das sind drei Säulen, die man sich weiter erarbeiten muss und die Ziele sind aus meiner Sicht für die kommende Saison für den Verein.

Heißt also mit anderen Worten: Die AS Eupen hat in dieser Saison nicht nur die Chance vertan, sich für die Play-Off II zu qualifizieren, sondern durch den jetzt zweistelligen Tabellenplatz gehen auch relativ viele Fernsehgelder verloren?

Sagen wir es mal so: Mit dem Tabellenplatz bekommt man das Geld, was für diesen Tabellenplatz vorgesehen ist – und das ist nicht so viel, wie man erreichen könnte. Auch am letzten Spieltag ist die Platzierung für uns schon noch wichtig. Man sagt dazu leichtfertig: „Na ja, geht ja eigentlich um nichts mehr“. Das stimmt nicht. Es geht immer um etwas. Und es geht natürlich immer auch um einen wirtschaftlichen Erfolg, auf den wir dringend angewiesen sind, damit wir auch in Zukunft sportlich erfolgreich sein können.

Würde es die AS Eupen in der ersten belgischen Liga überhaupt geben ohne den katarischen Investor Aspire?

Das halte ich für schwierig. Ich würde die Frage anders formulieren. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, ohne einen Investor auf dem Niveau erste Liga in Belgien zu spielen und zu überleben. Das geht anderen Vereinen genauso. Das ist nicht nur bei der AS Eupen so. Im Profifußball ist man auf Investoren angewiesen und ohne Investoren wird es sehr, sehr schwer und für die AS Eupen noch schwieriger, weil die Einnahmen außerhalb des Investors für die erste Liga einfach zu gering sind.

Sie hatten eben schon mal angedeutet, dass auch im Bereich Jugend investiert werden soll. Da gibt’s ja unterschiedliche Überlegungen, wie das in Zukunft aussehen soll. Es gab mal die Überlegung, einen Neubau am Kehrwegstadion hinzusetzen. Dann hat man sich aber dennoch für die provisorische Variante Container entschieden, für die ja auch Miete gezahlt werden muss. Aber das ist noch nicht die finale Lösung. Es gibt neue Ideen, die möglicherweise in Zukunft umgesetzt werden können. Wie schauen die aus?

Erstmal haben wir natürlich grundsätzlich hohe Mietkosten für den Verein. Wir haben dort, glaube ich, eine Möglichkeit, diese Mietkosten umzuwandeln in eine eigene Infrastruktur, die uns weniger Kosten in der Zukunft bereitet. Das heißt, jetzt nochmal zu investieren in eine Unterbringung für die Jugend, ist aus meiner Sicht wirklich sinnvoll und erstrebenswert und wir werden dazu Optionen erarbeiten. Das kann am Kehrwegstadion selber sein, das kann aber auch im Umfeld sein. Wir werden uns natürlich auch die Situation am Stockberger Weg genau anschauen. Welche Optionen gibt es dort vielleicht für die AS Eupen? Vielleicht kann man gemeinsam mit der Stadt Überlegungen anstellen, wie man die Infrastruktur entwickeln kann. Da sind wir nach allen Seiten hin sehr offen. Und ich halte es auch für sehr wichtig, dass wir jetzt Initiativen ergreifen und die Möglichkeiten, die gegeben sind, nutzen.

Wäre es auch denkbar, die beiden alten Standorte am Stockberger Weg und am Kehrweg aufzugeben und nach einer komplett neuen Lösung zu suchen?

Ich glaube, dass sich das im Moment nicht ergibt. Wir sind immer offen für alle Ideen und Planungen, die zu einer stärkeren Stabilität führen. Das ist ganz klar. Aber darüber wird derzeit aus meinem Kenntnisstand nicht nachgedacht, sondern es geht erst mal um die Optimierung der bestehenden Standorte. Was die Vision angeht, muss man immer für alles offen sein.

cr/mg