Wie geht es weiter nach dem „Patt“? – Schachfreunde Wirtzfeld hoffen auf ein besseres Jahr 2021

2020 hätte für den Königlichen Belgischen Schachbund ein Jahr des Feierns werden sollen: Das 100-jährige Bestehen des Verbandes stand auf dem Programm. Doch wegen Corona kam alles anders - auch die Interclub-Meisterschaft musste kurz vor der Entscheidung im Frühjahr abgebrochen werden und wurde seitdem nicht wieder aufgenommen.

Schach-Einzelmeisterschaft in Worriken (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Die Schachfreunde Wirtzfeld hoffen, dass sie bald wieder an echten Brettern sitzen (Archivbild von den Schach-Meisterschaften in Worriken, Stephan Pesch/BRF)

Wenn Paul Zilles, Präsident der Schachfreunde Wirtzfeld, das Jahr 2020 mit einem Ausdruck aus dem Schach zusammenfassen soll, braucht er nicht lange zu überlegen: „Ganz einfach: Patt! Irgendwie Status quo, nichts bewegt sich, Unentschieden.“

Genau diese Situation mussten die Schachfreunde im Frühjahr 2020 schmerzlich erfahren, als wegen des Lockdowns die Interclubsaison zwei Spieltage vor Schluss abgebrochen wurde. „Wir standen auf dem ersten Platz. Kurz nach dem Beginn des Lockdowns hätten wir das Spitzenspiel in Gent gehabt, den entscheidenden Kampf.“

Doch daraus wurde nichts, die Saison wurde auf Eis gelegt. „Offiziell müsste noch alles nachgespielt werden“, sagt Paul Zilles. Wann das der Fall sein soll, wissen er und seine Mitstreiter nicht. Sie wurmt als Aktive vor allem, völlig im Ungewissen gelassen zu werden. „Das kommt von oben herunter, über den Bund. Alles ist abgesagt worden, wie in anderen Sportarten auch. Schach ist ein Kontaktsport. Wir warten auf grünes Licht, wir wissen nicht, wie lange es dauern wird.“

Und wie überbrücken die Schachspieler diese Zeit? „Es wird viel im Internet gespielt. Bei uns im Vorstand, wir sind schon etwas älter, wir spielen nicht im Internet – ich spiele lieber mit einem Gegenüber am Brett.“

Es fehlt eben – wie in Corona-Zeiten allgemein – die menschliche Begegnung. Nun eignet sich Schach vorzüglich als Online-Sport, doch traut Paul Zilles dem Braten nicht. „Du weißt nicht, ob der Gegner pfuscht, ob er ein Programm laufen lässt, das ist eine komische Sache. Auf den großen internationalen Turnieren wird natürlich überwacht.“

Nun hatte das Schachspiel gerade 2020 mediale Schützenhilfe – durch eine Streaming-Serie mit dem Titel ‚Das Damengambit‘. Paul Zilles bekam den Tipp von seinem Bruder. „Ich habe jetzt über Weihnachten mal Ausschnitte gesehen aus dieser Netflix-Serie. Es geht um eine junge Spielerin aus den USA, die groß herauskommt. Also das scheint sehr interessant zu sein.“

Vielleicht bietet die schachfreie Zeit ja noch Gelegenheit, die Geschichte um die Hauptfigur Elizabeth Harmon in der ein oder anderen Form nachzuvollziehen. Wobei sich Paul Zilles für 2021 vor allem wünscht, wieder selbst aktiv werden zu können: „Mal wieder am Brett spielen zu können! Und dass wieder Turniere stattfinden, damit wir schön Schach spielen können.“

Stephan Pesch