Xavier Siméon: Rookie mit 28

Seit vielen Jahren hat es keinen Belgier mehr in der MotoGP gegeben Das ändert sich aber nächstes Jahr. Xavier Siméon aus Brüssel steigt nach acht Jahren in der Moto2 in die Königsklasse der Motorrad-Weltmeisterschaft auf. Dabei ist Siméon - zumindest für einen Rennfahrer - nicht mehr der Jüngste.

Xavier Siméon beim ersten Test auf der Ducati Desmosedici in Jerez

Xavier Siméon beim ersten Test auf der Ducati Desmosedici in Jerez (Bild: Zelos)

Xavier Siméon ist neu in der Königsklasse der Motorrad-Weltmeisterschaft. Dabei ist der „Neuling“ schon 28 Jahre alt. „Ja, das scheint komisch, aber seit Johan Zarco gibt es einen neuen Trend. Man ist nicht mehr höchstens 22, 23, wenn man in die MotoGP einsteigt“, erklärt Siméon.

„Zarco ist so alt wie ich und hatte dieses Jahr seine Debüt-Saison. Er hat gezeigt, dass man nicht langsamer ist, nur weil man später anfängt. Er hat mir die Türe geöffnet und ich werde versuchen, der beste der neuen zu sein.“

Keine leichte Aufgabe, denn die Konkurrenz ist gewaltig. Vier Fahrer steigen von der Moto2 in die höchste Klasse auf. Und Siméon ist davon noch nicht mal der älteste. Das ist der Schweizer Tom Lüthi (Marc VDS Honda) mit 31 Jahren. Zu den Neuen zählen auch der Japaner Takaaki Nakagami (LCR Honda) und nicht zuletzt Moto2-Weltmeister Franco Morbidelli (Marc VDS Honda).

Mehr Muskeln gefragt

Sie alle will Siméon nächstes Jahr schlagen. Um das zu erreichen, muss er hart arbeiten. Punkt eins: „Muskeln aufbauen. In der Moto2 war es wichtig, so leicht wie möglich zu sein – das ist in der MotoGP anders.“

„Die Maschinen in der MotoGP wiegen zwar genauso viel wie in der Moto2, sie haben aber doppelt so viel Leistung und wirken dadurch schwerer. Sie verlangen viel mehr Kraft und Kondition“, erklärt Siméon. Aber auch sonst ist es eine große Umstellung: Carbonbremsen, mehr Elektronik, richtige Rennreifen – Siméon muss sich in vielen Punkten anpassen.

Der Aufstieg von Siméon in die MotoGP hatte in der Motorradwelt für einige verwunderte Gesichter gesorgt. „Der hat doch gar nichts gezeigt“, sagen die Kritiker, oder „Der ist nur durch viel Geld da gelandet“. „Die sollen sich mal die Sponsoren auf den Rennanzügen der anderen Aufsteiger anschauen“, entgegnet Siméon. „Als Belgier hat man es in dem Milieu sehr schwer. Und ich habe in der Vergangenheit bewiesen, was ich leisten kann.“

„Klar, wenn man nur die Resultate der vergangenen Saison sieht, könnte man glauben, dass ich nicht gut genug bin für die MotoGP. Aber ich war einfach nicht in einem Team, mit dem man etwas hätte reißen können. Ich habe jedenfalls schon bewiesen, dass ich gewinnen kann“, sagt Siméon. Er siegte 2015 auf dem Sachsenring.

Didier de Radiguès: Zeitpunkt genau richtig

Siméon ist einer von vier Belgiern, die in der Motorrad-WM bereits ganz oben auf dem Treppchen standen. So wie Didier de Radiguès, wohl der bekannteste belgische Motorrad-Rennfahrer, der als Coach für Siméon fungiert. Er bescheinigt ihm großes Talent. „Gerade bei Regen kann er seinen Instinkt voll ausnutzen“, sagt Didier de Radiguès. Aber er sieht auch noch Schwachstellen, zum Beispiel bei der Selbstanalyse.

„Auf jeden Fall ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt gekommen“, sagt de Radiguès. „Erstens ist Xavier selbst bereit. Und dann ist auch das Regelwerk der MotoGP nun perfekt für den Aufstieg. Es erlaubt den Privatteams, mit den Satellitenmotorrädern, die nicht ganz auf dem Stand der Werksmotorräder sind, trotzdem ganz dicht an den Werksmannschaften dran zu sein.“

Xavier Siméon fährt 2018 eine Ducati des Privatteams Reale Avintia Racing. Wie dicht er an die offiziellen Ducati herankommt, wird sich zeigen. Vor allem, wie er sich im Vergleich zu seinem neuen Teamkollegen, Tito Rabat, schlägt.

Für seine erste Saison in der Königsklasse hat sich Siméon zum Ziel gesetzt, möglichst bei jedem Rennen in die Punkte zu fahren. „Wir wollen realistisch bleiben. Aber es sollte durchaus drin sein, ein paar Ausrufezeichen zu setzen.“

Black Knights

Xavier Siméon ist bei der Sportmanagement-Struktur Zelos von Freddy Tacheny unter Vertrag. Neben der „Lokomotive“, wie Tacheny ihn nennt, kümmert sich Zelos um drei weitere Fahrer. Das Quartett nennt sich die „Black Knights“ (schwarze Ritter).

Livio Loi, Jahrgang 1997. Der Limburger fährt auch 2018 die Moto3 (Reale Avintia KTM) und hofft auf den Durchbruch.

Barry Baltus, Jahrgang 2004. 2018 stehen für den Nachwuchsfahrer zwei Meisterschaften auf dem Programm – die Junior-WM CEV und der Red Bull Rookies‘ Cup im Rahmen der MotoGP.

Guillaume de Ridder, Jahrgang 1993. Der Fahrer aus Nivelles wechselte 2017 zum Rallycross und kam direkt in seiner Debütsaison in der zweiten Klasse der WM (RX2) aufs Treppchen. Nach dem dritten Gesamtrang will er 2018 den RX2-Titel und dann im Folgejahr in die höchste Klasse WorldRX aufsteigen.

Katrin Margraff

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