Steffen Henke: „Ist der Euro noch zu retten?“

In St. Vith findet am Freitagabend ein Vortragsabend über das Geld- und Finanzsystem statt. Referent ist der Leipziger Finanzexperte Steffen Henke. Eingeladen wurde er von der Vivant-Fraktion im Parlament.

Finanzexperte Steffen Henke referiert in St. Vith und Eupen

Finanzexperte Steffen Henke referiert in St. Vith und Eupen

Euro-Krise, Finanzkrise, Schuldenkrise, Wirtschaftskrise. Seit einigen Jahren vergeht kaum ein Tag ohne neue Hiobsbotschaften. Auf der anderen Seite wird die Schere zwischen Arm und Reich jeden Tag größer. Die Zahl der Superreichen wächst seit Jahren.

Wer profitiert also von dem System und wer zahlt am Ende die Rechnung? Wo ist der Fehler? Und vor allem, wie könnte man ihn beheben? Welche Alternativen gibt es? Steffen Henke versucht seit Jahren diese Fragen  zu beantworten. Der Finanzexperte aus Leipzig ist jetzt auf Einladung der Vivant-Fraktion in Ostbelgien zu Gast.

Steffen Henke kritisiert das bestehende Zinsgeldsystem und seine Folgen für Mensch und Umwelt. Er schlägt Fließendes Geld als mögliche Alternative vor.

Der Vortragsabend beginnt um 19:30 Uhr im Hotel Wisonbrona in St.Vith-Wiesenbach. Am Freitag, dem 10. April, ist Steffen Henke im Europasaal des Ministeriums der DG in Eupen zu Gast. Der Eintritt ist an beiden Abenden frei.

vk/km

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14 Kommentare
  1. Marco Schmidt

    Die Aussagen des Herr Henke sind schnell widerlegt: Der Zins sei Ursache, dass Geld und Schulden durch Zins und Zinseszins exponentiell anwachsen.
    Was beim Geld/Guthaben noch einleuchtet, dass sich es bei Wiederanlage des Zinsanteils exponentiell vermehrt, trifft auf den Schuldenteil nicht zu. Zinseszins wird beim Kreditnehmer beim Rückzahlen von Krediten nicht angewandt, dieser ist sogar laut §248 BGB verboten! Der Zinsanteil eines Kreditnehmers ist bestenfalls gleichbleibend und sinkt sogar mit der Zeit, da i.d.R. fleißig getilgt wird. Da beide Seiten (Geld und Schulden) einander bedingen aber nur eine durch Zins exponentiell anwachsen kann, muss es eine andere **Ursache** geben als den Zins.
    Ähnlicher Unfug ist die Behauptung, dass alles wieder gut würde, wenn die Leute das Geld wieder zur Bank brächten. Die wirft nicht einfach damit um sich, da muss zusätzlich Kreditnachfrage vorhanden sein! Überhaupt ist die Theorie, dass Banken das Geld der Sparer weiterverleihen würden, längst widerlegt. Prof. Richard Werner hat dies mittlerweile sogar empirisch nachgewiesen. Banken erzeugen bei Kreditvergabe Geld, welches vorher nicht existiert hat. Wichtig zu erwähnen, dass sie es bei der Tilgung auch wieder vernichten.
    „Sparen“ heißt Geld aus dem Umlauf zu entfernen. Ich gebe weniger aus, als ich eingenommen habe. Damit hat irgendwer weniger Einnahmen und kann auch weniger ausgeben. Und das stelle man sich im großen Maßstab mit privater Altersvorsorge vor! Wenn alle (im Geld) sparen geht es mit der Wirtschaft bergab!

  2. Peter Nothhof

    Sehr geehrter Herr Schmidt,
    wenn Geschäftsbanken bei Kreditvergabe Geld erzeugen würden wie Sie behaupten, wieso kann eine Bank dann überhaupt in Geldnot geraten? Sie könnte ihr fehlendes Geld doch einfach schöfpen. Das gilt aber nur für Notenbanken wie z.B. die EZB. An dieser Stelle muss man genauer hinschauen.
    Zum Zinseszinseffekt: Natürlich zahlt jeder Schuldner keine Zinseszinsen, aber das zurückgezahlte Geld wird wieder verliehten und erneut verzinst, erst an dieser Stelle beginn der Zinseszinseffekt.
    Gruß P.N.

  3. Steffen Henke

    Sehr geehrter Herr Schmidt,

    betrachtet man einen einzelnen Kreditnehmer, kann dieser sein Darlehen tilgen. Eine Bank kann jedoch nur Guthabenszinsen zahlen, wenn sie in entsprechender Höhe Schuldzinsen vereinnahmt. Rückgeführte Mittel werden demnach neu vergeben. Sie können dies gut in der Gewinn- und Verlustrechnung einer jeden Bank nachvollziehen. Auch aus den Bankbilanzen kann man es herauslesen. Den Forderungen der Bank (Aktivseite) stehen immer entsprechende Verbindlichkeiten (Passivseite) gegenüber, die Bilanz ist immer ausgeglichen. Die historische Entwicklung von Guthaben und Schulden wird auch gut in den Grafiken von Helmut Creutz dargestellt. Sie machen einen Fehler, wenn Sie nicht deutlich zwischen Geld und Guthaben unterscheiden. Auf die von Ihnen angesprochene sogenannte Geldschöpfung kann ich hier leider nicht eingehen. Hierbei handelt es sich um hochkomplexe Vorgänge, zu diesem Thema halte ich Tagesseminare. Zins und Zinseszins führen zu exponentiellen Wachstumsprozessen. Nichts auf der Welt kann jedoch zeitlich unbegrenzt exponentiell wachsen.

    Vielen Dank, Steffen Henke

  4. Guido Scholzen

    Was ist ein Zins?

    Ein Zins ist nichts anderes als ein Gewinn auf ein Geldgeschäft. Und ein Geldgeschäft ist ein Geschäft wie jedes andere auch. Und jeder Unternehmer und Geschäftsmann weiß, dass es keinen garantierten Gewinn auf ein Geschäft gibt, basta. Leute, die meinen, man müsste den Zins abschaffen, sind Fantasten. Solange es Menschen gibt, solange wird spekuliert werden, oder wollen die den Homo Sapiens neu erfinden?

    Wie gesagt, ein Zins ist nichts anderes als ein Gewinn auf ein Geldgeschäft. Nur halt eben nicht, wenn das Geld „erfunden“ wird vom Kreditgeber. Und dreist ist eben noch obendrein, dass diese Kreditgeber-Banken den Staat nutzen, um ihr Monopol durchzusetzen.

    Also:
    1. Verbietet den Geschäftsbanken die Geldschöpfung
    2. Die Staaten sollen nicht Handlanger eines Geldmonopol sein.
    3. Der Zins ist etwas ganz natürliches, weil es zum menschlichen Dasein gehört. Viele wollten den Zins verbieten, von der katholischen Kirche bis zu Mohamed. Und was ist geschehen? Man hat immer wieder Schlupflöcher gefunden, dieses Verbot zu umgehen, und das Resultat war das selbe.

  5. Steffen Henke

    Sehr geehrter Herr Scholzen,

    ich möchte den Zins nicht „abschaffen“, sondern empfehle eine andere Art der Geldumlaufsicherung. Verwenden wir den Zins als destruktive Umlaufsicherung, ergeben sich exponentielle Wachstumsprozesse. Solche Systeme müssen in regelmäßigen Abständen an ihren Anschlag stoßen, das sagt uns die Mathematik. Bei fließendem Geld wird der Zins für mittelfristige Einlagen gegen 0 geführt. Auf diese Weise wird der Wirtschaft der Wachstumszwang genommen, wir können zu einem wirklich nachhaltigen Wirtschaften finden.

    Der Zins muss in jedem Fall erarbeitet werden. Geld kann nicht arbeiten, nur Menschen, Maschinen und die Natur können das. Wir müssen den „Homo Sapiens“ nicht „neu erfinden“. Unser Geldsystem ist von Menschen gemacht und kann damit auch von Menschen geändert werden.

    Wenn wir Geld als Hilfsmittel in unserer arbeitsteiligen Gesellschaft verwenden wollen, sind verschiedene Fragen zu beantworten. Zum Beispiel sollte diskutiert werden, wer Geld ausgibt und wie es in den Umlauf gelangt? Hierum bemühen sich die Vollgeldinitiativen. Eine weitere wichtige Frage ist, wie das bereits ausgegebene Geld im Umlauf bleibt? Hier gibt eine Antwort, aus meiner Sicht eine sehr wertvolle, das fließende Geld.

    Herzlichst Steffen Henke

  6. Philipp Kapp

    Danke an Steffen Henke für seine unermüdliche Aufklärungsarbeit. Wenn man die einfachsten Dinge 100 Mal erklären muss, dann kann man eigentlich schon mal aus der Haut fahren.
    Wer verzinstes Schuldgeld nutzt, muss sich über die Konsequenzen nicht wundern.
    Es hat auch etwas mit Eigenverantwortung zu tun – Alternativen gibt es ja!

  7. marcel scholzen (eimerscheid)

    Sehr geehrter Herr Henke,

    Der Wachstumszwang hat nicht viel mit dem Zins zu tun. Er liegt einfach in der menschlichen Natur, weil jeder einfach immer mehr haben will. Die Zinsen sind heutzutage historisch niedrig, trotzdem streben alle Volkswirtschaften nach mehr Wachstum an.

    Selbst wenn fliessendes Geld eingeführt würde, so wäre dies kein Garant für ein ewig beständiges Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell. Jedes Weltreich, seien es die Sumerer, Römer, Griechen, etc bestand nur eine gewisse Zeit und wurde von einem anderen abgelöst. Dies weil es irgendwo immer einen gibt, der besser ist. Das Prinzip der Konkurrenz eben.

  8. Steffen Henke

    Sehr geehrter Herr Scholzen,

    die “menschliche Natur” ist vielleicht dafür verantwortlich, dass wir heute noch den Zins als destruktive Geldumlaufsicherung nutzen. Es klingt verlockend, von Zinseinnahmen leben zu können. Jedoch kann dies immer nur einer kleinen Minderheit gelingen. 90 % der Bevölkerung zahlt immer mehr Schuldzinsen als sie in der Lage ist Guthabenszinsen zu generieren.

    Mit der “menschlichen Natur” kann man keinen Wachstumszwang erklären, im Gegenteil. In der Natur ist es natürlich, dass sich anfänglich schnelles Wachstum verlangsamt und gegen 0 geht (Wachstum eines Menschen oder eines Baumes).

    Der Zins wird von vielen Notenbanken krisenbedingt nach unten gedrückt, damit die bestehende Überschuldung noch einen Moment tragbar erscheint. Betrachtet man jedoch den weltweiten Zinsfluss auf das Volumen der insgesamt ausgegebenen verzinslichen Papiere, sieht man den zinsbedingten Wachstumszwang, der sich über die Billionen an Zinszahlungen ergibt.

    Deshalb wünsche ich mir eine Diskussion über alternative Wege, wie das fließende Geld.

    Freundlichst

    Steffen Henke

  9. Guido Scholzen

    Sehr geehrter Herr Steffen Henke,

    Was halten Sie von der Geldschöpfung der chinesischen Zentralbank? Dort wird jedes Jahr, wie in einer Planwirtschaft üblich, festgelegt, wie viel die Banken an Kredite vergeben können. Vor einigen Jahren war das Volumen schon am Ende November so gut wie aufgebraucht. Hier wird auch Geld aus dem Nichts geschöpft, wohl aber nur von der Zentralbank, und nicht wie im $ und € – System üblich auch von den Geschäftsbanken, die ja bei uns über 90% des Geldes erschaffen.
    Kommt diese Funktionsweise der chin. Zentralbank einer Monetative näher, so wie es von manchen Geldreformern gefordert wird?

  10. Steffen Henke

    Sehr geehrter Herr Guido Scholzen,

    „Geldschöpfung“ diskutiert, wer Geld in Umlauf bringt und wie es in Umlauf gelangt. Fließendes Geld arbeitet mit einer alternativen Umlaufsicherung. Es geht demnach bei fließendem Geld darum, wie das bereits ausgegebene Geld im Umlauf bleibt. Gut wäre ein Mechanismus, der dazu führt, dass das Geld möglichst gleichmäßig für den Waren- und Dienstleistungstausch sorgt. Dies ist aus meiner Sicht bei fließendem Geld gegeben.

    Ihre Zeilen signalisieren mir, dass Sie nicht korrekt zwischen Geld, Zahlungsmittel und Guthaben unterscheiden, das führt zu Ableitungsfehlern. Auf die sogenannte „Geld“-schöpfung kann ich hier nicht eingehen. Das Thema kann man nicht mit 150 zur Verfügung stehenden Wörtern anständig behandeln.

    VG Steffen Henke

  11. Guido Scholzen

    1. „Fließendes Geld“, d.h. Geld muss in den Umlauf kommen, damit die Wirtschaft floriert? d.h. man „muss“ dem Bürger Geld wegnehmen, damit etwas läuft?
    2. Was ist eigentlich eine „Umlaufsicherung“ und/oder „Schwundgeld“? Das ist nichts anderes als eine STEUER, sonst nichts. Dem normalen Bürger ist es letztendlich vollkommen egal, ob das Geld an Wert verliert durch eine „Umlaufsicherung“ oder durch Inflation.
    3. Ein Schwundgeldsystem ist nichts anderes als ein STEUERSYSTEM. Man kann durchaus davon ausgehen, dass es in einem solchen System ein wirklich gerechte Einkommenssteuer gibt, das ist aber auch das einzigste. Aber…: Wer will schon Geld haben, dass automatisch weniger Wert wird? Ich nicht, und die meisten anderen Menschen auch nicht. Leute, die das einführen wollen, denen geht es anscheinend zu gut.

    Herr Henke, glauben Sie wirklich, die oberen 10000 wären ehrlichere Banditen, wenn es ein solches Geldsystem gäbe? Ich glaube wohl kaum. Für den Durchschnittsbürger heißt es zuerst, dass ein Teil des Geldes weg ist, mehr nicht.
    Und wenn man so was einführen sollte, dann sollte man vorher die Bürger in einem Volksentscheid darüber entscheiden lassen. Aber vorher über alle Vorteile und NACHTEILE aufklären.

  12. Steffen Henke

    Sehr geehrter Herr Scholzen,

    im aktuellen Geldsystem bekommen die „Bürger Geld weggenommen“. Alle müssen die Guthabenszinsen für eine kleine Minderheit zahlen (bzw. erarbeiten). Bei fließendem Geld kann man der Gebühr (Umlaufsicherung) leicht entgehen. 90 % der Bevölkerung werden finanziell entlastet!

    Wegen Zins und Inflation befinden wir uns aktuell in einem „Schwundgeldsystem“. Hinzu kommt: Nichts auf der Welt kann zeitlich unbegrenzt exponentiell wachsen! Deshalb sind die Risiken des aktuellen Systems enorm!

    Fließendes Geld schafft Stabilität und ist friedensfördernd. Vergleichen Sie bitte die Volumina. Die konstruktive Umlaufsicherung bei fließendem Geld greift auf Zahlungsmittel und kurzfristige Einlagen. Der Zins im akt. System wirkt auf alle Einlagen! Insofern ist Ihr „Steuerargument“ falsch.

    Ihren letzten Punkt unterstütze ich vollständig. Umfängliche, seriöse Diskussion auf gesellschaftspolitischer Ebene über die verschiedenen Arten der Geldumlaufsicherung. Welches Geld die Menschen verwenden, sollte ausschließlich der Bürger wählen, gern auch per Volksentscheid.

    Freundliche Grüße

    Steffen Henke

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