Im Herbst kann man von der Aussichtsplattform auf Botrange normalerweise Birkhühner beobachten. Doch jetzt sieht man nur eine verkohlte, leblose Landschaft. Der Vennbrand hat einen ihrer gewohnten Aufenthaltsorte zerstört. Wie viele Tiere den Flammen zum Opfer fielen und wie viele sich retten konnten, lässt sich schwer sagen, meint der Biologe Johann Delcourt. Zumindest ein Weibchen sei noch regelmäßig in diesem Gebiet. Er könne den Vogel mit einem Sender verfolgen.
Johann Delcourt betreut die Forschungsstation auf Mont Rigi. Von dort aus kann er die Birkhühner beobachten, die im Rahmen eines Projektes der Universität Lüttich mit einem Sender ausgestattet worden sind - insgesamt zwölf waren es. Er sieht, an welchen Orten sich die Vögel aufhalten und welche Wegstrecken sie zurücklegen.
Die Daten geben ihm auch Aufschluss über das Verhalten der Birkhühner am 14. August, als der Brand ausbrach: Diejenigen, die außerhalb des Brandgebiets waren, haben sich nicht von der Stelle gerührt und sind noch immer dort. Und diejenigen, die dem Feuer ausgesetzt waren: Ein Weibchen ist ums Leben gekommen. Zwei weitere Weibchen konnten nach Osten entkommen. Sie haben sich danach im unversehrten Teil des Venns niedergelassen.
Insgesamt sieben Birkhühner mit Sender haben nachweislich überlebt. Eines starb in den Flammen. Dass die restlichen vier noch leben, ist ungewiss, meint Johann Delcourt. Es sei denn, sie befinden sich in einem Gebiet mit schwachem Empfang oder nur der Sender wurde zerstört. Das sei aber unwahrscheinlich.
Die mit Sender ausgestatteten Vögel stellen nicht die ganze Population dar. Vermutlich gab es vor dem Ausbruch des Feuers um die 30 Birkhühner im Hohen Venn. Auch wenn ein Teil ihres Lebensraumes zerstört ist, können sie immer noch Nahrung finden. In den abgebrannten Gebieten werde es vermutlich einige Jahre dauern, bis sich die Natur wieder erholt hat, meint Johann Delcourt. Doch glücklicherweise sei die Hälfte der Fläche unberührt geblieben, und es gebe immer noch einen geeigneten Lebensraum für die Birkhühner.
Johann Delcourt wird weiter beobachten, wo sich die Vögel in den kommenden Monaten aufhalten und ob sie neue Gebiete besiedeln. Ob es noch genügend Lebensraum für die nächsten Jahre gibt, um die Population der Birkhühner zu retten, wird nicht zuletzt auch vom Erfolg der Renaturierung des Venns abhängen.
Michaela Brück

