Der Besucherparkplatz am Signal de Botrange ist am Sonntagmittag gut ausgelastet. Zahlreiche Besucher von nah und fern hat es ins Hohe Venn gezogen, so auch eine Familie aus Gent. Sie schauen hier immer wieder vorbei - nun das erste Mal, seitdem das Feuer ausgebrochen ist.
"Wir haben alles im Fernsehen gesehen. Es ist natürlich anders, das Ganze mit eigenen Augen zu sehen. Es ist beeindruckend. Ich glaube, es ist auch wichtig, dass man wirklich versteht, was hier eigentlich passiert ist", sagt Hannes aus Gent.
Wandern im Hohen Venn - für viele bedeutet das: einfach mal abschalten, erholen. Ein Großteil der Wanderrouten im Naturschutzgebiet ist und bleibt geschlossen. Seit kurzem sind aber ein paar Routen - vor allem am Rande des Naturschutzgebiets - wieder geöffnet. Auch die beliebte Aussichtsplattform ist wieder zugänglich.
Von hier aus ist deutlich zu sehen, was das Feuer angerichtet hat. Eine Frage, die aktuell geklärt werden muss: Wie könnte der Wiederaufbau der zerstörten Holzstege aussehen? Für viele sind sie das Aushängeschild des Hohen Venns.
"Wenn das von den Kosten her möglich wäre, dann würde ich das begrüßen. Holzstege sind schöner als einfach Wege – man kennt es ja anders gar nicht", findet Rolf Hansen aus Eupen.
Tatsächlich müsste die Wallonische Region tief in die Tasche greifen, um die Stege wiederaufzubauen. Erste Schätzungen belaufen sich auf rund 1,2 Millionen Euro. Der Bürgermeister der Gemeinde Weismes, Eugène Wansart, wünscht sich die Holzstege zurück – aber nicht um jeden Preis.
"Ich finde, die Holzstege müssten ersetzt oder repariert werden – aber nicht überall. Das würde einfach zu viel kosten. Wir warten da noch auf die Entscheidung der Wallonischen Region", erklärt er.
Anders als am Signal de Botrange gestaltet sich die Parkplatzsuche auf Baraque Michel schwieriger. Eine vierköpfige Gruppe aus Brüssel hat ihre Parklücke gefunden und wartet darauf, dass das Restaurant öffnet. Ein Interview für den BRF? So viel Zeit muss sein. Also die Frage: Warum kommt ihr ins hohe Venn?
"Die Natur", sagt Antonio. "Für mich ist das die schönste Region Belgiens", sagt Maria. "Wir schauen jedes Jahr im November vorbei. Mit Freunden quartieren wir uns in einem Hotel ein, gehen spazieren und machen einfach eine Auszeit."
Dass die Kunden wieder zahlreich erscheinen, freut natürlich auch den Betreiber der Baraque Michel, Christophe Clinet. Er hat turbulente Wochen hinter sich - umso glücklicher ist er jetzt:
"Seit den letzten drei Wochen läuft alles wieder so, wie es vor dem Feuer der Fall war. Wir sind wieder bei einer einhundertprozentigen Auslastung. Alle Kunden sind zurück."
Auch auf dem Parkplatz bei der Brauerei Peak ist wieder ein gewohntes Bild zu sehen - ein voller Parkplatz. Auch im Gebäude ist einiges los.
"Wir sind wieder voll ausgelastet. Nachdem das Feuer ausgebrochen ist, mussten wir zehn Tage lang schließen. Mit und mit sind die Besucher wiedergekommen. Die geschlossenen Wanderrouten öffnen auch nach und nach. Das ist super", freut sich Servicekraft Céline.
20 Millionen Euro wird die Wallonische Region voraussichtlich in die Hand nehmen, um das Hohe Venn zu Renaturieren und vor zukünftigen Bränden besser zu schützen. Derweil hat sich das Besucheraufkommen längst stabilisiert, sehr zur Freude der lokalen HoReCa-Betriebe.
Dogan Malicki









