Was haben ein Ostbelgier, jemand aus Maastricht und ein Aachener gemeinsam? Was wie ein schlechter Witz klingt, ist Grundbaustein einer grenzübergreifenden Kooperation. Seit 50 Jahren gibt es die Arbeitsgemeinschaft Euregio Maas-Rhein.
Die Idee dazu hatte Königin Beatrix der Niederlande bereits 1974, zwei Jahre später wurde sie dann offiziell gegründet. Die DG trat dem Bündnis im Jahr 1992 bei. Und seit 2007 liegt der Hauptsitz sogar in Eupen. Doch mal ehrlich: Spüren die Menschen hier überhaupt so etwas wie eine "euregionale Identität"?
Alina Müllender von der Uni Hasselt weiß es. Sie hat zu dem Thema geforscht – und bringt die nötige Perspektive mit, da sie selbst Ostbelgierin ist, in Maastricht studiert hat und jetzt in Flandern arbeitet. Sie sagt: "Natürlich bezeichnet sich jetzt niemand allgemein als Bürger der Euregio. Ich würde allerdings schon sagen, dass es eine indirekte Form der Identifikation gibt. Es ist für uns ja schon fast selbstverständlich, dass wir sonntags zum Ikea nach Heerlen in den Niederlanden fahren. Deutsche fahren ja auch zu uns zum Tanken über die Grenze, und viele Ostbelgier pendeln täglich in die anderen Länder."
Doch was sagen die Menschen auf der Straße? Bei Straßenumfragen in Vaals und Aachen war das runde Jubiläum zwar den wenigsten bekannt. Die Vorzüge der Euregio spüren die Menschen im Alltag jedoch gewaltig – vor allem beim uneingeschränkten Reisen. Eine Frau aus Aachen erzählte: "Ich weiß, dass es sehr schöne Orte direkt hinter der Grenze gibt, sowohl in Belgien als auch in den Niederlanden. Als ich noch Bus fahren konnte, habe ich das viel genutzt. Zwar bleibe ich jetzt hauptsächlich in Aachen, aber ich finde es schön, dass der Einfluss der anderen Länder hier spürbar ist."
Einige der Befragten übten jedoch auch Kritik, da sie sich einheitlichere Fahrscheine für Bus und Bahn wünschen. Auch die Pandemie hat Schwachstellen offengelegt, wie Alina Müllender anmerkt: "Als die Grenzen geschlossen wurden und die grenzübergreifende Gesundheitsversorgung nicht mehr gewährleistet war, haben viele Menschen gemerkt, wie selbstverständlich es vorher war, Dienstleistungen im Ausland wahrzunehmen." Dennoch war die Euregio auch in der Krise um Lösungen bemüht – etwa durch eine Pendlervignette, die den Grenzübertritt für Pflegepersonal vereinfachte.
Für Alina Müllender bleibt die Euregio eine klare Erfolgsgeschichte und eine Vorbildfunktion für andere europäische Projekte – nicht zuletzt, weil in dieser Grenzregion ungewöhnlich viele Menschen leben. Das Zusammenleben in den drei Grenzstaaten ist etwas ganz Besonderes. Und selbst wer sich nicht als "Euregionaler" bezeichnet, profitiert im Alltag tagtäglich von den Vorteilen dieser einzigartigen Kooperation.
Loïc Bonet
Ich kann mich noch gut an die Grenzkontrollen in der Region erinnern, ich fuhr sehr oft über die Grenzen und ärgerte mich jedesmal über die Art und Weise wie man kontrolliert und auch schikaniert wurde. Auch mussten man immer darauf achten die richtige Währung zu haben.
Heute ist in dieser Hinsicht alles besser, ich kann unbehelligt Freunde und Verwandte in den Nachbarländer besuchen und diese kommen genau so gerne zu uns.
Ich bin dankbar.