Schüsse fallen, Polizisten rufen Kommandos, Menschen schreien. Zum Glück ist das nur eine Übung. Doch der Ernstfall, für den die Beamten trainieren, kennt keine Landesgrenzen. Wenn Verdächtige über die Grenze flüchten, müssen die Kollegen auf beiden Seiten wissen, was zu tun ist.
"Tätergruppierungen machen an der Grenze nicht halt. Wir müssen diese Grenzen beschützen und zusammenarbeiten können. Das ist ganz wichtig, dass hier die Polizei nicht an einer Grenze aufhört", erklärt Patrick Wienands von der Arbeitsgemeinschaft NeBeDeAgPol, in der sich niederländische, belgische und deutsche Polizeibehörden in der Euregio Maas-Rhein zusammengeschlossen haben. Er ist verantwortlich für die Fortbildungen.
Ein mögliches Szenario: Ein verdächtiges Auto wird gestoppt. Die Beamten müssen die Situation sichern. Doch was passiert, wenn der Wagen weiterfährt - und die Grenze nach Deutschland überquert? Dann müssen die Polizeikräfte wissen, wer zuständig ist und welche Befugnisse gelten.
"Wenn in Belgien die Straftat beginnt und wir bekommen die Erlaubnis, nach Deutschland einzufahren, dann müssen wir uns nach den deutschen Kollegen richten. Und wir dürfen auch in Deutschland nur anwenden, was bei uns in Belgien legal sind. Ich gebe ein Beispiel: Wir halten ein Fahrzeug an, es stoppt in Deutschland. Dann frieren wir die Situation ein und dann kommen die deutschen Kollegen vor Ort und übernehmen", erklärt Bettina Bierfeld von der Polizeizone Weser-Göhl.
Die Polizeikräfte der drei Länder sind ähnlich ausgebildet, unterscheiden sich aber in Ausrüstung und Einsatzmethoden. Bei einer Übung zeigen sie ihren Kollegen, wie sie Fahrzeugkontrollen durchführen und mit welchen Techniken sie beispielsweise Personen aus einem Wagen holen. Die Niederländer stellen außerdem den Einsatz des Tasers vor. "Wir hatten gerade die Möglichkeit, den Taser von den niederländischen Kollegen zu benutzen. Bei uns in Belgien haben wir ihn noch nicht. Die Polizeizone Weser-Göhl wird diesen aber erhalten", erklärt Bettina Bierfeld.
Es geht nicht nur darum, einzelne Handgriffe zu lernen. Die gemeinsame Fortbildung soll vor allem helfen, dass die Beamten im Einsatz besser zusammenarbeiten. Dabei gehe es nicht darum, die nationalen Standards zu ersetzen, sagt Patrick Wienands. "Es geht gar nicht darum, dass wir den Einzelnen individuell besser machen. Die einzelnen Nationen und die einzelnen Trainer, die hier vertreten sind, trainieren ihre Leute schon auf ganz, ganz hohem Niveau. Was besser sein soll, ist der Synergieeffekt, dass man miteinander viel besser kooperieren kann. Auch wenn wir vielleicht Sprachbarrieren haben, sprechen wir aber einsatztaktisch und in der Abarbeitung von Einsätzen die gleiche Sprache. Und das soll hier heute vermittelt werden."
Die Polizeikräfte treffen sich regelmäßig, um voneinander zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Denn wenn es im Einsatz über die Grenze geht, sollen sie nicht erst herausfinden müssen, wie die Kollegen auf der anderen Seite arbeiten.
Gaby Zeimers














