Ein Museum vor einem echten Scherbenhaufen - im wahrsten Sinne des Wortes. Die Ausstellung "Unter der Oberfläche" des Töpfereimuseums Raeren lädt Besucher zum Mitmachen ein. Startschuss war die Auftaktveranstaltung im Dorfhaus Eynatten, bei der Interessierte das Projekt kennenlernen konnten. In den Räumlichkeiten des Museums geht die Ausstellung seit dieser Woche weiter. Die Einrichtung wurde zu diesem Zweck zu einer Forschungswerkstatt umfunktioniert.
Für die Direktorin Barbara Bong ist das ein Experiment. Sie ermutigt die Raerener, ihre eigenen Geschichten und Ausgrabungsobjekte mitzubringen. "Das Hauptziel ist es, dass sich die Bevölkerung für das Thema interessiert. Wir haben die Ausgrabungen in Raeren gewählt, da viele daran beteiligt waren. Deren Geschichte ist eng mit den Einwohnern verbunden. Aus diesem Grund hoffen wir, dass dieses kollektive Gedächtnis nicht verloren geht."
Die historischen Scherben zu sichten ist eine echte Herausforderung, da das Material lange Zeit in Kisten auf einem alten Dachboden stand. Doch einige Kartons haben es jetzt sogar gesäubert und entstaubt in die Ausstellung geschafft.
An anderen Stationen können Raerener dann ihre eigenen Erfahrungen einbringen. Mitten in die Ausstellung wurde, als Erinnerung an frühere Tage, ein gemütliches Wohnzimmer gebaut. Ein Geschichtstelefon zeichnet das Erzählte auf, was später dann ausgewertet wird. Dahinter befindet sich eine Pinnwand, die extra für Fotos und Memoiren installiert wurde.
Dabei widmet sich die Ausstellung mehreren Fragen. "Konkret dreht sich die archäologische Forschungswerkstatt um vier Aspekte: Wer hat damals ausgegraben? Wer hat noch Erinnerungen daran? An welchen Orten ist das passiert? Und was davon ist in Privatbeständen erhalten geblieben?"
Dabei gestaltet sich die Spurensuche schwierig, da viele Ausgrabungen illegal durchgeführt wurden. Das habe dazu geführt, dass die Raerener mit ihren Besitztümern eher heimlich umgegangen sind. Die Direktorin hebt jedoch hervor, dass niemand verurteilt wird. "Es geht nicht darum, uns die Artefakte anzueignen. Es geht uns hauptsächlich um das Dokumentieren und eventuell sind einige bereit, ihre Mitbringsel dem Museum als Leihgabe zur Verfügung zu stellen. Private Besitzansprüche werden dabei keineswegs in Frage gestellt."
Barbara Bong bietet außerdem jeden Mittwochnachmittag eine Forschungswerkstatt an, bei der sie persönlich vor Ort sein wird. Die Ergebnisse der Recherchen sollen dann im Jahr 2027 im Rahmen einer Sonderausstellung gezeigt werden.
Loïc Bonet












