Auf Friedhöfen in der Region verschwinden derzeit immer wieder Grabvasen und Laternen. Die Diebstähle sorgen für Empörung, denn für viele Angehörige haben die Gegenstände einen hohen persönlichen Wert. Dass auf Friedhöfen gestohlen wird, ist allerdings nicht neu.
"Ich muss sagen, dass ich kein Jahr ohne Diebstahl kenne. Es werden immer wieder Vasen geklaut, aber vorwiegend Laternen. Es gibt Hochzeiten, wo mehr geklaut wird, das ist jetzt beispielsweise der Fall. Und dann gibt es wieder die ruhigeren Zeiten. Es werden aber auch Kerzen neben den Särgen geklaut. Und ich weiß von Gärtnereien, dass manchmal Gestecke geklaut werden oder sogar die frisch gepflanzten Blümchen", sagt Bestatter Marc Despineux.
In den vergangenen Tagen haben sich die Fälle gehäuft. Bei der Stadt Eupen haben sich zahlreiche Angehörige gemeldet. "Vor zwei Wochen ist eine Dame gekommen und hat mir erzählt, dass sie mit mehreren anderen Bekannten gesprochen hat, deren Grabschmuck auch geklaut wurde", berichtet Schöffe Lucas Reul.
Die Stadt hat dazu aufgerufen, auch kleinere Diebstähle bei der Polizei zu melden. Wie viele Fälle es inzwischen gibt, ist noch unklar. Da weiterhin Meldungen eingehen, kann Polizeisprecher Eric Hellebrandt noch keine genauen Zahlen für die Polizeizone Weser Göhl nennen. Die Vermutung liegt nahe, dass es den Tätern um den Materialwert geht. Laut Marc Despineux liegt dieser bei einer gewöhnlichen Laterne bei etwa zehn Euro. Für die Angehörigen wiegt der Verlust allerdings deutlich schwerer.
Die Polizei hat in Eupen zwei Tatverdächtige identifiziert. Ob sie auch für den Diebstahl in Walhorn verantwortlich sind, ist Gegenstand der Ermittlungen. Unabhängig davon will die Stadt weitere Diebstähle verhindern. Dafür sollen mobile Kameras eingesetzt werden.
"Erste Maßnahme ist jetzt hier, Kameras aufzustellen. Das sind mobile Kameras, um möglichen Trittbrettfahrern sofort den Wind aus den Segeln zu nehmen, aber auch, den Leuten, die jetzt hier über die Allerheiligenferien ihre lieben Verstorbenen besuchen möchten, ein gewisses Sicherheitsgefühl zu geben. Mittel und langfristig möchten wir dann das Netz der öffentlichen Kameras in Eupen ausbauen", erläutert Bürgermeister Thomas Lennertz.
Kimberly Bonni wurde auf dem Friedhof in Walhorn die Laterne vom Grab ihres vor vier Jahren verstorbenen Sohnes gestohlen. Die Familie hatte sie gemeinsam ausgesucht. Sie sollte als Licht am Grab des Sohnes, Bruders und Enkels brennen. "Um Geld geht es sich hier gar nicht wirklich. Eine neue Laterne kostet Geld. Aber es geht um dieses Emotionale, das dahintersteckt. Ich habe für mein Kind damals dieses Geld ausgegeben, damit mein Kind nie im Dunkeln steht. Das ist mit Geld nicht zu ersetzen", erklärt sie.
In Walhorn ist bislang nur ein Diebstahl bekannt. Doch auch dort hat der Vorfall Folgen: Die Familie überlegt, die Laterne künftig fest in einem Grabstein zu verankern. Die Hoffnung, die ursprüngliche Laterne zurückzubekommen, hat Kimberly Bonni aber noch nicht aufgegeben.
"Wir überlegen, einen Grabstein zu setzen. Wir hatten uns damals entschieden, es so stehen zu lassen mit diesem weißen kleinen Kreuz. Jetzt haben wir Angebote eingeholt für einen Grabstein, bei dem die Laterne im Grabstein befestigt ist, aus Angst, dass es wieder passieren könnte. Ansonsten hat mein Schwiegervater gesagt, er bohrt ein Loch und betoniert die Laterne ein. Die Umsetzung haben wir noch nicht gemacht, weil wir immer noch hoffen, dass wir vielleicht doch das Teil, was uns geklaut wurde, wiederbekommen."
Am Mittwoch wurden die mobilen Kameras am Eingang des Eupener Friedhofs installiert. Ob sie weitere Diebstähle verhindern können, wird sich zeigen.














