Der Eupener Stadtführer Karl Heinz Vomberg hat sich näher mit der Geschichte des Gebäudes beschäftigt. Seine Begeisterung dafür ist mit der Zeit gewachsen. "Wenn man die Architektur generell betrachtet, dann hielt sich früher die Begeisterung für dieses Gebäude bei mir, ehrlich gesagt, in Grenzen. Aber heute kenne ich die Geschichte im Hintergrund und welche Namen dahinterstehen. Und jetzt bin ich begeistert", erklärt er.
Vom touristischen Hotspot zum markanten Bauwerk
Dass direkt an der Talsperre einmal ein großer touristischer Komplex entstehen würde, war ursprünglich nicht unbedingt vorgesehen. Während der Bauarbeiten entwickelte sich die Umgebung jedoch bereits zu einem beliebten Ausflugsziel. Um Besuchern den Zugang zur anderen Seite der Sperrmauer zu ermöglichen, wurde die Servicestraße angepasst. Außerdem wurde die ehemalige Notkirche aus Rocherath abgebaut und an der Talsperre wieder aufgebaut, um dort eine Bewirtungsmöglichkeit zu schaffen.
Schließlich entstand die Idee, einen größeren touristischen Komplex zu errichten. 1955 erhielt der Architekt Roger Bastin den Auftrag, ein neues Gebäude mit Restaurant und Panoramaturm zu entwerfen. Die konkrete Planung übertrug er seinen jüngeren Kollegen Charles Vandenhove und Lucien Kroll, die unterschiedliche Entwürfe ausarbeiteten.
Der schließlich realisierte Bau trägt die Handschrift seiner Zeit. Die Architektur orientiert sich unter anderem an den Ideen des damals einflussreichen schweizerisch-französischen Architekten Le Corbusier. Viel Beton, Glas und klare Linien prägen das Erscheinungsbild. Damit verbindet das Gebäude Elemente der Nachkriegsmoderne mit dem Brutalismus.
Architektur mit Blick auf den See
Das Gebäude folgt dem Hang und erstreckt sich vor allem in die Breite. Es ruht auf Stützen, bietet überdachte Außenbereiche und liegt offen zum See hin. Sowohl auf der unteren als auch auf der oberen Etage spielte der Panoramablick eine wichtige Rolle. Heute schränken allerdings Bäume die Sicht teilweise ein.
Der markante Aussichtsturm ragt über das Gebäude hinaus und war ursprünglich ein weiterer Höhepunkt des Komplexes. Doch die Anlage wurde im Laufe der Zeit vernachlässigt. Aus Sicherheitsgründen musste der Turm geschlossen werden und ist inzwischen nicht mehr regulär zugänglich. Wer ihn besteigen möchte, kann dies laut Vomberg nur noch nach vorheriger Anmeldung tun.
Modernisiert, aber nicht vollständig saniert
Im Laufe der Jahre wurde der touristische Komplex mehrfach modernisiert und erweitert, unter anderem 1985/86 sowie 2004 und 2010. Auch im gastronomischen Bereich wurde Anfang des Jahres erneut investiert. Andere Teile der Anlage, insbesondere der Aussichtsturm, warten dagegen weiterhin auf eine Renovierung.
Wer mehr über die Architektur und die Geschichte des Komplexes erfahren möchte, hat am kommenden Sonntag Gelegenheit dazu. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Einblick" lädt Chudoscnik Sunergia zu einem Architekturvortrag mit anschließendem Rundgang ein. Beginn ist um 11 Uhr. Treffpunkt ist der Saal im ersten Stock. Tickets sind hier erhältlich.
Robin Emonts