Axel Kittel ist in Lüttich angekommen. Dass er den Schritt vom Gericht Erster Instanz zum Appellationshof machen würde, hatte sich zunächst nicht unbedingt abgezeichnet. Dann ergab sich die Gelegenheit. "Hier wurde eine Stelle frei und man hat mich darauf dann angesprochen. Anscheinend war man sehr zufrieden mit meinen Urteilen am Eupener Gericht. Am Hof suchte man in erster Linie einen Strafrechtler. Da ich aber ziemlich polyvalent bin, bin ich vielseitig einsetzbar."
Die neue Arbeit macht ihm Spaß. Auch wenn die Bedingungen nicht immer ideal sind: Eigene Büros gibt es nicht, ein Teil der Arbeit muss deshalb im Homeoffice erledigt werden. Besonders schätzt aber Kittel: "die Kollegialität. Im Strafrecht tagen wir zu dritt und ich finde es spannend, dass wir zusammen über die Akten diskutieren können. Sechs Augen sehen mehr als zwei. Das ist ein wirklich interessanter Job."
Zum Team gehören neben Axel Kittel unter anderem auch Christine Brüls und Marc Lazarus. Alle drei kommen aus Eupen. Greffier Isabelle Bongartz stammt aus Eynatten. Die ostbelgische Verbindung ist also auch am Appellationshof spürbar. Und Marc Lazarus freut sich über die Verstärkung. "Für uns ist das natürlich ein großes Glück. Es gibt insgesamt sechs zweisprachige Gerichtsräte am Appellationshof in Lüttich. Durch Axel Kittel ist dieser Kader jetzt vollständig. Ich wage schon fast zu sagen, dass das ein großer Luxus ist, weil das die Arbeitsweise stark erleichtert."
Doch wie unterscheidet sich die Arbeit am Appellationshof eigentlich von der am Gericht Erster Instanz in Eupen? Während in Erster Instanz die Fälle aufgearbeitet und die ersten Urteile gefällt werden, geht es in Lüttich darum, bereits getroffene Entscheidungen noch einmal gründlich zu überprüfen. Vor allem dann, wenn eine Partei mit dem Urteil nicht einverstanden ist. "In Eupen ist man in Erster Instanz eine Art Minenräumer", erklärt Kittel. "Es geht darum, dass man die Akten ein erstes Mal vorbereitet und dann Urteile fällt. Die Arbeit hier am Hof ist etwas anders – hier müssen wir ein wenig mehr ans Eingemachte gehen, wenn jemand mit einem Urteil aus Erster Instanz nicht zufrieden war."
Das Gerichtsgebäude selbst hat seine Schwachstellen: Seit Jahren fehlt Geld für ausreichende Instandhaltungsarbeiten. An einigen Stellen schützen Netze vor herabfallenden Deckenteilen. Trotzdem ist Axel Kittel sehr zufrieden mit seinem neuen Arbeitsplatz. Er schätzt die juristische Feinarbeit und die Zeit, sich intensiv mit den Fällen auseinanderzusetzen. Bis zu seiner Pensionierung möchte der 63-Jährige voraussichtlich in Lüttich bleiben.
Bleibt nur zu hoffen, dass er und seine Kollegen auch künftig allen Fällen auf den Grund gehen können – und ihnen dabei nicht irgendwann die Decke auf den Kopf fällt.

Dogan Malicki








