20 Jahre "Lot dech jue" - in dieser Zeit wurden über 600 Karnevalslieder produziert. Heute kann man sich das kaum noch vorstellen, aber auch für "Lot dech jue" gilt: Die Anfänge aller Dinge sind klein.
Seine allererste Aufnahme machte "Lot dech jue"-Gründer Mirko Braem als Jugendlicher für einen Bekannten. "Damals konnte man nicht so einfach mit einem Computer aufnehmen, da hab ich dann mit zwei Minidisc-Geräten gearbeitet, also kleinen Kassetten, mit denen man Lieder aufnehmen konnte. Ich hab dann auf einer Minidisc die Musik eingespielt, hab dann ein zweites Gerät dazwischengeschaltet, mit dem dann der Gesang eingespielt wurde. So wurde dann quasi die erste Aufnahme gemacht", erinnert sich Braem.
Nach dem ersten Versuch wuchs sein Interesse an der Musikproduktion. Bald darauf entstand dann die Idee, die zu "Lot dech jue" führen sollte: Alle Karnevals-Künstler und Bands aus KeNeHeMo sollten auf eine gemeinsame CD. Das hatte vor allem praktische Hintergründe, denn in den Kneipen war es damals besonders umständlich, ständig die CDs austauschen zu müssen.
"Ich hab dann all die Künstler zusammengetrommelt", so Braem. "Das Projekt hieß ursprünglich aber nicht 'Lot dech jue', sondern 'KeNeHeMo janz musikalisch', weil es auf der CD eben nur KeNeHeMo-Leute drauf gab. Im zweiten Jahr hat sich das dann aber schnell geändert, weil da schon Anfragen aus Eupen hinzukamen und da 'KeNeHeMo' dann nicht mehr passte, habe ich mir den Namen 'Lot dech jue' ausgedacht."
Das ist inzwischen 20 Jahre her. Einmal im Jahr erscheint seitdem eine neue Ausgabe. Schnell kam auch der "Lot dech jue"-Vorstellungsabend hinzu, bei dem die Künstler ihre neuen Lieder für die Session präsentieren. Entstanden sind im Laufe der Jahre dann auch weitere Projekte: "Lot dech jue"-Prinzen zum Beispiel, oder auch das neue Projekt "Lot dech jue - Talents", das jüngere Talente und Newcomer auf die Bühne bringen soll.
"Es gibt auch seit dem letzten Jahr noch 'Lot dech hüre', das ist ein Karnevalspodcast, den wir ins Leben gerufen haben, wo ich zusammen mit Nicolas Meesen mal hinter die Kulissen des Karnevals schaue", erklärt Mirko Braem.
Als Sprungbrett in die Karnevalsszene diente Lot dech jue in der Vergangenheit schon so einigen Gruppen und Künstlern, zum Beispiel den LC Jonge, die seit einigen Jahren dabei sind. "Wir sind 2020 gestartet. Das war nicht einfach, weil das genau während der Coronazeit war, da hatten wir nur wenige Auftritte. Da haben wir dann auch nur ein Lied gemacht, glaube ich. Jetzt auf die Jahre können wir aber schon sagen, dass es uns bisher ganz gut gelungen ist und alles sehr gut klappt", erzählt Mirco Emontspohl von den LC Jonge. "Es ist einfach schon, dabei zu sein. Jeder unterstützt jeden. Das macht sehr viel aus, vor allem, wenn man gerade neu ist."
Doch "Lot dech jue" steht nicht nur für viele Künstler, die sich gegenseitig unterstützen, sondern auch für einen ganz eigenen Sound. "Der Karneval im Norden der DG klingt ganz anders als in der Eifel oder der Kölsche Karneval", sagt "Lot dech jue"-Moderator Patrick Knops. "Es ist eher so eine Partykarnevalsschlagermusik, die sich hier fest etabliert hat."
"Das bedeutet nicht, dass wir die andere Musik nicht mögen oder dass sie nicht gut ist, unsere Musik ist einfach ein bisschen anders. Das zeigt sich auch daran, dass viele 'Lot dech jue'-Künstler auch in Holland unterwegs sind, also im Limburger Karneval. Die feiern dort halt auch diese Partykarnevalsmusik", so Knops.
Über die Jahre ist bei "Lot dech jue" eine Gemeinschaft entstanden, die sich selbst als Familie sieht. Ein Ende dieser Geschichte ist noch lange nicht in Sicht. "Ich würde nicht sagen, dass der Karneval zusammenbricht, wenn wir aufhören würden, aber es wäre doch ein großer Einschnitt, wenn es zum Beispiel nächstes Jahr kein 'Lot dech jue'-Lieder mehr geben würde. Es ist mittlerweile doch eine Institution geworden, die nicht wegzudenken ist - und da wollen wir auch gar nicht dran denken", so Mirko Braem.
Der Vorstellungsabend "Lot dech jue - Volume 20" findet am Samstag, dem 24. Oktober ab 20:11 Uhr in der Salle Culturelle in Gemmenich statt. Tickets gibt es auf der Webseite von Lot dech jue.
Lindsay Ahn


