Anschluss in einer neuen Gesellschaft zu finden, ist alles andere als einfach. Eine gute Möglichkeit, um erste Kontakte zu knüpfen und im neuen Umfeld aktiv zu werden, können Vereine oder das Ehrenamt bieten. "Weil es eine Möglichkeit ist, die Gesellschaft kennenzulernen, die Sprache auszuprobieren und auch irgendwo anzukommen und das Gefühl zu haben, dazugehören zu können", sagt Nathalie Peters vom Beirat für Integration und Zusammenleben in Vielfalt.
Doch für Menschen, die neu nach Ostbelgien kommen, stehen zunächst oft andere Dinge im Vordergrund: zum Beispiel die Arbeitssuche, um finanziell abgesichert zu sein. Hinzu kommt, dass sie vielleicht gar nicht wissen, welche Vereine und Organisationen es in ihrer Umgebung überhaupt gibt.
Deshalb seien auch die Vereine gefragt, so Peters. Sie müssten sich öffnen und stärker auf Menschen zugehen, die Anschluss suchen. "Also ich denke, da ist auch an die Gesellschaft hier der Aufruf, vielleicht einen ersten Schritt zu machen und sich auf die ein oder andere Weise ein bisschen bekannt zu machen. Und dann natürlich andererseits müssen die Menschen, die zugezogen sind, den Mut haben, einfach mal einzusteigen und was Neues kennenzulernen und einfach mal mitzumachen."
Wie genau Vereine und Vereinigungen diesen "ersten Schritt" machen können, will der Beirat für Integration und das Zusammenleben in Vielfalt am Dienstagabend im Alten Schlachthof herausfinden. An dem Forum nehmen Vertreter aus Organisationen und Vereinen teil, aber auch aus der Politik. Die Ministerin für Soziales, Lydia Klinkenberg, und der für das Ehrenamt zuständige Minister Gregor Freches nehmen an einer Podiumsdiskussion teil.
Dabei gehe es zunächst nicht um konkrete Forderungen an die Politik, sagt Peters, sondern darum, gemeinsam zu überlegen, wie Vereine sich weiterentwickeln können. Denn auch die Erwartungen an das Ehrenamt haben sich in den letzten Jahrzehnten verändert. "Wir wissen allemal, dass Ehrenamt in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten weniger geworden ist, dass Menschen weniger bereit sind, sich regelmäßig intensiv zu engagieren, so wie es vielleicht in der Vergangenheit der Fall war", so Peters. "Deswegen wäre die Überlegung, wie Ehrenamt und wie die Organisationen sich auch in ihren Strukturen ein bisschen öffnen können, damit es leichter für Menschen wird, sich einzubringen, ohne sich schon jahrelang festzulegen oder zweimal die Woche an einem festen Zeitpunkt zur Verfügung stehen zu müssen, sondern dass da mehr Flexibilität reinkommt."
In einer Diskussion, die im Ehrenamt schon seit Jahren geführt wird, will der Beirat nun gezielt die Perspektive von Menschen mit Migrationshintergrund einbringen. Es gehe darum, ihre Bedürfnisse mit dem Wunsch der Vereine nach neuen Ehrenamtlern zusammenzubringen.
Wie gut das gelingen kann, hängt auch von der persönlichen Begegnung ab, sagt Nathalie Peters. Einige gute Beispiele habe es in der Vergangenheit schon gegeben. "Es hat immer dann gut funktioniert, wenn man den Menschen als Menschen begegnet und nicht als Teil einer Gruppe von Zugezogenen oder Teil einer Gruppe von einer Nation. Stattdessen nehme ich die einzelne Person an, die ich da sehe, die sich gerne beteiligen möchte und lasse sie mitmachen. Wir stellen immer wieder fest, dass das am besten funktioniert", so Peters. "Weg mit den Vorurteilen. Ich sehe einfach eine Person, die sich integrieren möchte oder die Kontakte sucht oder braucht und ich nehme sie einfach mal mit und zeige ihr, was die so machen und lade sie ein mitzumachen. Das ist eigentlich immer die beste Formel."
Lindsay Ahn