Normalerweise leuchtet im Hohen Venn um diese Jahreszeit das lila Blütenmeer des Heidekrauts. Doch stattdessen gibt es nur schwarze verkohlte Erde. Bei der Ortsbegehung zum Startschuss für das Wiederaufbauprogramm sind die Schäden zu sehen. Das Feuer, das am 14. August mittags ausbrach, hat 2.629 Hektar Vennlandschaft verbrannt. Zusammen mit den Folgeschäden für Bäume und Pflanzen auf den nun exponierten freien Flächen, wo Windfälle und Käfer drohen, sind es 3.400 Hektar.

Das Großfeuer im Sommer ging im Unterschied zu Frühjahrsbränden der vergangenen Jahre bis in den Boden hinein und hatte eine nie gekannte Dimension. "Der Wind drehte dauernd. Am Ende hatten wir 27 Kilometer Feuerlinie. Das war sehr schwer zu händeln", erklärt René Dahmen, Forstamtsleiter Elsenborn.
René Dahmen und sein Kollege Yves Pieper vom Forstamt Verviers haben es miterlebt. In ihren Zuständigkeitsbereichen war die Feuerfront besonders kritisch.
Nach zwei Monaten ist das Ausmaß der Brandschäden deutlich: "Sehr negativ ist es für die Heideflächen. Auf Hunderten Hektar sind sie weggebrannt. Da wird man flankierende Maßnahmen ergreifen müssen. Wir werden jetzt schon Heidesamen auf dem Militärgelände ernten, um erste Tests zu machen mit der Aussaat von Heidesamen und um Heideflächen zu renaturieren, wo alles verbrannt ist. Wenn man da nicht hilft, kommt da keine Heide mehr hin", sagt Dahmen.
Das befürchtete Szenario, dass der Brand die Torfkörper im aktiven Hochoor erfasst, ist jedoch nicht eingetreten. "Der innere, feuchte Teil besteht nach wie vor. Es hat oben an der Oberfläche gebrannt. Aber unten ist es mit Wasser gesättigt, und das aktive Moor ist im Kern in gutem Zustand", stellt Yves Pieper vom Forstamt Verviers erleichtert fest.
Und ein weiterer positiver Aspekt: Die renaturierten Flächen haben dem Feuer widerstanden und sind fast unversehrt.
Offene Flächen und Nässe wiederherzustellen, ist aus Sicht von Yves Pieper und seinen Kollegen auch ein richtiger Weg für die Zukunft und den Wiederaufbau: "Die Renaturierung auf jeden Fall weiterführen, das Wegenetz unterhalten, um es mit Feuerwehrfahrzeugenn befahren zu können und zusätzliche Brandschneisen anlegen und unterhalten, damit dort kein Brandstoff entsteht."
Mit Bränden wird man auch in den kommenden Jahren rechnen müssen. Sie gehörten zur Natur wie Stürme, sagt René Dahmen. "Es wird noch brennen. Die Trockenphasen werden mehr, und die brennbare Fläche ist viel größer als vor 30 Jahren. Wir müssen präventiv neue renaturierte Flächen anlegen, damit künftige Brände nicht mehr solche Ausmaße annehmen wie hier."
Arbeitsgruppen, die die Wallonische Region eingesetzt hat, werden in den kommenden Wochen und Monaten analysieren und entscheiden müssen, was zu tun ist. Eine komplexe Aufgabe, bei der die Experrten gefordert sind.
Michaela Brück





