Die Geschichte des ehemaligen Zwergstaats Neutral-Moresnet fasziniert bis heute Menschen aus dem In- und Ausland. Der Kelmiser Geschichtsinteressierte Heribert Krickel möchte diese Vergangenheit noch anschaulicher vermitteln - mit einem möglichen Schmugglertunnel unter der Lütticher Straße.
Ein Tunnel unter der alten Grenze?
Dort verlief früher die Grenze des Ministaats. Unter der Straße soll sich ein Tunnel befinden, der über den Keller der heutigen Vinothek erreichbar gewesen sein könnte. Geschmuggelt worden sei dort vor allem Schnaps ins damals preußische Gebiet.
"Man geht davon aus, dass zur Zeit von Maria Theresia ein Tunnel für die Landwirtschaft gebaut worden ist. In der neutralen Zeit soll er als Schmugglertunnel genutzt worden sein", sagt Krickel. Ob das tatsächlich so war, müsse allerdings noch untersucht werden.
Die letzten bekannten Bilder des Tunnels sind rund 20 Jahre alt. Heute ist unter der Vinothek nur noch eine Kellerwand zu sehen, hinter der sich der Tunnel befindet.
Vom QR-Code bis zum begehbaren Tunnel
"Unser größter Wunsch wäre, dass man es irgendwie schafft, auch in den Tunnel zu gelangen", erklärt er. Das Idealziel wäre, dass Besucher den Tunnel selbst begehen können. Als kleinere Lösung könnte ein QR-Code dienen, über den sich ein Erklärvideo abrufen lässt.
Heribert Krickel hofft, dass man das Projekt als EU-Kulturerbe-Projekt anerkennen lassen kann. Anders als bei klassischer Denkmalpflege steht beim Europäischen Kulturerbe-Siegel der europäische Mehrwert - also warum dieser Ort für ganz Europa wichtig ist - im Vordergrund. Das Ziel ist also hoch gegriffen, das Auswahlverfahren streng.
Aus einer Vision kann etwas entstehen
Tourismusminister Gregor Freches begrüßt, dass Krickel eine große Vision verfolgt. Die Vermutung über den Tunnel müsse zunächst genauer untersucht werden. "Am Ende des Tages kann aus einer Vision ja auch etwas Großes entstehen", sagt Freches. Als Beispiel nennt er den Schieferstollen in Recht, der heute jährlich rund 12.000 Besucher anzieht.
Für den Tourismus in Ostbelgien seien die Geschichten rund um Neutral-Moresnet wertvoll, so der Minister. "Am Ende des Tages wollen wir Storytelling aufbauen. Und gerade das, was hier in Kelmis und Umgebung in den letzten Jahrhunderten geschehen ist, ist bestimmt ein Storytelling wert."
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält die Geschichte durch den Autor Philip Dröge. Sein YouTube-Video über das Schmugglernest Moresnet wurde innerhalb eines Monats mehr als 169.000 Mal aufgerufen. Dröge, der auch das Buch "Niemandsland" über Neutral-Moresnet geschrieben hat, berichtete Krickel per Videoanruf, dass der Film bald im niederländischen Fernsehen gezeigt werden soll.
Manuel Zimmermann


