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Bozar in Brüssel: Zwischen kulturellem Anspruch und finanziellen Sorgen

14.10.202615:34
  • Brüssel
  • Eupen
Das Gebäude vom "Bozar" in Brüssel
Bild: Robin Emonts/BRF

Der Palast der schönen Künste (Bozar) gehört zu den wichtigsten Kultureinrichtungen Belgiens. Mitten im Herzen von Brüssel vereint das Haus Ausstellungen, Konzerte, Filmvorführungen und Lesungen unter einem Dach. Doch während die Besucherzahlen steigen, wächst der finanzielle Druck. Mittendrin: der Eupener Managing Director Roger Christmann.

Wer das Bozar betritt, lässt den Trubel der Brüsseler Innenstadt schnell hinter sich. Hinter der eher unscheinbaren Fassade des von Victor Horta entworfenen Gebäudes öffnet sich eine weitläufige Kulturwelt mit Konzert- und Kinosälen sowie großen Ausstellungsräumen. Im lichtdurchfluteten Horta-Saal treffen sich Besucher auf einen Kaffee, stöbern im Buchladen oder machen eine Pause zwischen zwei Ausstellungen.

Für Roger Christmann ist Bozar ein besonderer Ort. Der gebürtige Eupener war früher in einer Bank tätig und engagierte sich bei Chudoscnik Sunergia, bevor ihn sein beruflicher Weg unter anderem ins Ruhrgebiet und nach Berlin führte. Seit drei Jahren ist er als Managing Director von Bozar zurück in Brüssel. Er verantwortet vor allem die organisatorischen Abläufe, von den technischen Diensten über den Ticketverkauf bis zum Empfang des Publikums.

"Bozar kombiniert große Ausstellungsräume und Konzerträume, was sehr selten ist", erklärt Christmann. Hinzu komme, dass die Einrichtung von morgens bis spätabends geöffnet sei und als eine der letzten drei föderalen Kultureinrichtungen Belgiens direkt vom Föderalstaat getragen werde.

Kunst in all ihren Facetten

Das Programm von Bozar ist breit gefächert. Neben Konzerten und Filmvorführungen gehören auch große Ausstellungen zum Angebot. Derzeit widmet sich eine Schau dem südafrikanischen Künstler William Kentridge, dessen Arbeiten Zeichnung, Film, Musik und Bühnenkunst miteinander verbinden. Eine weitere Ausstellung gibt einen umfassenden Einblick in das Werk des flämischen Malers Jean Brusselmans. Hinzu kommt eine Ausstellung über Haute Couture von Balenciaga.

Die verschiedenen Kunstformen stärker miteinander zu verbinden, ist ein wichtiges Anliegen des Hauses. Der Horta-Saal wurde deshalb als zentraler Treffpunkt gestaltet, an dem Besucher vor oder nach einer Ausstellung ebenso zusammenkommen können wie vor einem Konzert.
"Wir arbeiten seit zwei, drei Jahren daran, dass diese Disziplinen sich auch wirklich untereinander mehr mischen", sagt Christmann. So entstehen beispielsweise Verbindungen zwischen Film und Live-Musik oder Ausstellungen, die mit Klanginstallationen und anderen sinnlichen Eindrücken arbeiten.

Das Konzept scheint beim Publikum anzukommen. Im vergangenen Jahr zählte Bozar rund 750.000 Besucher. Allein 370.000 Menschen kamen zu den Ausstellungen. Christmann hofft, mit dem aktuellen Programm an diese Zahlen anknüpfen zu können.

Das Gebäude vom "Bozar" in Brüssel
Bild: Robin Emonts/BRF
Ausstellung im "Bozar" in Brüssel
Bild: Robin Emonts/BRF
Ausstellung im "Bozar" in Brüssel
Bild: Robin Emonts/BRF
Ausstellung im "Bozar" in Brüssel
Bild: Robin Emonts/BRF

Wegfallende Zuschüsse reißen ein Loch ins Budget

Doch trotz des Publikumszuspruchs steht Bozar finanziell vor schwierigen Jahren. Die flämische Regierung hat beschlossen, ihre Zuschüsse ab 2027 vollständig zu streichen. Dabei geht es um 780.000 Euro jährlich. Auch andere Geldgeber ziehen sich zurück: Das Außenministerium, das das Bozar bislang mit 500.000 Euro unterstützt hat, will diese Finanzierung ebenfalls einstellen. Die Französische Gemeinschaft hat ihren Zuschuss bereits gestrichen.

"Innerhalb von drei Jahren haben wir eigentlich eine Reduzierung von zwei Millionen", sagt Christmann. Bei einem Gesamtbudget von rund 36 Millionen Euro mag das zunächst überschaubar erscheinen. Für einzelne Ausstellungsprojekte, die schnell mehrere Hunderttausend Euro kosten können, sei der Wegfall der Zuschüsse jedoch besonders problematisch. Knapp die Hälfte des Budgets wird durch den Föderalstaat getragen. Den übrigen Teil muss Bozar selbst aufbringen, unter anderem durch Ticketverkäufe, Saalmiete und Sponsoring.

Gleichzeitig verlangt der Föderalstaat weitere Einsparungen. Über fünf Jahre hinweg soll Bozar seine Ausgaben jährlich um 1,8 Prozent reduzieren. Für Christmann stellt sich deshalb die Frage, wie sich der kulturelle Auftrag des Hauses langfristig sichern lässt. Zwar könnten steigende Besucherzahlen und höhere Eigeneinnahmen helfen, die finanziellen Lücken teilweise zu schließen. Doch eine immer stärkere Abhängigkeit von eigenen Einnahmen sieht er kritisch. "Wie schaffen wir es, dass das Bozar wirklich das Aushängeschild von Belgien bleibt hier im Zentrum von Brüssel?", fragt Christmann.

Roger Christmann sitzt in einem der Räume im Bozar
Managing Director Roger Christmann (Bild: Robin Emonts/BRF)

Ein Blick auf das 100-jährige Bestehen

Trotz der finanziellen Unsicherheiten richtet Bozar den Blick nach vorne. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch das Gebäude selbst. Um Kosten zu sparen, sollen die Büros und der Ticketverkauf aus der benachbarten, inzwischen in die Jahre gekommenen Galerie Ravenstein in den Palast der schönen Künste umziehen. Vorher sind allerdings noch Renovierungsarbeiten nötig. Bis zum Umzug dürfte es noch ein bis zwei Jahre dauern.

Ein weiteres wichtiges Datum steht ebenfalls bevor: 2028 und 2029 feiert der Palast der schönen Künste sein 100-jähriges Bestehen am heutigen Standort.

Für Christmann und sein Team wird es darum gehen, den kulturellen Anspruch des Hauses trotz knapper werdender Mittel zu bewahren. Bozar soll auch künftig ein Ort bleiben, an dem internationale Kunst auf belgische Kulturschaffende trifft und unterschiedliche Disziplinen miteinander in Austausch treten.

Robin Emonts

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