Der Arbeitstag im Tierheim beginnt früh. Zuerst müssen die Katzen gefüttert und die Tiere kontrolliert werden. Danach geht es zu den Hunden: Gassi gehen, Boxen reinigen und dafür sorgen, dass es den Vierbeinern an nichts fehlt. Auch kranke Tiere brauchen besondere Aufmerksamkeit. Und neben der täglichen Pflege fallen weitere Aufgaben an, etwa im Büro.
Tine kennt diesen abwechslungsreichen Alltag gut. Seit 2019 engagiert sie sich ehrenamtlich im Tierheim Eupen. Mittlerweile befindet sie sich im zweiten Ausbildungsjahr zur Tierpflegerin – die duale Ausbildung wird seit einiger Zeit beim IAWM angeboten. Tine weiß, was man für den Job mitbringen muss. "Man muss eine sehr große emotionale Stabilität mitbringen. Natürlich sollte man eine große Liebe für Tiere in sich tragen. Ebenfalls muss man lernen, mit schwierigeren Tieren umgehen zu können." Denn nicht jedes Tier, das im Tierheim ankommt, hat eine gute Vorgeschichte.
Manche sind krank, andere verletzt oder wurden vernachlässigt. Die Pfleger versuchen, den Tieren zu helfen und sie bestmöglich zu versorgen. Doch trotz aller Bemühungen gibt es auch Fälle, in denen sie machtlos sind. Mit solchen Situationen umzugehen, gehört zu den schwierigsten Seiten des Berufs. "Oft sieht man auch unschöne Sachen, wie z. B. Verletzungen und große Wunden. Da muss man gut mit umgehen können."
Umso schöner sind die Momente, in denen sich die Arbeit auszahlt. Wenn ein Tier langsam Vertrauen fasst und sich von seinen Erfahrungen erholt. "Man kriegt die Dankbarkeit der Tiere schon zurück. In der Regel haben wir auch ein persönliches Happy-End, wenn die Tiere ausziehen und ein neues, tolles Zuhause finden."
Doch solche Happy-Ends brauchen Zeit, Platz und ausreichend Personal. Genau daran mangelt es im Tierheim Eupen. Die Einrichtung kämpft – wie viele andere Heime auch – mit finanziellen Engpässen und Platzmangel. Aktuell können keine weiteren Katzen aufgenommen werden. Wegen der schwierigen finanziellen Lage musste zudem eine Vollzeitkraft entlassen werden.
Trotz der Herausforderungen ist die Tierpflege für Tine mehr als nur ein Beruf. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, auch in schwierigen Momenten weiterzumachen und den Tieren eine zweite Chance zu ermöglichen. Damit das gelingt, braucht es nicht nur engagierte Tierpflegerinnen und Tierpfleger, sondern auch Menschen, die die Tierheime unterstützen – sei es durch ehrenamtliche Arbeit, Spenden oder mehr gesellschaftliche Anerkennung.
Die duale Ausbildung zum Tierpfleger führt zu einem Gesellenzeugnis. Die Ausbildungsvergütung steigt mit jedem Lehrjahr: Im ersten Jahr liegt sie bei rund 400 Euro, im dritten bei etwa 800 Euro. Festangestellte Tierpfleger verdienen rund 2.000 Euro netto im Monat.
Dogan Malicki


