Ein trockener Sommer liegt hinter uns und auch die ersten Herbstwochen waren eher zu trocken als zu nass. Für Pilze, die es eigentlich schön feucht mögen, nicht die besten Voraussetzungen. Oder? Sarah Pieper von Natagora Ostbelgien war in den letzten Woche viel auf Pilzsuche, für ihre Pilzausstellung, die am Wochenende zu Ende gegangen ist. "Wir haben schon gemerkt, dass die Pilze sehr spät - wenn überhaupt - gekommen sind", stellt sie fest. "Für unsere Ausstellung haben wir allerdings erstaunlich viele Pilze gefunden, 130 Arten. Damit hatte ich nicht gerechnet."
Nicht jeder Pilz verhält sich gleich. Die unterschiedlichen Arten kommen scheinbar unterschiedlich gut oder schlecht mit trockenen Phasen zurecht. "Mir ist aufgefallen, dass die Pilze, die wachsen, hauptsächlich an Holz wachsen. An totem oder krankem Holz, als Parasitär-Pilz oder Zersetzer. Und dass die Pilze, die in Symbiose leben, es doch vielleicht etwas schwerer haben. Mir ist aber auch aufgefallen, dass der Birkenröhrling dieses Jahr gut gewachsen ist - vielleicht hatte die Birke dann genug Eigensaft, um dem Pilz diesen mitzugeben."
Die Trockenheit hat die Wälder diesen Sommer geschwächt, was problematisch ist. Und zwar nicht nur für die Bäume, sondern auch die Pilze, sagt Sarah Pieper. Dadurch werde ein ganzes Ökosystem durcheinander gebracht. "Wenn die Bäume kaputt gehen oder über die Jahre hier nicht mehr existieren können, dann verschwinden auch die Pilze. Die fehlen dann im System und das hat immer irgendwie eine Folge."
Wer Pilze für den Verzehr im Wald sammelt, sollte sich sicher sein, was er da gerade sammelt. Auch wenn es inzwischen Hilfsmittel wie verschiedene Bestimmungs-Apps gibt, die Meinung eines Experten ist einzuholen, ist laut Sarah Pieper immer sinnvoll. "Apps können einem sicher helfen, in die richtige Richtung zu denken. Aber 100-prozentige Sicherheit bekomme ich da nicht", so die Expertin.
Wenn es dann ums Essen geht, gibt sie den Tipp: Lieber auf Experten als auf eine App verlassen. Auch sie kann man kontaktieren, wenn man Fragen zu gesammelten Pilzen hat. Oft reiche ein Foto oder einfach drüber sprechen, um den Pilz richtig einschätzen zu können.
Wer sich weiterbilden möchte, hat die Gelegenheit dazu: Natagora bietet am Donnerstagabend um 19:30 Uhr im Natagora-Büro in Medell einen Vortrag zur Welt der Pilze an.
Lena Orban