In den Jahren 2021 und 2022 haben die Uni Gent und Securex die erste belgische Studie zum Thema Menopause und Arbeit durchgeführt. Befragt wurden 2.408 Arbeitnehmerinnen, 87,6 Prozent von ihnen befanden sich zum Zeitpunkt der Befragung in den Wechseljahren und hatten menopausale Beschwerden.
Bei mehr als jeder zweiten von ihnen hatten die Beschwerden auch einen Einfluss auf ihre Arbeitsleistung (55,3 Prozent). Bei der Studie wurden unter anderem der Erholungsbedarf nach der Arbeit und das Burn-out-Risiko der Frauen untersucht.
"Da stellt man fest, dass bei Frauen mit Wechseljahrsbeschwerden, die dadurch auf dem Arbeitsplatz beeinträchtigt sind, der Erholungsbedarf eigentlich verdoppelt ist, im Vergleich zu Frauen, die auch Wechseljahrsbeschwerden haben, die aber auf dem Arbeitsplatz dadurch nicht direkt beeinträchtigt sind", erklärt Jacqueline Jost von Securex.
"Diese Beobachtung zieht sich dann auch durch das Thema Burn-Out. Die Frauen, die aufgrund der Wechseljahrsbeschwerden beeinträchtigt sind, haben ein viel höheres Risiko als Frauen mit Wechseljahrsbeschwerden, die sie an der Arbeit nicht einschränken."
Ähnlich sieht es bei krankheitsbedingten Fehltagen aus. Frauen, die durch ihre menopausalen Beschwerden im Arbeitsalltag beeinträchtigt sind, fehlen im Durchschnitt deutlich häufiger als Frauen, die zwar Beschwerden haben, dadurch aber keine Probleme bei der Arbeit erfahren. "Die Resultate sind da eigentlich sehr eindeutig und zeigen, dass es auch wichtig ist, diesem Thema als Arbeitgeber Rechnung zu tragen und das nicht einfach unter den Teppich zu kehren", so Jost.
Generell gelte das Thema Menopause am Arbeitsplatz noch als Tabuthema. Seit einigen Jahren gebe es jedoch Bestrebungen, das zu ändern - nicht nur in Belgien. "In England ist man da zum Beispiel schon sehr weit fortgeschritten und man sieht auch in Deutschland schon immer mehr sogenannte 'Menopause-Consultants', die wie Pilze aus dem Boden schießen. Man merkt auch in Belgien, dass inzwischen mehr Ärzte, Gynäkologen und Kliniken sich auf das Thema spezialisieren. Dadurch wird die Bevölkerung auch einfach sensibilisiert zu diesem Thema und so wird das weniger ein Tabuthema in der Gesellschaft und auf der Arbeit."
Bis die Menopause aber wirklich kein Tabuthema am Arbeitsplatz mehr ist, muss sich noch einiges tun: Laut der Studie haben 23,4 Prozent der betroffenen Frauen das Gefühl, dass sie das Thema Wechseljahre bei ihrem Arbeitgeber nicht ansprechen können. Von allen Arbeitnehmerinnen, die sich aktuell in den Wechseljahren befinden – unabhängig davon, ob sie Beschwerden haben oder nicht –, wissen rund 70 Prozent nicht, ob das Thema an ihrem Arbeitsplatz besprechbar ist.
Als externer Präventionsdienst bietet Securex Wechseljahr-Sensibilisierungen für Unternehmen an. Dabei werden bewusst alle angesprochen. "Weil es auch wichtig ist für die männlichen Kollegen, zu verstehen, was da im Körper der Frau passiert und warum die Kollegin vielleicht einen Tag oder einen längeren Zeitraum irritiert oder nicht gut ansprechbar ist. So kann man das auch einfach ein bisschen nachvollziehen. Das Wissen, das Verständnis und die Empathie sind dann einfach erhöht."
Den einen Weg, um menopausale Beschwerden am Arbeitsplatz zu lindern, gibt es nicht, denn bei jeder Frau äußern sich die Wechseljahre anders. Im Falle von Hitzewallungen könnte es aber schon helfen, sich Gedanken über die Arbeitsräumlichkeiten zu machen und sich zu fragen, ob die betroffene Person dort die Möglichkeit hat, bei Bedarf ein Fenster zu öffnen oder die Temperatur zu regulieren.
"Man spricht bei den Symptomen ja auch oft vom 'Brainfog'", erklärt Jacqueline Jost. "Also, dass man sich schlechter konzentrieren kann oder einfach Sachen vergisst. Da könnte man vielleicht auch gewisse organisatorische Anpassungen beim Arbeitsinhalt machen oder andere, flexiblere Arbeitszeiten einführen. Dass man, wenn man in einer schwierigen Phase ist, ein bisschen weniger arbeitet und dann, wenn es besser ist, wieder mehr."
Der Arbeitgeber könne natürlich nicht alle Probleme lösen, so Jost. Wichtig sei aber zunächst, überhaupt über das Thema sprechen zu können. Denn nur wenn die Wechseljahre am Arbeitsplatz besprechbar sind, können auch konkrete Lösungen für die Beschwerden gefunden werden.
Lindsay Ahn