Bei Demonstrationen gegen die Bildungspolitik der Französischen Gemeinschaft ist es am Dienstag in Lüttich erneut zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Randalierer hatten die Schülerproteste zum Anlass genommen, Geschäfte, Straßenbahnhaltestellen und den Justizpalast zu beschädigen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Mehr als 50 Menschen wurden festgenommen. Am Mittwochmorgen hat sich die Lage wieder beruhigt. Geschäftsleute und friedliche Demonstranten befürchten allerdings, dass es am Mittwochnachmittag erneut zu Ausschreitungen kommen könnte.
Der Bürgermeister von Lüttich, Willy Demeyer, und die Polizei forderten die Schülerinnen und Schüler auf, wieder zur Schule zu gehen und sich von den Ausschreitungen zu distanzieren. Bildungsministerin Valérie Glatigny will am Mittwochnachmittag mit einer Schülerdelegation sprechen.
Die Staatsanwaltschaft kündigte eine Null-Toleranz-Politik an. Verfolgt werden sollen nicht nur Personen, die Straftaten begehen, sondern auch die, die über soziale Netzwerke dazu aufrufen. Am Dienstag wurde ein 13-Jähriger festgenommen, der online dazu aufgerufen haben soll, mit Benzinkanistern eine Schule in Brand zu setzen.
Seit Beginn der Schülerproteste vor gut einer Woche hat es bereits 107 Festnahmen gegeben. 80 der Festgenommenen wurden präventiv festgehalten, 27 weitere stehen im Verdacht, Straftaten begangen zu haben.
Proteste in Frankreich erreichen neues Ausmaß
Nach Angaben des französischen Innenministeriums beteiligten sich am Dienstag 256.000 Menschen an Demonstrationen, alleine 56.000 davon in Paris. Die Bildungsgewerkschaften sprachen von 450.000 Demonstranten landesweit.
Angesichts der ausufernden Proteste will Präsident Emmanuel Macron am Mittwochabend auf einer Krisensitzung über die Lage beraten. Macron hatte sich bislang nicht in den Umgang mit den Schülerprotesten eingeschaltet, die vor einer Woche begannen.
rtbf/dpa/vrt/sh