In der selbsternannten Käsehauptstadt Herve stand alles im Zeichen der Milchprodukte. Stargast war - natürlich - der Herver Käse. Berühmt-berüchtigt für sein Aroma und unzertrennlich mit der Geschichte der Region verbunden. "Der Herver Käse ist ein einzigartiges Produkt - man kann ihn nicht kopieren. 1996 haben wir es geschafft, das Label zu bekommen. Dafür mussten wir ein umfangreiches Dossier bei der EU hinterlegen. Heute ist also ein großer Tag, weil wir der einzige belgische Käse sind, der diese 'geschützte Herkunftsbezeichnung' hat. Heute feiern wir also die 30 Jahre und es ist ein toller Tag", sagt Jean-Marc Cabay, der Präsident der VoG "Fromage de Herve".
Deshalb gab es den Käsejubilar auch in allen Formen: pur, auf Brot oder sogar als "Herviflette" - in Anlehnung an das bekannte, französische Käsegericht. So ein Gericht darf man kopieren, den Herver Käse nicht. Das Label schützt das Produkt und definiert genau, wie und aus welchen Zutaten es hergestellt werden darf. "Ein Label wie die 'geschützte Herkunftsbezeichung' zu bekommen, ist sehr schwer, das ist wirklich der heilige Gral unter den Labels. Einmal, weil man beweisen muss, dass das Produkt schon sehr lange existiert und dann auch, dass es unzertrennlich mit dem Gebiet, aus dem es kommt, verbunden ist."
Zur Party eingeladen waren auch zahlreiche weitere Käse aus nah und fern. Sie konnten die Besucher unter anderem beim Produzentenmarkt entdecken, probieren - und mit nach Hause nehmen. 25 Produzenten boten so ziemlich alle Formen, Farben und Aromen, die Käse annehmen kann. Ein Käseparadies mit Angeboten für jeden Geschmack. Wie viel Wissen erforderlich ist, um sich im Käsedschungel zurechtzufinden, konnten Besucher im Herver Ratsaal entdecken. Dort wurde zur Feier des Tages der Wettbewerb um den Titel "Bester belgischer Käsespezialist" ausgetragen.
Für Jurypräsident Léo Begin von der Föderation der belgischen Käsespezialisten ist das Event das beste Schaufenster für spezialisierte Käsehändler. "Das Event wurde für und von unserem Berufsstand ins Leben gerufen. Die Teilnehmer müssen heute acht Aufgaben erledigen, die den Alltag im Käsefachhandel abbilden. Allerdings hier mit einem besonderen Aspekt. Es ist ein Exzellenzwettbewerb. Man muss also noch etwas besser sein als im Alltag. Außerdem hat man hier die Gelegenheit, sich mit anderen zu messen. Das ist jetzt die neunte oder zehnte Ausgabe und mittlerweile ist kein Teilnehmer mehr zufällig hier."
Den ganzen Tag lang mussten die vier Finalisten ihre Fachkenntnis und ihr Geschick beweisen. Morgens die Theorie: von Sorten und Reifegrad, bis hin zu Milchkuhrassen und Herkunftsbezeichnungen. Nachmittags die Praxis: zum Beispiel ohne Waage grammgenaue Stücke abschneiden oder verschiedene Käse fachgerecht und formgetreu einpacken. Ein Wettbewerb unter Käse-Sommeliers, der eindeutig zeigt: Hinter der Käsetheke steckt viel mehr, als man denkt.
Anne Kelleter





