Wie kann ich meinen Unterricht abwechslungsreicher gestalten? Diese Frage stellen sich Lehrkräfte täglich. Die Antwort liegt oft näher als gedacht: in der eigenen Schulmediothek. Doch viele Angebote bleiben ungenutzt, weil sie schlichtweg zu unbekannt sind. Um das zu ändern, hat der Pädagogische Sonderbeauftragte für Mediotheken, Jens Giesdorf, gemeinsam mit der Autonomen Hochschule einen neuen Katalog vorgestellt.
Mehr als nur Bücher ausleihen
Schulmediotheken sind längst keine reine Buchausleihstellen mehr. Sie sind zentrale Orte für Medienpädagogik und kreative Projekte. Der neue Katalog "IDEENreich" fungiert hier als digitale und gedruckte Fundgrube. Er listet nicht nur Materialien auf, sondern zeigt konkrete Praxisbeispiele, wie Mediotheken den Lehralltag bereichern können - von der klassischen Leseförderung bis hin zur Produktion eigener Podcasts.
"Wir haben im Jahr 2025 eine Umfrage unter den Lehrern gemacht und festgestellt, dass es eine Reihe von Wünschen gab", erklärt Jens Giesdorf den Hintergrund des Projekts. Bei der Auswertung sei jedoch aufgefallen, dass viele dieser Wünsche in Form von bestehenden Projekten eigentlich schon erfüllt seien. "Das heißt, dass wir unsere Projekte höchstwahrscheinlich nicht sichtbar genug dargestellt haben. Darum dieser Katalog."
Vernetzung über Schulgrenzen hinweg
Ein Kernziel von "IDEENreich" ist die Vernetzung. Lehrkräfte sollen nicht nur Angebote der eigenen Schule nutzen, sondern auch von Ideen aus anderen Orten der Deutschsprachigen Gemeinschaft profitieren. Dies steigert die Effizienz: Ein im Norden der DG entwickeltes Medienprojekt kann im Süden sofort adaptiert werden.
"Das ist uns ganz wichtig, dass wir auch eine weitere Vernetzung damit gewährleisten", so Giesdorf. "Nicht nur unter den Schulmediotheken und Lehrermediothekaren, sondern vielleicht auch unter den Lehrerkollegen, sodass hier ein größeres Netzwerk aufgebaut werden kann."

Lob aus dem Ausland
Zufällig waren diese Woche Vertreter der Bayerischen Staatsbibliothek zu Gast, die sich im Rahmen eines Erasmus-Projektes über die ostbelgische Schullandschaft informierten. Ihr Fazit war eindeutig: Das vernetzte Angebot der DG sei "ein Träumchen", vor dem man fast demütig das Haupt neige.
Auch Unterrichtsminister Jérôme Franssen zeigte sich zufrieden von der Zusammenarbeit der Schulen. "Ich glaube, es ist ein sehr interessantes und wichtiges Projekt, dass die Schulmediotheken sich hier zu einem konkreten Projekt zusammengeschlossen haben", lobte Franssen. Der entscheidende Mehrwert liege darin, dass die Vielzahl der Projekte nun allen Lehrern in allen Schulen zur Verfügung stehe.
Frust vermeiden, Potenzial nutzen
Für Jana Scholtes, Bibliothekarin vom Bischöflichen Institut Büllingen, ist der Katalog ein wichtiges Werkzeug, um das volle Potenzial ihrer Einrichtungen auszuschöpfen. "Wir haben jetzt konkret Sachen an der Hand, die wir den Lehrern auch zeigen können", sagt Scholtes. Während man früher oft nur das eigene, begrenzte Angebot präsentieren konnte, eröffne der Katalog nun die Möglichkeit, auch Projekte anderer Schulen als Inspiration zu nutzen.
Manuel Zimmmermann