Die zentrale Menschenkette von "Es brennt" verläuft am 3. Oktober von Karlsruhe bis nach Berlin. Knapp 100 Organisationen beteiligen sich an der Aktion, die eigentlich nur in Deutschland stattfindet - mit einer Ausnahme: Auch von Kelmis bis zum Aachener Dom soll sich eine Menschenkette bilden. Organisiert wird die von der Aachener Ortsgruppe der Aktion. Diese war durch einen Zufall entstanden: Die ostbelgischen und deutschen Mitglieder der Gruppe trafen sich erstmals auf einer Veranstaltung zum Thema Hitze und Klimawandel in Aachen.
"Daraus ist dann ein erstes Treffen geworden, weil wir das Gefühl hatten, dass wir gerne etwas bewegen und etwas tun möchten und nicht in der Resignation und in der Frustration bleiben wollen", erklärt Gruppenmitglied Anja Ortmanns. "Wir haben uns dann getroffen und selbst erst einmal eine Demo geplant. Und eine von uns, Andrea Claessen, hat dann diese bundesweite 'Es brennt'-Aktion gefunden und dann haben wir uns gesagt, dass es ja viel besser ist, etwas bundesweites und etwas Großes zu unterstützen, als etwas im kleineren Rahmen zu machen."
Dass die Menschenkette auch durch Kelmis verläuft, habe zum einen den Grund, dass die Ortsgruppe mit Aachen als westlichster Großstadt Deutschlands auch die Euregio mit einbeziehen wollte. Besonders ausschlaggebend waren dann aber die Brände im Hürtgenwald und im Hohen Venn. "Das hat uns alle sehr betroffen gemacht und wir haben gemerkt: Es kommt einfach immer näher. Es ist so fühlbar. Die Brände, Hitze, Überschwemmungen, das macht alles keinen Halt vor Landesgrenzen und deshalb fühlen wir uns sehr verbunden mit unseren Freuden und Freundinnen in Belgien und natürlich auch in den Niederlanden. Wir haben uns hier aber auf Belgien konzentriert, wegen der Brände im Hohen Venn."
Im Rahmen der Aktion fordert "Es brennt", dass die deutsche Bundesregierung das Grundgesetz konsequent einhält. "Es ist ja alles beschlossen. Es gibt Klima-Abkommen. Wir halten uns nur nicht daran und tun nicht genug dafür. Wir möchten die Regierung jetzt dazu auffordern, alle Maßnahmen zu ergreifen, die für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlage notwendig sind", so Anja Ortmanns. "Dazu gehören natürlich Klimaschutzmaßnahmen, dazu gehören aber auch Maßnahmen zum Erhalt unserer Demokratie. Damit auch unsere Kinder und deren Kinder morgen noch friedlich in einer guten Umwelt und Umgebung zusammenleben können."
"Wir wünschen uns eine Politik, die das Wohl aller vor den Profit stellt. Dass das nun endlich beginnt." An die belgische Regierung könne die Aktion jedoch nicht appellieren, da die Forderungen sich auf die der deutschen Akteure beschränken. Eingeteilt ist die rund neun Kilometer lange Strecke zwischen der Lütticher Straße in Kelmis und dem Domhof in Aachen in verschiedene Abschnitte.
An einigen Orten werden noch dringend Personen gesucht, die an der Menschenkette teilnehmen. Zum Beispiel im Bereich der Lütticher Straße in Kelmis. "Wir haben jetzt im Moment so ungefähr 1.500 bis 2.000 Teilnehmer, wir brauchen aber 6.000 bis 7.000. Allerdings ist es bei solchen Veranstaltungen auch typisch, dass die meisten sich erst ganz kurz vorher anmelden. Außerdem suchen wir noch 70 bis 80 Ordner. Die Veranstaltung ist natürlich mit der Polizei abgesprochen und man braucht so alle 100 Meter einen Ordner für diesen Bereich. Der schaut dann nach dem Rechten, man kann sich aber auch an ihn wenden, wenn es einem nicht gut geht. Wenn man sich anmeldet, dann kann man auch direkt das Häkchen bei 'Ich möchte auch Ordner werden' machen."
Anmelden kann man sich auf der Internetseite der Ortsgruppe esbrennt.eu. Dort gibt es auch eine Karte, die die genauen Abschnitte und den Bedarf anzeigt. Zufrieden wäre die Ortsgruppe, wenn die Hälfte oder zwei Drittel der erwünschten Menge dabei wäre. Sollten auf der Strecke Lücken entstehen, könnten diese mit langen Regenschirmen, Zollstöcken oder T-Shirts überbrückt werden. "Wenn sich da alle dran halten, dann sind wir zuversichtlich, dass wir dann vielleicht die Kette schließen können", sagt Anja Ortmanns.
Am Samstag soll die Aktion um 12 Uhr beginnen. Dann reichen sich die Teilnehmer die Hände und bilden die Menschenkette. Zehn Minuten lang soll dann Stille herrschen. "Wir finden, dass die Stille kraftvoll sein kann", so Anja Ortmanns. Im Anschluss recken die Teilnehmer fünf Minuten lang weiße DinA4-Blätter die Luft. "Die bundesweite Aktion hat dazu aufgerufen, dass wir erkennen, dass wir etwas tun müssen. Nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für den Erhalt unserer Demokratie und dafür, glauben wir, braucht es einen Neubeginn und dafür steht das weiße Blatt Papier."
Zum Ende der Aktion bleiben noch 15 Minuten, in denen die Teilnehmer der Menschenkette ins Gespräch kommen und sich gegenseitig kennenlernen sollen. Dabei darf auch gesungen und getanzt werden.
Lindsay Ahn