Mit einem Jutebeutel voller weißer Umschläge zieht Salima Alâadany durch Recht. Von der Kirche aus geht es von Haus zu Haus. Wenn jemand die Tür öffnet, überreicht sie die Einladung persönlich und erklärt kurz, worum es beim Zukunftsatelier geht. Mehr als 600 Einladungen hat sie dafür vorbereitet. Der Aufwand ist bewusst groß. Denn möglichst viele Menschen sollen erreicht werden – auch diejenigen, die sich sonst eher selten an Veranstaltungen zur Dorfentwicklung beteiligen.
Persönlicher Kontakt soll Hemmschwellen abbauen
Alâadany arbeitet seit 2024 auf diese Weise. Ihr Ziel ist es, auch Menschen einzubeziehen, die aufgrund von Sprachbarrieren, fehlender Bildung oder anderer Hemmschwellen seltener an öffentlichen Diskussionen teilnehmen. Der persönliche Kontakt von Tür zu Tür soll dabei eine Brücke schaffen. So erreicht sie nicht nur die Menschen, die ohnehin in Vereinen aktiv sind oder sich regelmäßig in das Dorfleben einbringen, sondern auch diejenigen, die bislang weniger beteiligt sind. In der Regel besucht Alâadany auf diese Weise mehrere Orte pro Jahr. Dabei wiederholen sich manche Themen von Dorf zu Dorf.
Zu schnelles Fahren und Einsamkeit als wiederkehrende Themen
Zu schnelles Fahren innerhalb der Ortschaften wird immer wieder angesprochen. Auch Einsamkeit, insbesondere bei älteren Menschen, beschäftigt viele Dorfbewohner. Ein weiteres Thema ist die Erreichbarkeit von Politik und Gemeindeverantwortlichen. Bei den Zukunftsateliers zeigt sich allerdings häufig, dass die Wege zu Bürgermeisterinnen, Bürgermeistern oder anderen Verantwortlichen kürzer sind als zunächst angenommen. Alâadany versteht sich deshalb auch als Vermittlerin zwischen den Dorfbewohnern und der Politik. Die Anliegen und Ideen aus den Dörfern sollen ihren Weg zu den zuständigen Stellen finden.
Aus Gesprächen entstehen konkrete Ideen
Bei den Zukunftsateliers geht es nicht nur darum, Probleme zu benennen. Aus den Gesprächen sind in der Vergangenheit auch konkrete Projekte entstanden. Ein Beispiel ist die sogenannte "Flüsterkiste" in Espeler. Eine mit Getränken und Spielen gefüllte Kiste wandert dabei von Haustür zu Haustür. Wer die Kiste erhält, lädt eine andere Person ein, gemeinsam etwas zu trinken oder ein Gesellschaftsspiel zu spielen. Anschließend wird die Kiste wieder aufgefüllt und weitergegeben. Die Idee soll auf einfache Weise Begegnungen schaffen und Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Inzwischen ist die Kiste bereits seit mehreren Runden im Dorf unterwegs.
Auch kleine Dinge können viel verändern
Für die Dorfentwicklung braucht es nach Ansicht von Alâadany nicht immer große Projekte. Auch eine Wandergruppe, ein Spieleabend oder andere niedrigschwellige Angebote können das Zusammenleben stärken. Entsprechend wird auch die Teilnahme an einem Zukunftsatelier nicht an der Zahl der Besucher gemessen. Wenn Menschen zusammenkommen und über ihr Dorf sprechen, gemeinsam nachdenken und Ideen entwickeln, kann das bereits als Erfolg gewertet werden.
In Recht findet das nächste Zukunftsatelier am 15. Oktober statt. Bis dahin will Alâadany noch möglichst viele Einladungen persönlich verteilen und mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ins Gespräch kommen. Mehr Informationen zu den Zukunftsateliers und der Dorfentwicklung gibt es auf der Internetseite der Ländlichen Gilden.
Robin Emonts