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Regelung von Grenzverlauf und Kriegsfolgen: 70 Jahre deutsch-belgischer Ausgleichsvertrag

23.09.202619:05
  • Deutsche Eifel
  • Deutschland
  • Eupen
  • Zweiter Weltkrieg
Historiker Christoph Brüll (Archivbild: Stephan Pesch/BRF)
Archivbild: Stephan Pesch/BRF

Vor 70 Jahren, am 24. September 1956 ist in Brüssel der deutsch-belgische Ausgleichsvertrag unterzeichnet worden, der die Kriegsfolgen und auch die Frage des Grenzverlaufs regeln sollte. Fünf Jahre vorher hatten Belgien und Deutschland diplomatische Beziehungen aufgenommen. Der BRF sprach darüber mit dem Eupener Historiker Christoph Brüll.

Christoph Brüll, sechs Jahre nach dem Krieg Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Ist das nun eine lange oder eine kurze Zeit?

Es ist eine verhältnismäßig kurze Zeit. Wenn man sich vor Augen führt, dass Deutschland erst mal 1949 wieder eine Staatlichkeit erlangt, eben die Bundesrepublik, die DDR dann kurze Zeit später. Und dass die Souveränität dieser Bundesrepublik ja auch noch beschränkt war. Es gab kein Auswärtiges Amt am Anfang, also auch keine diplomatischen Beziehungen. Es gab die Alliierte Hohe Kommission in Bonn, die eigentlich Hauptansprechpartner der Bundesregierung war. Und im Frühjahr 1951 gibt es dann ein Abkommen, das eben der Bundesrepublik die Gründung eines Auswärtigen Amtes oder Neugründung eines Auswärtigen Amtes erlaubt. Und Belgien gehört dann tatsächlich nach den Westalliierten zu den ersten Staaten, die diplomatische Beziehungen aufnehmen, am gleichen Tag wie Dänemark, wie dann immer bemerkt wird.

Von welcher Seite ging das denn aus? Eher von deutscher Seite oder von Seiten der anderen Staaten wie Belgien?

Man kann schon sagen, dass Belgien sehr früh daran interessiert war, korrekte Beziehungen zu dem neuen westdeutschen Staat aufzunehmen. Und auf der anderen Seite hatte die neue Bundesregierung und an ihrer Spitze vor allem Bundeskanzler Adenauer natürlich alles Interesse daran, auch die Bundesrepublik so schnell wie möglich wieder in das diplomatische Konzert zu integrieren. Und sehr schnell entstand daraus ja das, was man die Westintegration der Bundesrepublik nennt, also ihre Einbindung in die westlichen Bündnisse.

Und da muss man von einer Interessenkonvergenz sprechen: Einerseits erlaubte das der Bundesrepublik wieder gleichberechtigt im diplomatischen Konzert mitzuspielen, auch wenn es noch immer Beschränkungen der Souveränität gab. Und auf der anderen Seite wurde das, zumal auch in Belgien, eigentlich als die neue beste Sicherheitspolitik betrachtet. Also wenn man einen erneuten Angriff oder allgemeiner gesprochen eine neue westdeutsche Hegemonie über Westeuropa verhindern wollte, dann war eigentlich das Beste, dass man diese Bundesrepublik zum politischen diplomatischen Partner machte.

Das waren ja dann ganz andere Töne als noch zum Ende des Krieges oder unmittelbar nach dem Krieg. Da gab es ja zum Teil, wie auch nach dem Ersten Weltkrieg, weitgehende Reparationsforderungen und auch sehr weitreichende Gebietsansprüche. Die reichten ja sogar bis weit ins Rheinland. War davon jetzt keine Rede mehr?

Davon war keine Rede mehr, wobei man sagen muss, dass die offizielle belgische Position da immer eher gemäßigt war. Aber es ist natürlich interessant festzustellen, dass nach dem Zweiten Weltkrieg dieselben Akteure wieder auftraten auch als Personen (beispielsweise Pierre Nothomb), die von der Grand Belgique nach dem Ersten Weltkrieg geträumt hatten und die nun auch nach dem Zweiten Weltkrieg Belgien wieder bis zum Rhein sahen, sei es tatsächlich durch eine territoriale Vergrößerung, sei es dadurch, dass man zumindest den Einflussbereich Belgiens bis dort verschieben wollte, sei es da durch die Präsenz belgischer Truppen in der Nachkriegszeit oder eben durch die Kontrolle dessen, was man das Aachen-Dürener Kohlegebiet nannte.

Wobei man eben feststellen muss, die belgische Regierung hat sehr schnell, nämlich im November 1946 schon der UNO ein Memorandum unterbreitet, wo es um die territorialen Forderungen ging, wo es eigentlich dann tatsächlich nur darum ging, die Irregularitäten der Zwischenkriegszeit, will heißen, die Enklaven, die durch die Vennbahn entstanden waren, hauptsächlich also Mützenich, Roetgen, Bildchen, Hemmeres ... unter belgische Kontrolle zu bringen. Gleichzeitig gab es den ökonomischen Druck vor dem Kontext, was man die "Bataille du charbon", die Kohleschlacht in Belgien nannte, also die Sorge darum, dass die belgische Industrie durch ausreichend Energie versorgt würde. Und das war auch sehr schnell geregelt im Frühjahr 1947, sodass eigentlich diese Reparationsforderung in den Hintergrund gerieten und die Vorstellungen davon, dass man mit den westdeutschen Industriegebieten schnell wieder Handel treiben könnte, das kam dann schneller wieder in den Vordergrund.

Aber die vorhin genannten Gebiete wie Hemmeres oder auch Losheim, die waren dann immer noch unter belgischer Militärverwaltung bis weit in die 50er Jahre.

Also es gab tatsächlich für Belgien die Gelegenheit, diese territorialen Forderungen in einem besonderen Format zu verteidigen, und zwar bei der Londoner Sechsmächtekonferenz im Jahr 1948, deren Hauptgegenstand die Bildung eines westdeutschen Staates war. Die Benelux-Länder konnten in diesem Rahmen ihre territorialen Forderungen vorbringen. Und im März 1949 haben die Alliierten eigentlich den Belgiern ihre Forderungen weitgehend zugestanden. Allerdings hat Belgien dann eben wenige Wochen später, Ostern 1949, auf die Eingliederung von Mützenich und Roetgen in diese Auftragsverwaltung, die dann geschaffen wurde, also was Bollenien genannt wurde, verzichtet. Andere Orte wie Hemmeres, Losheim, Aachen-Bildchen verblieben bis 1958 also bis zur Ratifizierung des Ausgleichsvertrags unter belgischer Auftragsverwaltung.

Interessant ist ja, dass in verschiedenen von diesen Ortschaften Interesse bestand, bei Belgien zu bleiben, also gar nicht zurück in deutsche Obhut zu kommen.

In der Tat ist es bemerkenswert zu sehen, dass Belgien in diesen Regionen doch eine Art Entwicklungspolitik im ländlichen Raum geleistet hat, beispielsweise durch die Einführung des elektrischen Stroms in manchen Ortschaften oder auch eine Modernisierung des Schulunterrichts. Gleichzeitig muss man natürlich festhalten, dass die Bundesrepublik beziehungsweise das Land Nordrhein-Westfalen das genauso taten. Das hatte sehr stark damit zu tun, dass Mützenich 1949 sehr gerne belgisch verblieben wäre, also unter diese Auftragsverwaltung gekommen wäre und die Antwort der Landesregierung aus Düsseldorf der Beginn der Strukturförderung in der Eifel war, womit man es dann verschmerzen konnte, dass diese Orte nicht belgisch wurden und womit die Eingliederung der anderen Orte 1958 dann auch am Ende ja sehr problemlos vonstatten ging.

Geregelt wurde das 1956 in dem Ausgleichsvertrag. Und da wurden dann auch Summen festgeschrieben, um genau zu das kompensieren, was im Vorfeld investiert worden war.

Ganz genau. Und deshalb war die Ratifizierung auch so lange, weil der Bundesrat damit so seine Schwierigkeiten hatte, dauerte das zwei Jahre. Das waren allerdings auch Teilbeträge. Was nicht geregelt war, war die ganze Sequesterfrage, also auch die Frage des Waldes der deutschen Gemeinden auf belgischem Grund. Zumal für Mützenich war das ein sehr großes Thema. Und da gibt's ja die Geschichte, dass ein Vertreter des Landrats die dann 1960 auf einer Versteigerung zurückgekauft hat.

Was sah der Ausgleichsvertrag von 1956 sonst noch vor? Also es ging um diese Grenzregelung, es ging um Ausgleichszahlungen. Der Vertrag war aber doch auch Ausgangspunkt für eine Reihe folgender Abkommen, oder?

Ganz genau. Also dieser Ausgleichsvertrag ist ein sogenanntes Mischabkommen. Es gibt eben den Grenzvertrag, der erste, der zwischen Belgien und Deutschland frei verhandelt wurde seit 1830. Es gab ein Doppelbesteuerungsabkommen, denn die Grenzgängerfrage, die gab's natürlich auch damals schon. Und es gab das Gemischte Kulturabkommen, das eben eine gemischte deutsch-belgische Kommission vorsah, um den belgisch deutschen Kulturaustausch zu fördern. Das blieb bis zur Dezentralisierung und Föderalisierung Belgiens der grundlegende Vertrag in diesem Bereich.

Und dann gab es einen letzten Punkt, der sehr interessant ist, denn dieser Vertrag sah auch vor, dass die deutsche Botschaft in Brüssel Flüchtlinge oder Exilanten, die in den Dreißigerjahren vor dem Nationalsozialismus nach Belgien geflüchtet waren, entschädigen konnten. Belgien gab da seine Zustimmung. Es war das erste Mal, dass man über die Entschädigung von NS-Opfern sprach. Das ist dann die Grundlage für die folgenden Abkommen: 1960 der deutsch-belgische Vertrag zur Entschädigung der Opfer des Nationalsozialismus, der sich einreiht in eine ganze Reihe von internationalen Verträgen, die man die Globalabkommen nennt, wo die Bundesrepublik 80 Millionen an Belgien zahlt und der belgische Staat musste dann die Kategorien der Nutznießer festlegen.

Und dann 1962 ein Vertrag, der für die Ostbelgier besonders wichtig war, nämlich der Vertrag zur Kriegsopferversorgung. Da ging es um die Versorgung der sogenannten Zwangssoldaten aus unserer Region, die im Dienst der Wehrmacht einen physischen Schaden erlitten haben. Also es wurde, und das ist wichtig zu sagen, nicht die Zwangsrekrutierung entschädigt, sondern es wurden eben physische Schäden, die man davongetragen hatte, entschädigt. Das waren damals 30 Millionen Deutsche Mark und 1973 kamen noch mal 13,5 Millionen D-Mark hinzu.

Dass man sich in den 1950er Jahren auf die Voraussetzungen dazu einigte, das geschah vor dem Hintergrund der europäischen Annäherung, der europäischen Einigung und auch vor dem Hintergrund des Kalten Krieges.

Der Kalte Krieg ist sozusagen das Schmiermittel für die Annäherung der westeuropäischen Länder. Gepaart mit der Tatsache, dass man schon aus dem Scheitern des Versailler Vertrages und den Entwicklungen der Zwischenkriegszeit gelernt hatte. Ohne den Kalten Krieg hätte diese Annäherung der westeuropäischen Staaten, die ja zuerst einmal eine sicherheitspolitische war (1948 der Brüsseler Pakt, 1949 die Gründung der NATO) so kaum stattgefunden. Und dann war's natürlich schon so, dass gewisse proeuropäische Kräfte eben im Aufwind waren und erste Organisationen entstanden. Die wichtigsten waren natürlich der Europarat und dann 1951 die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, die man als die Vorläuferorganisation zumindest der Entwicklung hin zur heutigen EU bezeichnen kann.

Die Unterzeichnung dieses belgisch-deutschen Ausgleichsvertrags am 24. September 1956 geschah anlässlich eines Vortrags von Bundeskanzler Konrad Adenauer in Brüssel. Ein Vortrag, wo Adenau die Notwendigkeit zur europäischen Einigung beschrieb. Aus heutiger Sicht vielleicht auch interessant, dass er da schon davor warnte, sich allzu sehr der "Patronage" der Vereinigten Staaten von Amerika hinzugeben.

Das ist in der Tat eine bemerkenswerte Passage. Es gibt, wie das immer so ist mit solchen Reden, Passagen, die besser gealtert sind als andere und der Kontext hat sich natürlich auch enorm weiterentwickelt. Aber ja, diese Warnung, sich allzu sehr unter die Patronage der USA zu begeben, ist in der Tat bemerkenswert. Und man muss auch sagen, dass Adenauer eigentlich innerhalb seiner Partei, also der CDU-CSU da doch recht alleine stand, denn letztendlich war der Transatlantismus und das Bestehen auf dem transatlantischen Bündnis schon die dominierende Dimension.

Das kann man auch auf belgischer Seite so erkennen. Ich gebe immer ein Beispiel: Dieser Vertrag wird im September 1956 unterzeichnet, im März 1957 dann die Unterzeichnung der Römischen Verträge mit der Schaffung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und von Euratom. Und dann wird der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Walter Hallstein, erster Vorsitzender der Kommission der EWG, und Paul-Henri Spaak, der eigentlich der Motor dieser Entwicklung gewesen war, wird kurze Zeit später NATO-Generalsekretär. Das zeigt doch, wo damals die Prioritäten lagen im Kalten Krieg.

Wir haben jetzt also viel über die guten deutsch-belgischen Beziehungen gesprochen. Die belgische Militärpräsenz in Deutschland, die sollte dann noch bis in die Zweitausenderjahre andauern. Wie wurde sie eigentlich erfahren auf deutscher Seite?

Die belgische Militärpräsenz in der Bundesrepublik ist wirklich ein spannendes Phänomen, weil wir ansonsten ja sehen, dass die Prozesse dieser Annäherung vor allem politische Prozesse sind. Das heißt, wir sehen sehr wenige gesellschaftliche Impulse, die diese Versöhnung, Annäherung, Aussöhnung, wie immer man das auch nennen will, nach vorne bringen, teilweise aus den Reihen der Universitäten. Aber wenn man das zum Beispiel mit Frankreich vergleicht, wo es eine richtige Debatte gab nach dem Muster: Was war wichtiger, die Zivilgesellschaft oder die Politik? Für Belgien muss man sagen, die Politik war entscheidend. Und die belgische Militärpräsenz in der Bundesrepublik ist der größte Ausdruck dieser Entwicklung. Diese Truppen kommen 1945 an und ihr Ziel ist es, durch ihre schiere Präsenz die Wahrung der belgischen Interessen gegenüber dem besiegten Deutschland zu garantieren. Ich hab das die Präsenzpolitik genannt und diese Präsenzpolitik scheitert ja eigentlich und wird auch irgendwann nicht mehr wirklich gebraucht.

Und ab 1949/1950 sind die belgischen Truppen dann im Rahmen von NATO-Verträgen in der Bundesrepublik stationiert. Dort kommt es zu Begegnungen zwischen jungen Belgiern und der deutschen Zivilbevölkerung, was in der Zeit 1945-1947 sehr konfliktbehaftet war - aufgrund der Ressentiments, die die Belgier mitbrachten nach zwei Besatzungen in einem Vierteljahrhundert, auch aufgrund von praktischen Tatsachen, weil die Belgier die ersten waren, die den sogenannten Familiennachzug der Offiziere gestatteten, womit das Requirierungsbedürfnis der Belgier größer war als bei anderen Alliierten. Das sorgte logischerweise für Reibung. Auch weil die belgische Armee damals das strikteste Fraternisierungsverbot von allen alliierten Armeen auf deutschem Boden hatte. Das ändert sich dann so ab einundfünfzig, zweiundfünfzig, wo dann auch aus der "Armée belge d'occupation" die "Forces belges d'Allemagne", also die belgischen Streitkräfte in Deutschland, werden. Diese Namensänderung zeigt auch schon, in welche Richtung das gegangen ist: Das Verhältnis hat sich stark gebessert.

Es gab Unterschiede zwischen der Präsenz in Westfalen und im Rheinland, wo man überraschenderweise feststellen muss, dass das Verhältnis in Westfalen besser war als im Rheinland, was vielleicht mit den Interessen zu tun hat oder dem Versuch Belgiens, mehr Einfluss im Rheinland zu haben. Und es hing auch damit zusammen, ob nun eine flämischsprachige oder eine französischsprachige Einheit oder Garnison dort stationiert war. Mit den Flamen ging es allein schon aus sprachlichen Gründen deutlich besser. Aber das dauerte bis 1995, in Vogelsang sogar bis 2005. Und da ist es dann trotzdem sehr überraschend zu sehen, wie wenig letztlich davon übrig geblieben ist. Also rein erinnerungspolitisch oder aus einer erinnerungskulturellen Perspektive. Es gibt natürlich sehr viele Familienbande, die entstanden sind, sehr viele Soldaten, die auch in Deutschland geblieben sind. Aber trotzdem kann man eigentlich sagen, dass in dem Moment, wo diese Truppen nicht mehr in Deutschland waren, eigentlich ihre Rolle im deutsch-belgischen Verhältnis erloschen ist. Sie bilden keinen Erinnerungsort in diesem Verhältnis.

Damit sind Sie schon ein bisschen fortgeschritten in den Jahrzehnten. Wie sieht der Historiker die Entwicklung dieser deutsch-belgischen Beziehungen seit den 1950er Jahren bis heute?

Die 50er Jahre haben so etwas wie die Normalisierung dieser bilateralen Beziehungen mit Westdeutschland gebracht, indem eben nach zwei heftigen Konflikten, zwei Katastrophen, normale diplomatische Beziehungen entstanden sind. Die Folge war dann eigentlich, was man als eine Europäisierung oder eine Westeuropäisierung dieser Beziehungen bezeichnen muss. Sie sind nur zu verstehen im Kontext der Entwicklung der europäischen Integration, immer auch vor dem Hintergrund des Kalten Krieges.

Man kann schon sagen, dass aus einem sehr pragmatischen Verhältnis durchaus ein Vertrauensverhältnis geworden ist, auch wenn in Belgien sowohl bei politischen Akteuren als auch vor allem natürlich bei gesellschaftlichen Akteuren dieses latente Misstrauen gegenüber einem Deutschland, das vielleicht zu groß würde, immer auch mitgespielt hat. Aber es war kein entscheidender politischer Faktor mehr. Das darf man, glaub ich, schon festhalten. Und spannend ist vor allem zu sehen, dass bei der Wiedervereinigung 1990 das Master-Narrativ, wie es sich seit den 50er Jahren herausgebildet hatte und das sehr stark darauf aufbaute, nämlich dass Belgien und das Rheinland historisch sehr nahe Entitäten seien, dass auch die Mentalität gegebenenfalls sehr ähnlich sein könne, dass das jetzt sehr problemlos auf das wiedervereinigte Deutschland übertragen wurde, wo man doch die 50er Jahre damit verbracht hatte zu sagen: Alles, was in Deutschland schlecht war, der preußische Militarismus zumal, das ist ja jetzt in der DDR. Wobei man sagen muss, dass auch die Beziehungen Belgiens zur DDR eine sehr spannende Geschichte sind, weil es da auch pragmatischer zuging oder eher pragmatisch als ideologisch.

Am 25. September hält der Historiker Christoph Brüll im Staatsarchiv Eupen (Kaperberg 8) einen Vortrag über die deutsch-belgischen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg und den Ausgleichsvertrag, der am 24. September 1956 unterzeichnet wurde. Beginn ist um 19:30 Uhr.

Ausführliches Radio-Interview mit Christoph Brüll im Player:

Stephan Pesch

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