Noch vor zwei Monaten standen grüne Bäume dicht an dicht im Hürtgenwald. Nun sieht es eher aus wie auf einer riesigen Baustelle. Von den meisten Bäumen sind nur noch verbrannte Stümpfe übrig. Die, die noch stehen, sind an ihrem unteren Ende schwarz. Je höher man allerdings guckt, desto gesünder sehen sie doch noch aus. Trotzdem muss ein Großteil von ihnen nun gefällt werden.
Das Feuer hatte sich nicht nur oberirdisch, sondern auch im Boden verbreitet. Dort verbrannte es die Wurzeln und fraß sich teilweise innerhalb der Bäume nach oben, bis die Flammen aus der Krone schießen konnten. Von außen war so zunächst nicht erkennbar, dass ein Baum bereits tot ist. Bei Fichten stellt das jetzt ein besonders großes Problem dar: Tote, noch stehende, Fichten bieten einen perfekten Lebensraum für Borkenkäfer, indem sie sich unkontrolliert vermehren können. Damit das nicht passiert und die umliegenden Wälder geschützt werden können, sind die Harvester-Maschinen bereits fleißig an der Arbeit.
Thomas Boden, Fachgebietsleiter Hoheit der Nationalparkverwaltung Eifel, erklärt, was hier genau passiert: "Der Harvester ist im Endeffekt dafür da, die Bäume in einem Arbeitsgang zu fällen, zu entasten und dann auf die entsprechenden Längen, die das Sägewerk verarbeiten kann, direkt einzuschneiden. Und danach kommt die nächste Maschine, das ist der Forwarder. Der Forwarder nimmt das Holz auf, fährt's bis an den nächsten LKW befahrbaren Weg, lädt's da wieder ab und von da aus kann der LKW es dann ins Sägewerk fahren."
So werden etwa 500 Kubikmeter Holz pro Tag und Maschine abgeforstet. Es sind vier bis fünf Harvester gleichzeitig in Betrieb. Laubhölzer sind etwas feuerfester, trotzdem müssen die Forstarbeiter genau hingucken, was stehen bleiben darf. Wenn ein Baum beispielsweise bereits stark von Pilzen befallen ist, ist er definitiv tot.
"Parallel laufen wissenschaftliche Untersuchungen, unter anderem durch die RWTH Aachen, zu den Auswirkungen auf das Grundwasser. Schließlich befindet sich derzeit eine große Menge Asche auf der Fläche. Dadurch sind viele Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar. Entscheidend ist jedoch, wie die Asche genau zusammengesetzt ist. Gleichzeitig planen wir bereits, wie wir die natürliche Wiederbewaldung durch Naturverjüngung gezielt durch weitere Baumarten ergänzen können. So wollen wir möglichst schnell wieder eine hohe Baumartenvielfalt auf der Fläche erreichen."
Die Prognose für die Zukunft der Waldfläche sieht also trotz allem relativ positiv aus, an einigen Stellen wächst jetzt schon wieder Gras. Spaziergänger im Wald sollten trotzdem noch aufpassen, wo sie hingehen, meint Gina Dreßler, von der Gemeinde Hürtgenwald.
"Wichtig ist, sich ausschließlich auf den freigegebenen Wegen aufzuhalten, da die Standsicherheit der Bäume in den übrigen Bereichen derzeit noch nicht gewährleistet werden kann. Der Forst arbeitet mit Hochdruck daran, die freigegebenen Bereiche auszuweiten. Die gesperrten Flächen sollten auf keinen Fall betreten werden. Durch den abgebrannten Boden liegen teilweise die Wurzeln der Bäume frei, sodass diese jederzeit umstürzen können."
Und dann wäre da noch das finanzielle Problem. Durch den Brand sind extrem hohe Kosten entstanden, zum Beispiel durch die Luftunterstützung und für die Wiederherstellung des Ursprungszustandes. Der Kreis übernimmt laut Dreßler zum Teil die Kosten, den Rest des Geldes muss aber die Gemeinde selbst zusammen kriegen. Sie hoffen jetzt auf Hilfe durch Bund und Länder.
Trotzdem bleibt im Hürtgenwald, genau so wie im Hohen Venn, noch einiges zu tun. Die Brände in diesem Sommer werden dort sicherlich noch lange spührbar bleiben.


