Seit Juni ist der Einsatz von Fahrzeugen mit sogenannten "Full Self-Driving"-Funktionen auch in Belgien erlaubt. Die Technologie ermöglicht es Fahrzeugen, verschiedene Fahraufgaben selbstständig zu übernehmen. BRF hat das System bei einer Testfahrt in Eupen ausprobiert.
Getestet wurde ein Fahrzeug mit einem Assistenzsystem der Stufe 2. Der Fahrer gibt dabei ein Ziel über das Navigationssystem oder den Sprachassistenten ein. Anschließend übernimmt das Fahrzeug unter anderem die Navigation, hält die Spur, erkennt andere Verkehrsteilnehmer, passt die Geschwindigkeit an und kann selbstständig überholen.
Der Fahrer muss allerdings weiterhin aufmerksam bleiben und jederzeit eingreifen können. Eine Kamera im Innenraum überwacht deshalb, ob der Fahrer auf die Straße schaut und sich ausreichend am Lenkrad beteiligt. Bei Unaufmerksamkeit gibt das Fahrzeug Warnungen aus. Werden diese wiederholt ignoriert, können sogenannte "Strikes" vergeben werden. Nach fünf Strikes kann die Nutzung des Systems für eine Woche gesperrt werden.
Ausweichen vor einem Krankenwagen
Wie das System auf eine unerwartete Situation reagiert, zeigte sich bereits während der Fahrt durch Eupen. Auf der Aachener Straße kam plötzlich ein Krankenwagen auf der Fahrspur des Testfahrzeugs entgegen. Das Fahrzeug erkannte den Krankenwagen und überprüfte mithilfe seiner Kameras, ob der Gehweg frei war. Anschließend wich es selbstständig auf den Gehweg aus, um dem Einsatzfahrzeug Platz zu machen. Die Testfahrt führte anschließend weiter durch Eupen und über die Autobahn.
Sicherheit noch schwer einzuschätzen
Ob Fahrzeuge mit solchen Assistenzsystemen tatsächlich für mehr Sicherheit sorgen, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Die Technologie ist in Belgien erst seit kurzer Zeit zugelassen. Nach Angaben der zuständigen flämischen Ministerin hat es seit Juni vier leichte Unfälle mit Fahrzeugen in diesem Modus gegeben.
Gleichzeitig ist nicht bekannt, wie viele Unfälle durch das System möglicherweise verhindert wurden. Die flämische Zeitung "Het Nieuwsblad" berichtet unter Berufung auf entsprechende Daten, dass die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls bei selbstfahrenden Fahrzeugen deutlich geringer sein soll. Für eine abschließende Bewertung sind allerdings weitere Erfahrungen und Daten notwendig.
Probleme auf Parkplätzen
Bei der Testfahrt zeigte sich auch, dass das System noch nicht in allen Situationen zuverlässig funktioniert. Vor allem größere Parkplätze bereiteten dem Fahrzeug Schwierigkeiten. In zwei Fällen fand das System den Weg vom Parkplatz nicht und drehte stattdessen mehrere Runden. Die Fahrer mussten anschließend selbst eingreifen.
Auch beim Rückwärtseinparken zeigte sich noch Verbesserungspotenzial. Ein Parkvorgang dauerte mehr als eine Minute. Der Test in Eupen zeigt damit, dass die Technologie bereits zahlreiche Fahraufgaben übernehmen kann, gleichzeitig aber noch Grenzen hat – insbesondere in komplexeren Verkehrssituationen und auf Parkplätzen.
Robin Emonts
Ich fahre seit September 2019 ein Tesla Model 3. Mit 77 Jahren kann ich die Fahrassistenz endlich richtig nutzen. Sie nimmt auf langen Strecken und im dichten Verkehr viel Anspannung, bleibt aber überwacht: der Fahrer muss jederzeit eingreifen und trägt die Verantwortung.
Belgien hat Supervised Full Self-Driving zugelassen. Die anderen sechs Länder sind die Niederlande, Litauen, Estland, Dänemark, Slowenien und Tschechien. Hoffentlich folgt bald ganz Europa; eine EU-Entscheidung ist für Mitte Oktober geplant.
Tesla Europe meldet nach rund 100 Millionen Kilometern auf EU-Straßen 4,1-mal weniger Unfälle als beim manuellen Fahren. Über 70.000 Kunden legen damit mehr als eine Million Kilometer pro Tag zurück. In Belgien waren es von Juni bis Ende August 24,6 Millionen Kilometer; außerorts lag die Unfallrate etwa 9,6-mal niedriger, auf der Autobahn rund 30 Prozent. Notbremsungen und scharfe Ausweichmanöver gingen stark zurück. 2025 starben in Europa etwa 19.400 Menschen im Straßenverkehr, rund 53 pro Tag, meist durch menschliches Fehlverhalten.