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25 Jahre "Grünes Land Eifel-Ardennen": Landwirtschaft ohne Grenzen

18.09.202614:17
  • Agra Ost
  • Bitburg-Prüm
Schild mit der Aufschrift "25 Jahre GLEA - Versuchsfeld DLR Eifel"
Bild: Manuel Zimmermann/BRF

Das grenzüberschreitende Netzwerk "Grünes Land Eifel-Ardennen" feiert 25 Jahre. Bei einer Jubiläumsveranstaltung in Steinborn bei Bitburg ging es um die Bedeutung des Grünlands, den interregionalen Austausch und die Herausforderungen der heutigen Landwirtschaft. Das neue Logo des Projekts ist dabei nur ein sichtbares Zeichen des Jubiläums.

Im Mittelpunkt der Feier stand die Arbeit des Netzwerks. Hauptredner war Jérôme Gennen, Direktor des landwirtschaftlichen Forschungs- und Beratungszentrums Agra Ost. Die Einrichtung war maßgeblich an der Gründung des Projekts beteiligt.

Grünland braucht Management

Im Eifel-Ardennen-Raum werden nach Angaben Gennens 45 bis 50 Prozent der Flächen landwirtschaftlich genutzt. Rund 1,2 Millionen Hektar entfallen demnach auf Grünland. Das entspricht ungefähr einer Fläche von 110 mal 110 Kilometern.

Grünland wirkt auf den ersten Blick unkompliziert: Gräser und Kräuter wachsen jedes Jahr aufs Neue. Doch die Bewirtschaftung erfordert viel Fachwissen, betont Gennen. „Grünland ist Management. Man muss das Grünland düngen, man muss wissen, wann man es mäht und wie oft man es mäht. Mit den Tieren genauso: Mit wie vielen Tieren darf ich beweiden? Und wie viel Hofdünger darf ich zurück aufs Feld bringen?“

Agra Ost berät Landwirte in diesen Fragen seit rund 40 Jahren. Vor 25 Jahren entstand die Idee, diese Beratung grenzüberschreitend zu organisieren.

Wissen über Grenzen hinweg

"Grünes Land Eifel-Ardennen", kurz GLEA, wurde ursprünglich von der Wallonie, Rheinland-Pfalz und Ostbelgien im Rahmen eines Interreg-Projekts gegründet. Finanziert wird das Netzwerk weiterhin von diesen Regionen. Die Koordinationsstelle arbeitet inzwischen auch mit Luxemburg, dem Saarland und Nord-Frankreich zusammen.

GLEA versteht sich als Plattform für den Austausch zwischen Beratung, Forschung und landwirtschaftlicher Praxis. Ein Beispiel für den erfolgreichen Wissenstransfer ist laut Gennen die Entwicklung von Biogasanlagen in Belgien. In Deutschland gab es entsprechende Anlagen bereits in den 1980er-Jahren. Um die Jahrtausendwende entstanden dann auch in der Grenzregion die ersten Anlagen - unter anderem in Nidrum, Recht und Arlon. "Die Landwirte hatten die Möglichkeit, sich in Deutschland zu informieren und das Wissen zu übernehmen - etwa über die Fütterung der Anlagen oder die Verwertung des Gärrestes", erklärt Gennen.

Jérôme Gennen im Gespräch mit zwei weiteren Personen
Jérôme Gennen (Mitte) (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)
Pflanzen auf dem Versuchsfeld
Bild: Manuel Zimmermann/BRF
Kleepflanze im Versuchsfeld
Bild: Manuel Zimmermann/BRF
Infotaufel zu neuen Techniken im Versuchswesen
Bild: Manuel Zimmermann/BRF
Landwirtschaftliche Maschinen, davor stehen mehrere Personen
Bild: Manuel Zimmermann/BRF
Gruppenbild von Vertretern von GLEA und Agra Ost
Bild: Manuel Zimmermann/BRF

Klimawandel verschärft Probleme

Die Herausforderungen für die Landwirtschaft nehmen jedoch zu. Hitze und Trockenheit verringern die Menge und Qualität des Futters und führen zu Hitzestress bei den Tieren. Gefragt sind deshalb unter anderem Anpassungen beim Stallklima, klimaresilientere Tier- und Pflanzensorten sowie ausreichende Futterreserven für wachstumsarme Phasen. Gleichzeitig müssen die Betriebe immer mehr Anforderungen erfüllen.

Früher standen vor allem Düngung und Wasserschutz im Mittelpunkt der Beratung. Heute kommen Themen wie Biodiversität und die Anpassung an den Klimawandel hinzu. "Das sind alles sehr komplexe Themen, die ineinandergreifen. Die Beratung wird aber dementsprechend nicht unbedingt aufgestockt - und die Forschungsgelder auch nicht. Das bringt noch eine zusätzliche Komplexität hinzu, weil die Mittel fehlen", sagt Gennen.

Nachwuchs und Bürokratie

Ein weiteres Problem ist der fehlende Nachwuchs. Hinzu kommt die zunehmende Bürokratie. Vor allem für ältere Landwirte kann die Digitalisierung zur zusätzlichen Hürde werden. Dokumentationen müssen inzwischen häufig über Online-Plattformen und Apps erledigt werden.

Gleichzeitig wachsen die Betriebe und damit auch die Anforderungen an die Betriebsführung. "Ein Tag für einen Junglandwirt hat auch nur 24 Stunden - genau wie der Tag für den Altlandwirt", so Gennen.

Die Kuh als Teil der Wertschöpfung

Gennen betont zugleich die vielfältige Bedeutung des Grünlands. Es schützt das Grundwasser, speichert Kohlenstoff, trägt zur Biodiversität bei und prägt die Kulturlandschaft - auch als Grundlage für den Tourismus.

Die Haltung von Kühen werde mit Blick auf den Klimawandel zunehmend kritisch gesehen. Für Grünlandregionen bleibe sie jedoch von zentraler Bedeutung. Milch und Fleisch stützten nicht nur die landwirtschaftlichen Betriebe, sondern auch Handel, Gastronomie und Handwerk. "Wir brauchen das Tier, um in einer Grünlandregion aus Gras, Klee und Kräutern Lebensmittel herstellen zu können." Oder, kurz gesagt: Die Kuh bildet die Grundlage der regionalen Wertschöpfungskette. Denn ohne Tiere, die das Grünland verwerten, lasse sich daraus in der Landwirtschaft kein wirtschaftlicher Gewinn erzielen.

Manuel Zimmermann

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